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Literatur: 15 Autoren für Oskar Schlemmers Fensterbilder

Literatur : 15 Autoren für Oskar Schlemmers Fensterbilder

Wuppertal. Es ist literarisches Groß-Projekt und eine Premiere für Wuppertal: Zum ersten Mal tun sich die Schriftsteller aus der Stadt und Umgebung für ein gemeinsames Text-Projekt zusammen.

Alle schreiben über die melancholischen Fensterbilder des Malers Oskar Schlemmer.

„Lange Zeit ist es nicht gelungen, dass wir in Wuppertal mal etwas gemeinsam machen. Jetzt haben wir gemerkt, dass es geht, und das finde ich toll“, sagt Dorothea Müller, die wie ihre Kollegen im Verband deutscher Schriftsteller (VS) Bezirksgruppe Bergisch Land organisiert ist. Bis dahin war es allerdings ein langer Weg. Seit Jahren hat der Schriftsteller und Lieddichter Arnim Juhre (89) versucht, seine Kollegen für Schlemmers Fensterbilder zu begeistern.

Sie sind 1942 in der kleinen Wohnung des Malers am Döppersberg 24 entstanden. Schlemmer (1888 — 1943) galt unter den Nazis als entarteter Künstler, arbeitete zur Tarnung im Lacklabor der Herberts-Fabriken und malte an seinen einsamen Abenden in Briefbogengröße das, was er vor seinem Fenster sah.

Heute liegen Schlemmers Fensterbilder im Basler Kunstmuseum, wo sein Enkel Raman sie neben 3000 anderen Werken unter Verschluss hält. Juhre reizten die Motive in diesem letzten Werk des Malers und der Bezug zu Wuppertal. Dann kam Bewegung in die Sache: Juhre fand Mitstreiter und durch Dorothea Renckhoffs Reihe „Engelsgartentexte“ auch die Plattform für eine groß angelegte Lesung im Opernhaus.

Karl Otto Mühl (92) stand dem Projekt zunächst skeptisch gegenüber: „Das ist immer so, wenn ich etwas machen soll“, sagt er. „Außerdem habe ich die Bilder überhaupt nicht gekannt.“ Dennoch hat er als einer der ersten seinen Text abgegeben: „Ich habe auf die bewährte Methode zurückgegriffen und meine fehlende Beziehung zum Gegenstand thematisiert — das ist immer für eine Satire gut.“

Neu für die Schriftsteller war, dass ihr Thema eingegrenzt wurde. Eine Arbeitsgruppe hat aus den 20 Fensterbildern sieben ausgesucht. Es gab auch eine Begrenzung auf fünf Seiten, aber das haben viele nicht richtig ernst genommen.

Ganz ungewohnt war indes, dass sich die Gruppe zur gemeinsamen Diskussion der Texte traf. „Man kennt sich natürlich, arbeitet aber eher einsam vor sich hin“, sagt Andreas Steffens. VS-Sprecherin Marina Jenkner gibt zu: „Es ist ungewöhnlich, dass sich gestandene Autoren zur gegenseitigen Kritik zusammensetzen — und es war auch nicht einfach.“

Das Ergebnis der Bildbetrachtung umfasst die ganze literarische Vielfalt — von Aphorismus und Lyrik über Kurzprosa, Dialog und Monolog bis zu Briefen und Essays. Ob die Texte nach der Lesung jemals als Buch erscheinen, ist ungewiss.