15 Jahre Begegnungsstätte Alte Synagoge

15 Jahre Begegnungsstätte Alte Synagoge

Seit 1994 ist die Begegnungsstätte Alte Synagoge ein Ort, der Hemmschwellen abbauen möchte.

Wuppertal. "Wir sind eine Begegnungsstätte und keine Reparaturanstalt" - Ulrike Schrader, Leiterin der Begegnungsstätte Alte Synagoge, weiß nach 15 Jahren sehr genau, was die Begegnungsstätte leisten kann und was nicht. Sie weiß, dass viele Schüler, aber auch Erwachsene befangen reagieren, wenn es um jüdisches Leben in Wuppertal geht. "Oft gibt es Vorurteile oder gar eine Hemmschwelle, sich mit dem Thema auseinander zu setzen", sagt sie, "diese Hemmschwelle wollen wir nehmen."

Seit 1994 organisiert Ulrike Schrader daher Veranstaltungen in der Begegnungsstätte, lädt Kinder, Schüler und Erwachsene ein, um zu zeigen, wie der Holocaust auch vor Wuppertal keinen Halt machte. "Aber wir wollen auch das jüdische Leben vor und nach dem Dritten Reich vorstellen", sagt Schrader. Derzeit ist eine Ausstellung unter dem Titel "Jüdisches Leben" zu sehen. Fotos und Objekte sollen zeigen, wie der Alltag einer jüdischen Familie heute aussieht.

Als die Begegnungsstätte vor 15 Jahren eröffnet wurde, war die Zielsetzung klar: Ein Ort zum Erinnern und Gedenken sollte geschaffen werden, aber auch ein Ort, an dem sich die Menschen begegnen können.

Dem Bau der Erinnerungsstätte war allerdings eine lange Diskussion vorausgegangen: "Auf dem Grundstück der alten Elberfelder Synagoge sollte ursprünglich ein Parkplatz entstehen", erzählt Schrader. Dass es nicht so kam, ist einigen Stadtratsmitgliedern zu verdanken, die sich dafür einsetzten, dass es auf dem Grundstück der ehemaligen Elberfelder Synagoge einen Ort zum Erinnern und Gedenken geben sollte. Die Kritiker überzeugten - und statt des Parkplatzes wurde das heutige Gebäude an der Genügsamkeitstraße als "Begegnungsstätte Alte Synagoge" errichtet.

Stadt und Land stellten die finanziellen Mittel, zudem wurde ein Trägerverein gegründet. Zur Eröffnung kamen Johannes Rau, damals Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens, und Ignaz Bubis, damals Vorsitzender des Zentralrats der Juden. "Der ganze Platz war voll, das war ein aufsehenerregendes Ereignis", erinnert sich Schrader.

Seither hat es in der Begegnungsstätte viele Veranstaltungen gegeben, Ferienprogramme fanden statt, Lesungen, Vorträge oder Ausstellungen lockten die Besucher an. Mittlerweile gibt es auch einen eigenen Fundus an Ausstellungs- und Erinnerungsstücken, die in der Begegnungsstätte aufbewahrt werden. Dazu zählt ein kunstvoll verzierter Theaterdegen, den Ulrike Schrader von einem Wuppertaler geschenkt bekam. "Der Mann, der diesen Degen besaß, war über 80 Jahre alt und hat ihn als Kind um 1941 auf einer Versteigerung geschenkt bekommen", erzählt Schrader. "Ihm war bewusst, dass dieser Degen aus jüdischem Besitz stammte und er hatte lange ein schlechtes Gewissen, die Waffe überhaupt zu besitzen."

Mit Blick in die Zukunft hofft Schrader, den Degen und andere Stücke der Begegnungsstätte bald in einer Dauerausstellung zeigen zu können. Ebenso hofft sie, Schülern und Erwachsenen auch in Zukunft die Themen Holocaust und jüdisches Leben näher zu bringen. "Da gibt es enormen Handlungsbedarf", sagt Schrader. Ansätze zum Antisemitismus seien unter Jugendlichen ebenso vorhanden wie Schwulen- oder Frauenfeindlichkeit. "Das ist oft ein ganzer Komplex."

In der Begegnungsstätte will sie aufklären, mit den Schülern über den Tellerrand blicken und den Blick auf Fremdes, Anderes richten. Das ist ihr Ziel. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Eine Begegnungsstätte ist eben keine Reparaturanstalt.

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