122 Millionen Euro für 31 neue Schwebebahnen

Schwebebahn : Schwebebahn-Austausch geht weiter

Der Wechsel auf die neue, blaue Modellreihe soll im Sommer 2019 abgeschlossen sein.

Nach einer mehrmonatigen Pause setzen die Wuppertaler Stadtwerke den Austausch der Schwebebahnen fort. Am Montag wurde der vierzehnte Gelenktriebwagen der neuen Baureihe in der Schwebebahnwerkstatt in Vohwinkel angeliefert, wo er bis November zusammengebaut werden soll. Ab 2019 geht er in Betrieb. Ab November soll es im Zwei-Wochen-Rhythmus mit der Anlieferung weiterer Schwebebahnen weitergehen, die Stück für Stück gegen Fahrzeuge der Baureihe der 1970er Jahre ausgetauscht werden, bis im Sommer 2019 die neue Flotte mit 31 Schwebebahnen komplett ist.

Der Austausch der Bahnen, die in Valencia von Kiepe Electric produziert werden, hatte Ende 2015 begonnen und war nach einem Zwischenfall im Mai 2017 ausgesetzt worden, als ein Fahrzeug der neuen Modellreihe bei einer Fahrt das Gerüst berührte. Der Sachschaden war gering, niemand wurde verletzt.

Tempo 60 km/h bleibt
für die Stadtwerke das Ziel

„Es stand relativ schnell fest, dass die Ursachen komplexe fahrdynamische Prozesse beim Beschleunigen und Abbremsen sind. Es hat leider lange gedauert, dieses Problem zu berechnen und zu dokumentieren. Bei einem Tempo bis 40 Stundenkilometer ist ein solcher Zwischenfall ausgeschlossen“, sagt Ulrich Jaeger, Geschäftsführer von WSW mobil. Die Technische Aufsichtsbehörde der Bezirksregierung hatte die Betriebsgenehmigung unter der Auflage des Tempolimits erteilt. Dies ist auch die Voraussetzung für weitere Lieferungen aus Spanien.

122 Millionen Euro investieren die WSW in die neuen Schwebebahnen. Ist der Austausch abgeschlossen, werden sie auf ein neues Betriebssystem mit 750 Volt (bisher 600 Volt) umgestellt. Das neue Betriebssystem ermöglicht 60 km/h. Ulrich Jaeger ist zuversichtlich, dass in Zusammenarbeit mit Kiepe Electric die technischen Voraussetzungen geschaffen werden, damit die Bahnen im gewünschten Tempo und Zwei-Minuten-Takt fahren. Bei Tempo 40 ist aktuell ein Drei-Minuten-Takt möglich. Zeitweise war nur Tempo 30 erlaubt, was spürbar längere Fahrzeiten und volle Bahnsteige mit sich brachte.

Damit der Kaiserwagen auf den neuesten Stand der Schwebebahn-Technik im neuen Betriebssystem gebracht werden kann, geht er im Frühjahr 2019 für mehrere Monate „vom Netz“. Ausdrücklich lobt Jaeger die intensive Wartung der älteren Schwebebahnen durch die Mitarbeiter der Schwebebahnwerkstatt in Vohwinkel. „Die Bahnen sind schon viel länger als vorgesehen im Einsatz.“ Im Mai 2019 soll die letzte Fahrt mit einer Bahn der 1972er Baureihe mit einer Feier würdig begangen werden. Zudem kündigte Jaeger an, dass eine dieser Bahnen eingelagert wird. Wie sie später einmal verwendet wird, sei noch offen.

Martin Bang, Geschäftsführer von Wuppertal Marketing, begrüßt die Entscheidung. „Ich finde es gut, dass sich die Stadtwerke alle Optionen offen halten. In zwei, drei Jahren, wenn das neue System erprobt ist, lohnt es sich darüber nachzudenken, ob eine der orange-blauen Bahnen auf das neue Betriebssystem umgerüstet werden kann, auch wenn das nicht wirtschaftlich ist. Diese Bahnen gehören für viele Wuppertaler und ihre Gäste seit mehr als vier Jahrzehnten zum Stadtbild. Was uns heute alltäglich erscheint, wird von vielen Menschen in ein paar Jahren mit anderen Augen gesehen“, sagt Martin Bang.

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