1969 an der Mondstraße: Bangen in Wuppertal um die Astronauten

50 Jahre Mondlandung : 1969 an der Mondstraße: Bangen um die Astronauten

Die Wuppertalerin Gisela Fuchs (95) verfolgte die Mission von Apollo 11 gebannt an ihrem heimischen Fernsehschirm.

Mondlandung an der Vohwinkeler Mondstraße: „Natürlich haben wir das damals gesehen“, sagt Gisela Fuchs, „es war für mich ein richtiges Mit-Erleben.“ Sie saß 1969 gemeinsam mit Mutter und Bruder vor dem Fernsehgerät und verfolgte gebannt die Berichterstattung von den ersten vorsichtigen Schritten der Astronauten. „Manch einer glaubte auch damals schon nicht daran, dass die Landung wirklich stattgefunden hat“, sagt die gebürtige Elberfelderin, „doch ich hatte  niemals einen Zweifel“. Bei so vielen Menschen, die an der Vorbereitung des Flugs beteiligt gewesen seien, hätte sich eine Täuschung dauerhaft doch kaum aufrecht erhalten lassen, meint sie.

In Amerika, in Europa, überall in der Welt und natürlich auch in Wuppertal brandete Applaus auf, als die Nachricht von der erfolgreichen Mission verbreitet wurde, „und man hoffte natürlich, dass die Besatzung auch wohlbehalten zur Erde zurückkehren würde.“ Die Nacht vom 20. auf den 21. Juli 1969 wurde lang im Hause Fuchs, „wir haben uns alles angeschaut und anschließend darüber gesprochen.“ Dass sie mit der Mondstraße eine besondere Adresse für das Spektakel gehabt habe, sei der Familie damals gar nicht recht bewusst gewesen - zu aufregend war schließlich das Ereignis im Fernsehen mit den schwarzweißen und grauen Bildern, die über die Mattscheibe flimmerten. Der Raum, in dem seinerzeit die Mondlandung geschaut worden sei, habe zur Wohnung des Bruders gehört, die Möbel der Eltern gebe es auch noch. Fuchs hat längst einen Flachbildschirm. „Der ist aber gar nicht so praktisch, denn darauf kann man nichts abstellen“, sagt sie und lacht.

Für Wissenschaft und Technik habe sie sich schon immer begeistert, nicht erst seit der Mondlandung, berichtet die Augenärztin im Ruhestand. Sie stammt aus einer Ärztefamilie in Elberfeld: Der Vater war Oberarzt, „meine Eltern haben sich im damaligen Marienheim kennengelernt“. Bruder Norbert sei Internist geworden, sie selbst habe ihre Praxis am Alten Markt in Barmen gehabt. „Bis 1993“, erzählt die Seniorin, die nach wie vor von der Raumfahrt fasziniert ist und zuletzt die beeindruckenden Erden-Bilder der ISS bewundert hat.

Manchmal sieht sich die
Seniorin nachts den Mond an

Bis heute sei sie eine Nachteule und liebe den Mond. „Manchmal stehe ich um Mitternacht auf dem Balkon, um ihn mir anzuschauen.“ Die Vorstellung, in der Zukunft den Erdtrabanten oder den Mars zu besiedeln, hält sie für absurd und lacht: „Überlegen Sie mal, man müsste ja gigantische Kunstwelten aufbauen, das fängt schon mit der Luft zum Atmen an, und dann die Ernährung! Wie will man das bewerkstelligen?“ Viel wichtiger sei es, den Heimatplaneten Erde ein bisschen besser zu pflegen.

Dafür, den Weltraum weiter zu erkunden und Neues zu erfahren, hat Gisela Fuchs indes Verständnis: „Die Menschheit ist einfach neugierig.“ Auch sie selbst ist gern gereist, „mein erster Flug ging nach Israel, in den sechziger Jahren. Ich war die ganze Zeit am Fenster, um ja nichts zu verpassen. Wenn man fliegt, wird einem klar, wie klein die Erde eigentlich ist“.

Und wie bedeutungslos manche Alltagsprobleme sind. „Schade, dass ich schon so alt bin“, bedauert die 95-Jährige, „ich würde so gern eine Flugreise um die ganze Welt machen.“ Der erste Gang wäre dann der zu ihrer Ärztin, sagt Gisela Fuchs. „Wenn die das genehmigen würde, wäre ich sofort dabei.“

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