300 Wuppertaler beten für den scheidenden Papst

300 Wuppertaler beten für den scheidenden Papst

Bewegte Gläubige feiern in der Laurentiuskirche eine Dankmesse für den abgetretenen deutschen Papst.

Wuppertal. So sehr man die mangelnde Reformfreudigkeit des deutschen Papstes in puncto Verhütung, gleichgeschlechtliche Beziehungen und der Rolle von Frauen in der Kirche ankreiden mag, eines muss man Joseph Kardinal Ratzinger lassen: Er ist ein Papst der Herzen.

Weltweit verfolgten am Donnerstagabend Abermillionen den Rücktritt seiner Heiligkeit — auch in Wuppertal: Rund 300 Katholiken feierten in der Laurentiuskirche mit Stadtdechant Bruno Kurth eine Dankmesse zum Ende des Pontifikats von Papst Benedikt XVI. „Diese Stunde bewegt uns im Herzen“, erklärte Kurth, der nach eigenem Bekunden mit Bewunderung und Dankbarkeit auf das Wirken des deutschen Papstes zurückblickt.

Benedikt XVI. habe während seiner Regierungszeit das Papst-Amt als „Dienst für die Diener Gottes“ geprägt, indem er sich als einfacher Arbeiter im Weinberg des Herrn verstanden habe. Kurth ist sich sicher: „Seine Bescheidenheit und Demut waren nicht geheuchelt.“

Der katholische Geistliche fand aber auch kritische Worte: „Natürlich hat Benedikt XVI. einige meiner Erwartungen auf Reformen enttäuscht.“ Nicht zuletzt lobte Kurth allerdings Benedikts Einsatz für die Aufarbeitung der Missstände in seiner Kirche.

Schließlich verwies der Stadtdechant — mit den Worten Ratzingers — darauf, dass die Liebe und Begegnung mit Jesus Christus der Ausgangspunkt des christlichen Glaubens seien — und zitierte den letzten Twitter-Eintrag Benedikts: „Mein Wunsch ist es, dass jeder die Freude spürt, von Gott geliebt zu sein.“

Mit dieser Freude könne man als Katholik auch in Wuppertal ohne deutschen Papst froh in der Kirche leben, ist sich Kurth sicher. Er betete anschließend für die Kardinäle, die jetzt einen neuen Papst wählen müssen. Perfektes Timing: Die letzten Gläubigen waren gerade von der Eucharistie-Feier in ihre Bänke zurückgekehrt, da begannen die Glocken zu läuten. 20 Uhr. „Der Stuhl Petri ist nun vakant“, verkündete Kurth.

Viele Besucher der Dankmesse bekamen eine Gänsehaut. Benedikts Amtszeit war in diesem Moment offiziell beendet — das löste auch beim anschließenden Empfang im Stadthaus gemischte Gefühle aus. „Ich bin traurig und dankbar zugleich“, sagte die 28-jährige Christine Autzen. Benedikt XVI. habe ihren Glauben besonders durch seine zahlreichen Bücher geprägt, erklärt die junge Katholikin. Auch Gerlinde Geisler würdigte das Werk des „Papstes a.D.“: Benedikt XVI. habe mit einfachen Worten die frohe Botschaft vermittelt.

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