170 Millionen Euro für Simonshöfchen

170 Millionen Euro für Simonshöfchen

585 Häftlingen soll die Justizvollzugsanstalt nach dem Umbau und einer Kernsanierung Platz bieten.

Wuppertal. Das Land Nordrhein-Westfalen investiert in den nächsten vier Jahren 170 Millionen Euro in seine Haftanstalt Simonshöfchen in Vohwinkel. Das erklärte NRW-Justizminister Thomas Kutschaty (SPD) am Mittwoch gegenüber der WZ. Demnach beginnen die Vorarbeiten bereits zu Beginn des kommenden Jahres mit dem Fällen einiger Bäume auf dem landeseigenen Gelände. „Im Sommer beginnen die Arbeiten richtig“, sagte Kutschaty. Dessen Parteigenosse und Wuppertaler Landtagsabgeordnete Josef Neumann sprach von einer wichtigen Investition in die Sicherheit des Landes. „Und es ist auch eine Investition, von der die regionale Wirtschaft profitiert.

Die Justizvollzugsanstalt Simonshöfchen ist 1980 eröffnet worden und damit eigentlich noch recht jung. Aber seit Jahren beklagen Anstaltsleitung und die derzeit 212 Beschäftigten einen zunehmend schlechter werdenden baulichen Zustand. Außerdem genügen Brandschutz und Ausstattung nicht modernen Ansprüchen. So ist geplant, dass Etagenduschen eingebaut werden, die Häftlinge also nicht mehr weite Wege durch die Hafttrakte laufen müssen, um zu den Waschräumen zu können. Dabei geht es allerdings nicht etwa um Komfort, sondern um Sicherheit.

Zudem soll erheblich in Technik und Sicherheit des Gebäudekomplexes investiert werden. Geplant ist, die Arbeiten im laufenden Betrieb auszuführen. „Das geht nicht anders. Wir brauchen die Haftplätze“, sagte Kutschaty. Heute können maximal 515 Gefangene am Simonshöfchen untergebracht werden, davon 358 in Untersuchungshaft. Wenn die Kernsanierung abgeschlossen ist, soll das Gefängnis maximal 585 Häftlinge aufnehmen können. Dafür braucht das Gefängnis insgesamt mehr Raum. Aus diesem Grund ist geplant, auf die 40 Dienstwohnungen auf dem Gelände zu verzichten. Sie sollen einem weiteren Haus für Häftlinge weichen. „Wir sind mit Wuppertaler Wohnungsbaugesellschaften im Gespräch, um den Beschäftigten guten Ersatz anbieten zu können“, sagte Josef Neumann. „Und bei dadurch entstehenden Kosten sind wir flexibel“, fügte der Justizminister hinzu.

Die Haftanstalt hat nach der Sanierung einen veränderten Zuschnitt. Die Pforte wird verlegt. Durch die Ausweitung auf die Fläche für die Dienstwohnungen umfasst die JVA-Mauer in Zukunft 62 000 statt 47 200 Quadratmeter. Die Umbauten sollen so organisiert werden, dass stets zwei Drittel der Plätze verfügbar sind. „Und wir wollen das so organisieren, dass die Baustellenfahrzeuge den Anwohnern keine Parkplätze wegnehmen“, sagte Neumann.

Die Justizvollzugsanstalt Simonshöfchen wurde vor 36 Jahren eröffnet. Ihren Namen hat sie vom nahegelegenen Simonshof. Die nun beginnenden Arbeiten sind nicht die ersten an dem Gebäudekomplex. Zuletzt wurden mit Asbest belastete Bauteile ausgetauscht. Auch das geschah im laufenden Betrieb.

Wegen des allgemein schlechten baulichen Zustandes der Anlage, hatte sich die FDP im Düsseldorfer Landtag für einen Abriss der Haftanstalt eingesetzt und für einen Neubau plädiert. „Das haben wir auch geprüft“, sagte Thomas Kutschaty. „Aber das können wir nicht machen, weil wir einen Teil der Plätze ja permanent brauchen.“ Im Übrigen wäre es nicht unbedingt billiger gewesen, neu zu bauen, so der Minister weiter.

Die JVA in Vohwinkel ist nicht die einzige in Wuppertal. Vor sechs Jahren ist in Ronsdorf ein Gefängnis für junge Straftäter eröffnet worden. Es machte seither durch mehrere Todesfälle Schlagzeilen. Ein Häftling wurde vor Wochenfrist zu einer langjährigen Strafe verurteilt, weil er im Streit um Spielschulden einen Mithäftling erwürgt hat. Von derart dramatischen Zwischenfällen ist aus dem Simonshöfchen bisher nichts bekannt geworden. In die Öffentlichkeit geriet die Haftanstalt allenfalls durch die zweifelhafte Prominenz ihrer Bewohner. So war einer der beiden Geiselnehmer von Gladbeck dort einige Jahre untergebracht. Das Duo hatte Deutschland an drei Tagen im Sommer 1988 in Atem gehalten, als sie mit ihren jungen Geiseln, von TV-Kameras begleitet, auf der Flucht waren. Eine Geisel starb.

Mehr von Westdeutsche Zeitung