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177 Untreue-Fälle: Ex-Hausverwalter legt Geständnis ab

177 Untreue-Fälle: Ex-Hausverwalter legt Geständnis ab

Laut Anklage hat Hans-Werner H. 450 000 Euro Rücklagen seiner Kunden veruntreut. Mit den Prozessbeteiligten wurde eine Strafobergrenze von vier Jahren Haft vereinbart.

Wuppertal. Überraschung zum Prozessauftakt gegen den Ex-Hausverwalter Hans-Werner H. aus Heckinghausen: Die Prozessbeteiligten haben vorab besprochen, dass der 56-Jährige zu maximal vier Jahren Haft verurteilt wird, vorausgesetzt, er wiederholt sein Geständnis, das er bei der Kripo abgelegt hatte. Und so nickte der gebürtige Hagener am Vormittag die 177 Untreue-Fälle samt eines Schadens von 450 000 Euro gleich zu Beginn der Verhandlung ab. Laut Anklage hat sich der 56-Jährige von Januar 2002 bis Februar 2005 von den Rücklagekonten zahlreicher Eigentümer- und Erbengemeinschaften bedient, sich so eine "fortdauernde Einnahmequelle" verschafft. Ende 2005 flog der Dauer-Schwindel auf. Mittlerweile kontrolliert ein Insolvenzverwalter die Finanzen des Ex-Hausverwalters. Wie sich zum Prozessauftakt bestätigte, türmen sich monströse Verbindlichkeiten auf. Allein bei diversen Banken soll H. mit 1,3 Millionen Euro in der Kreide stehen. Zum Motiv für seine Taten sagte der 56-Jährige vergleichsweise wenig. Er habe geglaubt, dass er seiner zweiten Ehefrau einen besseren Lebensstandard habe bieten müssen. So wurde unter anderem ein Appartement auf Sylt für satte 454 000 Euro erworben. Für die Mitgliedschaft beim Insel-Golf-Club legte H. nochmal 14000 Euro auf den Tisch. Laut Anklage zahlte er mit dem Geld, das seine Kunden in Wuppertal eigentlich für neue Dächer und diverse Reparaturen gespart und ihm anvertraut hatten. Wie berichtet, hatte Hans-Werner H. bei der Kripo viel mehr als "nur" die 450 000 Euro Schaden aus der Anklage zugegeben. Seinerzeit hatte er die von ihm veruntreute Summe auf 1,4 Millionen Euro geschätzt. Dass die Opfer Geld zurückbekommen, scheint weiter fraglich zu sein. Immerhin hat H. mittlerweile einen Teilzeitjob in Düsseldorf. Der Verdienst liegt derzeit aber noch unter der Pfändungsgrenze. Das Urteil wird in der nächsten Woche erwartet.