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26 neue Häuser? Immobilien-Anzeige sorgt für Diskussionen am Katernberg

Stadtentwicklung : 26 neue Häuser? Immobilien-Anzeige sorgt für Diskussionen am Katernberg

Ein Makler wollte „den Markt testen“ - konkrete Pläne gibt es aber gar nicht. Anwohner befürchteten ein neues Großprojekt. Die Stadt wehrt sich gegen Kritik.

Neue Bauprojekte am Katernberg – ein heikles Thema. Das musste jetzt eine überregionale Bauträgerfirma erfahren. Bei einem Online-Immobilienportal warb sie für 26 Häuser. „Modern und schlüsselfertig“, wie es im Angebot hieß. Im Bereich um den August-Jung-Weg, der als „Topadresse“ bezeichnet wird. Zu Preisen zwischen 589 900 und 629 900 Euro. Sogar Entwürfe waren schon zu sehen. Anwohner, die die Anzeige entdeckt hatten, liefen Sturm. Die IG August-Jung-Weg, aktuell auf die Stadtverwaltung ohnehin nicht gut zu sprechen und wegen des vom Rat abgesegneten Bauprojektes auf der Wiese im Klageverfahren, fragte provozierend: „Ist die Wiese nur der Anfang?“ Wegen des neuen vermeintlichen Großprojektes schaltete sie alle Fraktionen ein, die wiederum bei der Stadt nachfragten – die aber nichts von irgendwelchen Bauvoranfragen oder ähnlichem wusste. Der Haken an den 26 Häusern: Sie sind eine Luftnummer. Wie in Rathauskreisem schon vermutet, wollte die Firma, die noch nicht vorher in Wuppertal tätig war, „den Markt testen“.

Das bestätigt ein Sprecher des Unternehmens auf WZ-Anfrage fast etwas kleinlaut. Denn mit diesem Echo hatte man offenbar nicht gerechnet. Man habe sich deshalb entschieden von den Plänen, die es eigentlich noch gar nicht gibt, Abstand zu nehmen. Auch das Angebot soll aus dem Netz verschwinden. Die Resonanz, was potenzielle Interessenten angeht, sei zudem schlecht gewesen. Mit der Stadt habe es vorab noch gar keine Gespräche gegeben. Und – anders als die IG es in ihrer Rundmail dargestellt hatte – gehe es wenn auch gar nicht um ein Grundstück, sondern um mehrere.

Das Bekanntwerden der Anzeige stand allerdings in Verbindung mit anderen durchgesickerten Infos über Ideen der Stadt in Bezug auf eine mögliche Verbreiterung des August-Jung-Wegs, was in Kombination für viel Aufregung in der Nachbarschaft sorgte.

Anwohner fürchten höheres Verkehrsaufkommen

In einer Stellungnahme gegenüber den Fraktionen äußerte sich Planungsdezernent Arno Minas - auch zu Vorwürfen, die Stadt habe schon fertige Pläne. Für den Bereich ist aktuell die Änderung des Bebauungsplans in Arbeit. Ziel: Die Sicherung des vorhandenen Siedlungscharakters insbesondere in Bezug auf die Tendenz, Einfamilienhäuser auf großen Grundstücken zugunsten von mehrgeschossigen Gebäuden zu ersetzen. Sprich: Eigentümer, oft Erben, verkaufen ihre Grundstücke, die Bebauung wird abgerissen, Neubauten werden massiver.

Streitpunkt auch in einer Bürgerdiskussion Ende 2019 war ein Grundstücksstreifen am August-Jung-Weg. Die Baugrenzen, so der Vorschlag der Stadt, erklärt Minas, sollten zugunsten der Eigentümer verschoben werden, damit diese bauen können. Dazu gab es die Idee – in Verbindung mit dem bereits genehmigten größeren Projekt auf der Wiese am August-Jung-Weg – die Straße im vorderen Bereich zwischen In den Birken und dem Gasthaus Karpathen zu verbreitern, weil es dort aktuell keinen eigenen Fußgängerweg gibt. Anwohner befürchten ein deutlich höheres Verkehrsaufkommen durch die genehmigten 15 Neubauten auf der Wiese. Außerdem sollen auf dem Streifen fünf Einfamilienhäuser entstehen, trotzdem Grün erhalten bleiben. Vorab hatte die Stadt deshalb die vier Eigentümer kontaktiert, da private Grundstücke dafür notwendig wären. Von den Schreiben hatte offenbar auch die IG erfahren.

Wie es aus dem Rathaus heißt, sei die Planung aber ganz am Anfang. „Es gibt keine fertigen Pläne“, so Minas. Der B-Plan werde auf jeden Fall der Politik vorgelegt. Aktuell genieße die Bearbeitung aber aufgrund von Personalengpässen ohnehin keine große Priorität. Sollte es aber in der Zwischenzeit Bauvoranfragen geben, die den angestrebten Zielen des B-Plans widersprechen, werde man sie zurückstellen, so das Planungsressort. Zu den angeblichen 26 Häusern äußert sich Minas ziemlich deutlich: Auf Immobilienportalen gingen „erfahrungsgemäß Anbieter zum Teil recht ,phantasiereich’ mit dem Baurecht um“.

Man diskutiere jetzt nicht über ungelegte Eier, war aus der Politik zu hören. Die dezidierte Antwort der Verwaltung stimmte offensichtlich auch die IG milder. Man wollte aber zeigen, dass man ein Auge auf die Planungen in diesem Bereich habe, so ein Sprecher.