40 Prozent der Menschen in Wuppertal haben einen Migrationshintergrund

Integration : Es geht nicht nur um die Flüchtlinge

NRW-Staatssekretärin Serap Güler besuchte das Haus der Integration.

Es ist alles andere als Zufall, dass Wuppertal als eine von zwölf Kommunen ausgewählt wurde, die an einem Modellprojekt des Landes NRW für Menschen mit Migrationshintergrund teilnehmen. Ziel ist es, eine Integrationskette zu bilden, die von den Kindergartenkindern bis zu den Senioren reicht. 12 000 geflüchtete Menschen leben in Wuppertal, 70 000 mit ausländischem Pass. Insgesamt sind es aber 140 000 Menschen mit Migrationshintergrund. Das sind in Wuppertal 40 Prozent der Gesamtbevölkerung, der höchste Anteil in NRW.

 54 Kommunale Integrationszentren gibt es im Bundesland. Die Landesregierung verfolgt das Ziel, dass künftig die bereits länger in NRW lebenden Menschen mit Migrationshintergrund zum Beispiel bei der Suche nach einer Lehrstelle oder einem Arbeitsplatz intensiver unterstützt werden.

In Wuppertal gibt es im Haus der Integration an der Bundesallee kurze Kommunikationswege zwischen Ausländeramt, Jobcenter und dem Integrationszentrum. Das ist nicht überall so. In einigen Städten gibt es gar keinen Austausch des Kommunalen Integrationszentrums mit dem Ausländeramt oder Jobcenter. Über die Vorteile, die das Haus der Integration bietet, hatte sich NRW-Staatssekretärin Serap Güler (CDU) bereits im Januar informiert. Ihr Besuch am Mittwoch galt speziell dem Kommunalen Integrationszentrum (KI). Die in Wuppertal und in den elf anderen Städten gewonnenen Erkenntnisse sollen auf alle 54 Kreise und kreisfreien Städte in Nordrhein-Westfalen übertragen werden. Bis 2020 will die Landesregierung 25 Millionen Euro für die Ausweitung des Integrations-Konzeptes bereitstellen.

Vor einigen Tagen hatte Serap Güler als Gastrednerin beim Laurentiusempfang der katholischen Kirche auf Versäumnisse bei der Integration der ersten Generation von Migranten hingewiesen. Sozialdezernent Stefan Kühn stimmt ihr zu, dass die Anstrengungen bei der Integration nicht auf die Neuankömmlinge in Wuppertal beschränkt sein dürfen.

Um die Kommunalen Integrationszentren in die Lage zu versetzen, eine Integrationskette analog einer lebenslangen Bildungskette aufzubauen, müssen entsprechende Strukturen und Kommunikationswege geschaffen werden. Außerdem gilt es, bürokratische Hindernisse abzubauen, die oft genug zwischen den einzelnen Behörden und Ämtern stehen.

„Unser Ziel ist eine rechtskreisübergreifende Zusammenarbeit von Jugendamt, Jobcenter, Schulamt, den Wohlfahrtverbänden, Flüchtlingshilfevereinen, Handelskammern und der Arbeitgeberseite“, sagt Serap Güler. „Integrationsmanager“ sollen die Migranten begleiten. Für die dafür nötige personelle Ausstattung der Integrationszentren sagte Güler die Unterstützung des Landes NRW zu.

Sozialdezernent Kühn hofft auf einen Quantensprung

„Wenn uns das Projekt gelingen sollte, dann ist das ein völlig neuer Weg, und es wäre ein Quantensprung für unsere Integrationsarbeit“, sagt Wuppertals Sozialdezernent Stefan Kühn, der die Staatssekretärin für Integration des Landes NRW gemeinsam mit Arlin Cakal-Rasch, Leiterin des Kommunalen Integrationszentrums, in Wuppertal begrüßt hatte.

Praktische Beispiele für die Arbeit des Wuppertaler KI lernte Serap Güler dann in der ehemaligen Schule an der Hufschmiedstraße kennen, die nicht mehr als Förderschule und Flüchtlingsunterkunft genutzt wird. Dort bietet die Stadt Migrantenvereinen und Initiativen, die Lernangebote für Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren machen, kostenlos Räume an. „Wir möchten dort auch Jugendliche zusammenbringen, sie für Sport und Kultur interessieren und ihnen Freizeitangebote machen“, sagt Arlin Cakal-Rasch. Kooperationspartner sind die Bundesagentur für Arbeit, die Industrie- und Handelskammer sowie die Kreis-Handwerkskammer.

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