1. NRW

Wuppertal: Im Craft-Beer-Kiosk gehen die Lichter aus

Treffpunkt schließt in Kürze : Luisenviertel: Im Craft-Beer-Kiosk gehen die Lichter aus

Das Geschäft für Gerstensaft aus kleinen Brauereien wird schließen. Der Betreiber nennt die Gründe.

„Ihr seid die erste
Adresse in Sachen Bier im Bergischen Land“, urteilt ein Kunde auf der Facebookseite des Craft-Beer-Kiosks. Ein Lob von vielen ähnlichen Kommentaren. Wobei es bald „Ihr wart“ heißen müsste: Der Laden in der Luisenstraße 72 wird zum 24. Juli schließen.

Der Schritt kommt laut Betreibern aus freien Stücken. Enttäuschte Kunden lässt das Team wissen: Keine Krise führte zum Aus – weder finanziell noch etwa gesundheitlich. „Jeder von uns hat über die Jahre auch andere Tätigkeiten verfolgt, auf die wir uns jetzt fokussieren möchten“, erklärt Thorsten Ulbrich. Seit der Gründung 2015 betreibt er das Gechäft mit. Etwas „Wehmut und Melancholie“ gibt er dennoch zu Protokoll: „Die Zeit war schön.“

Wichtig für Freunde des gewählten Biers, wenn auch noch nicht konkret: In anderer Form geht es weiter. „Wir werden Anlaufstelle bleiben“, sagt der Mitbetreiber. Craftbeer und Gastro ist auch künftig Thema für Ulbrich und Mitstreiter. Wie und wo, verrät er aber noch nicht. Am nächstem Samstag endet zunächst das Kapitel Luisenstraße. Dann will man sich äußern.

Als Ulbrich und Kollegen im einstigen Friseursalon ihren Laden öffneten, war eine eigene Craftbeer-Adresse ein Novum im Tal. Mit viel Sachkunde machte sich das Team rasch einen Namen. Etabliert hatte man sich seither ganz offenkundig.

Neben der aktiven Fangemeinde zeigte sich der Erfolg 2017, als mehrere Neuerungen das Angebot erweiterten und neben die Beratung am bunt gefüllten Regal traten. Eine lokale Marke namens „Schwebisch Hell“ ergänzte das Sortiment zumindest sprachlich mit einer Spur „Schwebebahnstadt“ (gebraut wurde es tatsächlich in Bayern). Auch Ausschank vom Fass fand sich nun im Laden.

Mau-Mau-Turnier und
Bierausschank direkt im Kiosk

Hinzu kam aber auch der Verzehr vor Ort: Als die Ausschanklizenz erworben war, ging das Team an den räumlichen Ausbau. Fortan konnten die Gäste die vielen Sorten auch gemütlich am Tisch genießen. Sogar zum Mau-Mau-Turnier wurde geladen – der Kiosk so endgültig zum geselligen Ort.

Vor Ort probieren durfte man schon immer, auch als noch kaum Sitzmöbel standen. Eigentlich war beim „Craft-Beer-Kiosk“ das Wort „Kiosk“ Koketterie, denn Betreiber wie Kunden schätzten den Shop als Fachgeschäft.

Craftbeer ist wohl eines der Produkte neuerer Zeit, die gern missverstanden werden. Es hat den Stempel des Neuen, auch Neumodischen. Auch in Wuppertals Bierszene ließ sich das beobachten: Beim neu aufgelegten „Billsteins Bremme Bräu“, das ans geschichtssatte „Bremme“ anknüpft, findet sich unter diversen geplanten Bier-Varianten auch ein Craftbeer, um jüngere Kunden anzusprechen. Das passt zum Image des Worts.

Wer ein paar Mal Kunde im Craft-Beer-Kiosk war, hat möglicherweise nicht weniger als ein neues Verhältnis zu Bier gewonnen. Der Gerstensaft, üblicherweise doch eher Gebrauchs-Getränk, fand Beachtung als besonderes Produkt, das so etwas wie Wertschätzung verdient. Das galt für die Zusammensetzung (wobei man da fast von „Komposition“ sprechen mochte), wie auch für Fragen wie die, ob eine Zutat vor oder nach dem Brauprozess beigefügt wird. Besucher lernten mit der Probe im Glas: Ein exotischer Geschmack kann sich aus ergänztem Mangosaft ergeben – aber auch „bloß“ aus sorgsam gewähltem Hopfen. Im Grunde also ohne der klassischen Vorstellung untreu zu werden, dass Bier nur aus „Wasser, Hopfen und Malz“ bestehe.

Sensibilisierung für
Nuancen im Geschmack

In der Luisenstraße hat man diese Unterscheidung übrigens kaum gepflegt. Doch sei‘s drum, mancher Kunde wird es kennen: Einmal sensibilisiert dafür, dass es so etwas wie verschiedene Hopfen-Nuancen überhaupt gibt, ist die Wahrnehmung auch später eine andere.

Sogar bei Interesse an alkoholfreien Craft Beer-Entdeckungen war das Team um Rat nicht verlegen. Und so kann man sich hier noch bis nächsten Samstag nicht nur mit Raritäten eindecken. Der ein oder andere nimmt aus der Zeit des „Craft-Beer-Kiosk“ auch etwas mehr Gespür für gutes Bier mit.