1. NRW
  2. Wuppertal

Wuppertal: 35 000 Wuppertaler leiden unter Verkehrslärm

Wuppertal : 35 000 Wuppertaler leiden unter Verkehrslärm

Die Belastung durch den Straßenverkehr hat abgenommen. Bahn und Schwebebahn folgen im Ranking.

Wuppertal. Fast zehn Prozent der Wuppertaler werden tagsüber und auch nachts durch zu starken Straßenlärm belastet. Das geht aus den Zahlen des Ressorts Umweltschutz hervor, die kürzlich mit den Zahlen vieler anderer Kommunen durch das Umweltministerium des Landes veröffentlicht wurden — zusammengefasst in Karten, die die Belastung auf den Straßen bildlich zeigen.

Nach einer im deutschen Recht angewandten EU-Richtlinie zum Umgebungslärm müssen die Länder alle fünf Jahre die Lärmbelastung erfassen, damit sie Maßnahmen entwickeln können, um die Belastung oder gar gesundheitliche Schädigung zu vermeiden.

Nach einer Studie des Bundesumweltamts fühlen sich 76 Prozent der Menschen in Deutschland vom Straßenlärm gestört, insgesamt seien mehr als 60 Prozent vom Verkehrslärm insgesamt beeinträchtigt, so das NRW-Umweltministerium. Lärm kann krank machen. Ein ständig hoher Lärmpegel kann demnach zu Schlafstörungen oder Problemen mit dem Herzkreislaufsystem führen. Auch habe Lärm soziale und ökonomische Folgen — kann etwa den Wert von Immobilien beeinflussen.

NRW-Umweltministerin Christina Schulze Föcking (CDU) sieht es als ihre Aufgabe an, Menschen vor hohen Lärmbelastungen zu schützen. „Indem wir die Lärmbelastungen senken, verbessern wir die Lebensqualität der Menschen und die Attraktivität und Standortqualität unserer Städte“, sagte sie bei der Vorstellung der Daten.

In NRW sind den Daten nach etwa eine Million Menschen von beträchtlichen Lärmbelastungen anhaltend betroffen. In Wuppertal sind es im Tagesmittel 33 520 Menschen, die einem Wert von mehr als 65 Dezibel durch den Straßenverkehr ausgesetzt sind, nachts sind es 34 770 Menschen, die einem Wert von mehr als 55 Dezibel ausgesetzt sind. Beide Werte sind laut Umweltbundesamt die, die zur Vermeidung gesundheitlicher Risiken nicht überschritten werden sollten. Zur Einordnung: Ein Auto verursacht in zehn Metern Abstand einen Geräuschpegel von 60 bis 70 Dezibel.

Nach dem Straßenverkehr ist die Bahn stärkste Lärmquelle in Wuppertal — sie erzeugt Geräusche von mehr als 75 Dezibel im Tagesmittel und mehr als 70 Dezibel nachts — so die Daten der Stadt. Betroffen von erhöhten Werten sind demnach 3890 Personen am Tag und 5870 nachts.

Der Lärm der Schwebebahn betreffe 1390 tagsüber und 1090 Personen nachts, der Industrielärm oberhalb der Richtwerte treffe 40 Personen am Tag und 50 in der Nacht.

Die Werte sind aber zumindest in Teilen besser geworden als in der Vorgängererfassung von 2012. In allen Kategorien ist laut Stadt der Anteil betroffener Bürger gesunken. Mit der Ausnahme Straßenlärm — denn in den Klassen 65 bis 70 Dezibel und 70 bis 75 Dezibel tags und 60 bis 65 Dezibel nachts gab es leichte Anstiege. Also definitiv in Bereichen, die als schädlich angesehen werden.

Hans-Georg Schmitz vom Umweltressort der Stadt führt die Verbesserungen etwa auf neue Bremsen bei vielen Bahnen zurück oder auf das neue Schwebebahngerüst wie auch die neuen Wagen. Den Rückgang bei der Zahl der betroffenen Bürger insgesamt begründet er unter anderem auch mit dem Einwohnerrückgang zwischen 2007 und 2014, weswegen generell weniger Personen im Messgebiet gelebt hätten. Weitere Verbesserungen könnten seiner Meinung nach durch Tempo-30-Zonen und flüssigere Verkehrslenkung zustande kommen. Die Stadt hat dafür einen Lärmaktionsplan, der schon in Kraft ist und eben diese Maßnahmen empfiehlt.

In Wuppertal wurden die lokalen Zahlen schon Ende vergangenen Jahres im Umweltausschuss vorgestellt. Hans-Georg Schmitz vom Umweltressort der Stadt hat die Lärmbelastung für die Kartierung berechnet. Gemessen werden die Belastungen nicht. Schmitz erfasste stattdessen die Daten über die Anzahl und Art der Verkehrsteilnehmer in einem 3D-Modell der Stadt, in das auch die Wohnbebauung und Schallschutzmaßnahmen wie besonderer Asphalt oder Schallschutzwände einbezogen wurden. Laut Richtlinie werden die Erhebungen alle fünf Jahre gemacht.