400 Fans im Soundgewitter: Uncle Ho rockt den Live Club

400 Fans im Soundgewitter: Uncle Ho rockt den Live Club

Im LCB stellte die Wuppertaler Band am Samstag ihr neues Album „The Manufacture of Madness“ vor — und zeigte sich in Barmen in Bestform.

Barmen. Der Titel passt perfekt. „The Manufacture of Madness“ haben Uncle Ho ihr neues Album genannt — und wie genau sich die Herstellung des Wahnsinns anfühlt, erlebten rund 400 Fans bei einer umjubelten CD-Release- Party im Live Club Barmen (LCB). Vor restlos ausverkauftem Haus entfesselte die Band am Samstag ein infernalisches Soundgewitter, das tief in die Magengrube fuhr.

Aus dem ohnehin gut aufgelegten Publikum machte die furiose Rock-Show eine einzige springende, tanzende und schwitzende Masse. Dabei spannte das Trio einen weiten Bogen vom aktuellen Material ihres bereits fünften Studioalbums bis hin zu den Anfängen ihrer Laufbahn in den 90er Jahren.

Der Abend hatte mit den Bands Bonez und Eyesclosed bereits vielversprechend angefangen. Letztere servierten ein zuerst kurzweiliges Rock-Brett im Stil von Blink-182, das den Zuhörern kräftig einheizte. Zuvor hatten Bonez mit ihrem spannenden Mix aus Crossover, deutschen Texten und sphärischem Keyboard-Programming schon das Eis gebrochen.

Im Anschluss bewiesen Uncle Ho, dass sie auch knapp zwei Jahrzehnte nach ihrer Gründung zu einer der besten Live Bands der Republik gehören. Björn Krüger bearbeitet das Schlagzeug, als ob es kein Morgen gäbe und ergänzt sich rhythmisch ideal mit dem samt Verzerrer bis zur Schmerzgrenze aufgedrehten Bass von Sänger Julian Hanebeck. Dessen sonore Stimme gibt den Songs einen unverwechselbaren Charakter und schraubt sich immer wieder hoch bis zur schreienden Ekstase. Als Dritter im Bunde bringt Ex-„Heyday“-Gitarrist Thorsten Sala, der den 2003 ausgestiegenen Jens „Doc“ Schmidt ersetzt hat, die Melodien zum Glänzen.

Denn bei allem Hang zum brachialen Klang zeigen Uncle Ho auch auf dem neuen Album die Ohrwurm-Qualitäten, mit denen sie Ende der 90er Jahre sogar in Amerika auf sich aufmerksam machten (siehe Kasten rechts).

Der Song „How could you fall for love“ ist eine echte Pop Perle, die man so schnell nicht mehr aus dem Gehörgang bekommt. Unverzichtbar sind natürlich auch die alten Klassiker wie „Come on, Come clean“, „Bubblehead“ und der Live-Kracher „I don’t care if you like me“.

Am Schluss des knapp 90-minütigen Sets gab es dann eine Zeitreise zu den Crossover-Wurzeln des ersten Albums „Tilt“. Unterstützt an den Plattentellern durch Bonez-Frontman Simon Felgenträger, schlossen Titel wie „Gurl“ oder „I might come in handy“ ein Konzerterlebnis der Extraklasse ab.

Mehr zur Band gibt es online: www.uncleho.eu

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