Wuppertaler Kneipengespräche: 14 Jahre Stammtisch: Zu Kaffee und Sektchen im Bierkeller

Wuppertaler Kneipengespräche : 14 Jahre Stammtisch: Zu Kaffee und Sektchen im Bierkeller

Die Zwar-Gruppe Barmen trifft sich traditionell zum wöchentlichen Stammtisch - an den sich nur wenige Männer trauen.

Schon im Eingangsbereich des Wuppertaler Hofs sind Stimmen und Gelächter zu hören. Die gute Stimmung kommt aus dem „Bierkeller“ im Untergeschoss. An einer gedeckten Kaffeetafel sitzen gut 15 Frauen, im Hintergrund eine Theke, an der schon längst die meisten Biergläser Kaffee-Sets gewichen sind.
Was wie ein reiner Frauentreff wirkt, ist eigentlich der wöchentliche Stammtisch der Zwar-Gruppe Barmen, die sich seit 14 Jahren im Wuppertaler Hof am Barmer Hauptbahnhof trifft. Die Übermacht der Frauen ist reiner Zufall, wie Marianne Dessel berichtet, die für die Frauen eine Art Moderatorin und Organisatorin geworden ist. „Die Herren tun sich etwas schwer“, verrät Dessel.Trotzdem trauen sind üblicherweise zwei bis drei Männer dazu, nur heute eben nicht.

Zwar - das steht für „Zwischen Arbeit und Ruhestand“. Der gleichnamige Verein stößt in allen möglichen Städten Gruppen für Menschen an, die nach der Arbeit nach einer Freizeitbeschäftigung suchen. „Am Anfang hatten wir einen netten Mann von Zwar dabei, doch relativ schnell waren wir auf uns allein gestellt“, erinnert sich Dessel zurück.

Bei der „Fahrt ins Blaue“
kennt nur einer das Ziel

Nun entscheidet der Stammtisch ganz demokratisch, was ansteht. Die Liste der gemeinsamen Aktivitäten ist lang und im Bierkeller hängt ein ganzer Zettel, der noch „abgearbeitet“ werden muss. Konzerte, Theaterbesuche, Wanderungen, Weinfeste, Museen - langweilig wird es nie. Ab und zu gibt es die „Fahrt ins Blaue“. Ein Mitglied organisiert einen Ausflug, bei der das Ziel geheim ist. Dabei ging es bislang etwa nach Königswinter oder zum Schloss Benrath.

An der Kaffeetafel sitzen viele Alleinstehende. Dank des Stammtischs ist ihr Terminkalender nun wieder prall gefüllt. So etwa bei Elke Wollschläger. Sie sagt: „Das Schöne ist ja auch, dass man sich zu nichts verpflichtet. Anders als bei einem Verein.“ Wer mal nicht kommen möchte, bleibt zu Hause, wem ein Ausflug zu beschwerlich ist, der setzt eben aus. Es gibt keinen Vereinsbeitrag. „Und man weiß immer, wo man hin kann“, sagt Sybille Bogott. Den Bierkeller darf die Gruppe gratis nutzen. „Dafür helfen wir ehrenamtlich im Altenheim aus. Etwa beim Sommerfest an der Kuchentheke“, sagt Dessel. Und nach dem letzten Sektchen - „irgendwer hat immer Geburtstag“ - wird gemeinsam gespült.

Der Treff startet eigentlich immer mit einer „Quasselrunde“, bevor es an die Planung der Aktivitäten geht. Ob immer alles harmonisch abläuft? „Das ist wie im normalen Leben“, sagt Elke Wollschläger und grinst.

  Immer mal wieder tauscht das Personal. Mitglieder kamen, gingen  und starben über die Jahre. Fünf der Frauen, die heute im Bierkeller sitzen, sind seit 14 Jahren dabei. Claudia Stüber hingegen sitzt heute das erste Mal mit am Tisch und kam extra von Beyenburg nach Barmen: „Ich dachte, probier das einfach mal aus.“ Giesela Beckmann sagt: „Neue werden bei uns kameradschaftlich aufgenommen. Hier wird schnell gedutzt.“

Nur eben die neuen Männer wurden oft nicht warm mit den Damen. Einer, so erzählt man sich noch heute, saß nur ein paar Minuten dabei, schaute in die Runde und ging wieder. „Der dachte sich wohl: Da ist keine für mich dabei“, scherzt Rita Esch. Marianne Dessel hat eine Theorie: „Frauen sind einfach aktiver.“

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