4. WZ-Autoschau am 19. Mai steht im Zeichen des Wandels der Mobilität

Autoschau : „China gibt Tempo und Richtung bei dem Thema Mobilität vor“

Wie sieht das Autofahren in der Zukunft aus? Antworten gibt es in einer Diskussionsrunde während der WZ-Autoschau am 19. Mai auf dem Campus Freudenberg der Bergischen Universität.

Als digitale Modellregion soll das Bergische Städtedreieck eine Vorreiterrolle und Vorbildfunktion für andere Städte und Regionen einnehmen. Digitale Transformation klingt nach einem theoretischen Konstrukt, aber es geht bereits um ganz konkrete Dinge, wie zum Beispiel die Verbesserung der Abläufe im Wuppertaler Einwohnermeldeamt. Digitalisierung soll in der Modellregion über das Entstauben von Verwaltungsvorgängen hinaus gehen. Digitale Transformation bringt neue Formen der Mobilität mit sich und verändert die Fortbewegung per Auto, Bahn, Rad oder zu Fuß. So will zum Beispiel die Stadt über ein digitales Ampelsystem die Verkehrsflüsse von Autofahrern, Bussen, Radfahrern und Fußgängern optimieren.

Diskussionsrunde zum Thema
Mobilität der Zukunft

Das Thema Mobilität der Zukunft wird im Mittelpunkt einer Diskussionsrunde im Rahmen der 4. WZ-Autoschau am Sonntag, 19. Mai (11 bis 17 Uhr), auf dem Campus Freudenberg der Bergischen Universität stehen. Moderiert von Lothar Leuschen, WZ-Chefredaktion, findet die Diskussion über den Wandel der Mobilität ab 12 Uhr im Hörsaal direkt am Ausstellungsgelände statt. Zu den Teilnehmern zählen Rolf-Peter Kalmbach, Abteilungsleiter Straßenverkehrstechnik der Stadt Wuppertal, Stephan A. Vogelskamp, Geschäftsführer der Bergischen Struktur- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft mbH, Prof. Dr.-Ing. Anton Kummert, Dekan, Fakultät für Elektrotechnik von der Bergischen Universität Wuppertal und Dr.-Ing. Andreas Braasch, Geschäftsführer des Instituts für Qualitäts- und Zuverlässigkeitsmanagement GmbH (IQZ).

„Wir haben eine große Tradition der Verkehrsinnovation im Bergischen Land. Und ganz aktuell gehen wieder viele Impulse vom Bergischen aus“, sagt Stephan A. Vogelskamp. Mit der Schwebebahn, den O-Bussen und der Initiative E 100 zum Einstieg in die E-Automobilität setze das Bergische Land schon längst auf die Elektrifizierung der Mobilität. Das Jahr 2025 nennt Vogelskamp als Wendepunkt, denn spätestens ab dann werde sich die E-Mobilität massiv durchsetzen. Für 2030 rechnet er zudem mit dem Durchbruch für autonome Fahrzeuge.

„Diese Entwicklungen haben längst Fahrt aufgenommen, aber auf das Tempo haben wir selbst nur noch einen begrenzten Einfluss, denn der globale Treiber ist China, das die Transformation der Mobilität aus Gründen des Umweltschutzes vorantreiben muss und dies aufgrund der politischen Strukturen und Machtverhältnisse auch so schnell durchsetzen kann“, sagt Vogelskamp. China habe auf die Umweltprobleme im eigenen Land reagiert und setze voll auf die Karte Elektrofahrzeuge und autonomes Fahren. „Im Grunde können wir China dankbar sei, denn es werden nun Entwicklungen beschleunigt, die im Hinblick auf den Klimawandel bei uns überfällig sind“, so Vogelskamp.

Fast jeder dritte Automobilzulieferer in Nordrhein-Westfalen hat seinen Standort im Bergischen. Tausende qualifizierter Arbeitsplätze hängen von den großen Veränderungen in den kommenden Jahren ab. Ein Vorteil für die hiesigen Unternehmen ist, dass die meisten keine Motorenteile herstellen, die beim Wandel zum Elektromotor immer weniger Abnehmer finden werden. Doch die Veränderungen im Markt werden den Konkurrenzdruck insgesamt steigen lassen. Den nächsten Innovationsschub wird der Wandel zum autonomen Fahren mit sich bringen. „Wer sich mit diesen Trends beschäftigt, der muss sich mit China beschäftigen“, sagt Stephan Vogelskamp.

Mit der deutsch-chinesischen Automobil-Allianz hält die Region sozusagen den Zündschlüssel bereits in der Hand. Nach einem Auftaktkongress in der Wuppertaler Stadthalle und einer weiteren Veranstaltung in China wird es zur Internationalen Automobil Ausstellung (IAA) einen dritten deutsch-chinesischen Austausch in Ingolstadt geben, wo von Audi eines der ganz großen Räder der deutschen Schlüsselindustrie gedreht wird.

Im April ist in Solingen der Verein Automotivland.NRW gegründet worden, der am 19. Mai im Rahmen der Diskussionsrunde auf der WZ-Autoschau vorgestellt wird. Zwölf Unternehmen und Institutionen haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Forschung, Entwicklung und Produktion der Mobilität in der Region voranzutreiben. Dem Verein gehören Unternehmen wie WKW, Aptiv und Coroplast sowie die Bergische Universität und die Industrie- und Handelskammer an.

Bergisches Städtedreieck wird durch einen Verein vertreten

„Man kann die Welt auch mit einem Verein verändern. Dieser Verein muss aber auf der politischen Bühne präsent sein“, sagt Vogelskamp. Was ihn optimistisch stimmt, ist die Überzeugungskraft, die von der Initiative ausgeht. In einer Studie mit dem Titel „Automotive-Region Bergisches Städtedreieck 2030“ haben die Bergische Universität und die Bergische Struktur- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft als Herausgeber die Dynamik des Wandels analysiert und Wege aufgezeigt. „Die Botschaft der Studie ist bei der Landesregierung und Ministerpräsident Laschet angekommen. Man traut der Region nun zu, den Wandel mitzugestalten. Das drückt sich in Förderprojekten aus, bei denen insgesamt mehr als 20 Millionen Euro an Fördergeldern für die digitale Modellregion oder das Projekt Affiance zusammen gekommen sind.“ Bei dem Projekt Affiance, das maßgeblich von der Bergischen Universität und den Unternehmen Aptiv und IQZ gesteuert wird, werden Abläufe und Sicherheit beim autonomen Fahren in einer Laborsituation auf den Prüfstand gestellt.

Mit einem Automotive-Cluster war das Land NRW vor Jahren gescheitert, weil die Förderprogramme auf die großen Autohersteller ausgerichtet waren. Im Mittelpunkt neuer Förder-Programme stehen die Zulieferer, wie sie für das Bergische Land typisch sind. Und die wollen mit einem Schatz an Patenten, gut ausgebildeten Mitarbeitern und gefragten Produkten ein Wort mitreden, wenn es um die Gestaltung der Mobilität von morgen geht.

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