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17,5 Millionen Euro: Finanztrick mit der Schwebebahn macht sich bezahlt

Schwebebahn : Verkauf des Schwebebahngerüstes erspart WSW 17,5 Millionen an Zinsen

Ab dem 12. August wird die Schwebebahn für ein Jahr nur noch an Wochenenden im Einsatz sein. Anfang Juli hatten die Wuppertaler Stadtwerke über Probleme mit den Rädern der neuen Bahnen berichtet. Der Verschleiß der Räder ist größer als erwartet, außerdem wurden Schäden an den Fahrschienen festgestellt.

Zumindest in diesem Punkt gibt es Entwarnung: Seitdem die WSW einige der besonders laut ratternden Bahnen ausgetauscht und an einigen Bahnen Veränderungen am Radprofil vorgenommen haben, sind diese nicht nur leiser, sondern auch schonender für die Fahrschiene und das Gerüst unterwegs.

Dass es in den vergangenen Wochen keine weiteren Schäden am Gerüst gegeben hat, ist eine gute Nachricht für alle Wuppertaler. Die Stadt hat das Gerüst und alle Stationen 2014 für 130 Millionen Euro von den WSW gekauft. Davon profitieren offenbar alle Beteiligten. Die WSW als Pächter des Gerüstes sparen pro Jahr etwa 2,5 Millionen Euro an Zinsen ein. Die Stadt hat zur Finanzierung des Kaufs ein langfristig angelegtes Darlehen aufgenommen und kann das sanierte Schwebebahngerüst über 60 Jahre abschreiben. Das wäre den Stadtwerken nur über 40 Jahre möglich gewesen.

Seit 2014 Zinsersparnis von
rund 2,5 Millionen Euro pro Jahr

Gegenüber der WZ bestätigte Norbert Dölle, Leiter des Ressorts Finanzen, dass die 2013 ausgehandelten Konditionen weiterhin Gültigkeit haben. Kommunen wie Wuppertal profitieren mehr als die städtische Gesellschaft WSW von der anhaltenden Niedrigzinsphase. Die WSW hätten 2014 für einen Kredit etwa 3,8 Prozent Zinsen zahlen müssen, die Zinsbelastung für die Stadt fällt deutlich niedriger aus. So bleibt für die WSW nach Abzug der Kosten für die Pacht eine Summe von 2,5 Millionen jährlich, die in die Finanzierung des defizitären Öffentlichen Nahverkehrs fließen sollen. Seit 2014 wurde die Zinslast der WSW um 17,5 Millionen Euro gesenkt.

Bei Vertragsabschluss 2014 verursachte allein die Schwebebahn ein jährliches Defizit in Höhe von etwa 20 Millionen Euro, das ohne den legalen Finanzierungstrick noch höher ausgefallen wäre. Die Kommunalaufsicht hatte grünes Licht für das Finanzierungsmodell gegeben.

Schwebebahnen fahren noch höhere Verluste als sonst ein

Die technischen Probleme mit den neuen Bahnen erhöhen das Defizit, das von der Schwebebahn eingefahren wird. Im Frühjahr hatte die Schwebebahn während des Lockdowns zwei Drittel weniger Fahrgäste befördert. In den vergangenen Wochen normalisierte sich das Fahrgastaufkommen zwar wieder, aber ab März/April nahm die Reparaturanfälligkeit der Räder drastisch zu. Es zeichnete sich ab, dass nach den Sommerferien nicht mehr genügend einsatzfähige Wagen zur Verfügung stehen würden, um werktags einen geregelten Takt zu fahren. Die WSW zogen die Notbremse und stellen nun ab dem 12. August auf einen Wochenendbetrieb um. An Samstagen und Sonntagen ist die Bahn im Wochenend-Takt mit Fahrgästen unterwegs.

Die WSW rechnen aufgrund der aktuellen Probleme mit Mehrkosten für die Reparaturen, Einnahmeverluste und Ersatzmaßnahmen in einer Höhe von sechs Millionen Euro. Allein während des Lockdowns wurden mit den Bussen und Bahnen Verluste in einem siebenstelligen Bereich eingefahren.

Massive Schäden am Schwebebahngerüst hätten die Probleme noch verschärft und sie hätten Haftungsfragen aufgeworfen. Rein theoretisch hätte die Stadt die WSW mobil GmbH für Schäden am Gerüst haftbar machen können.

Das Schwebebahngerüst war über einen Zeitraum von 20 Jahren Stütze um Stütze und Brücke um Brücke erneuert worden. Rund 650 Millionen Euro kostete das grundsanierte Gerüst und die Stationen, weitere 122 Millionen Euro die 31 neuen Wagen. Bei der Berechnung des Wertes des Gerüstes mussten die Zuschüsse zur Sanierung und die bereits getätigten Abschreibungen abgezogen werden. Stadtkämmerer Johannes Slawig und der damalige WSW-Chef Andreas Feicht legten den Kaufpreis auf 130 Millionen Euro fest.