Wilder Müll: Nabu Willich legt Daumenkino auf

Projekt für Kinder : Kinder lernen, was wilder Müll anrichtet

Elita Grafke vom Nabu besuchte die Kita „Bullerbü“, um die Folgen achtlosen Wegwerfens in der Natur zu verdeutlichen.

Die neun Kinder im Forscher- und Bastelraum der Kita „Bullerbü“ verfolgen mit großen Augen, wie Leiterin Christa Manske-Werne mit ihrer Hand in die Olchi-Handpuppe schlüpft, während die Hand von Mitarbeiterin Anke Höck in einer Igelpuppe verschwindet. „Lieben die Olchis Müll?“, möchte der Olchi von den fünf- und sechsjährigen Kindern wissen. Ein lautes „Ja“ ist die Antwort.

Allerdings ist es mit dem Müll so eine Sache, insbesondere wenn er in der Natur entsorgt wurde. „Ich bin ein kleiner Igel und finde Müll dumm. Mir ist nämlich damit etwas Schreckliches passiert“, beginnt der Igel zu erzählen. Und damit sind die jungen Zuhörer auch schon mitten in der Geschichte des Igels, der in einen weggeworfenen Becher gekrabbelt ist, weil es so gut roch. Dabei gibt es die Geschichte live zu erleben, denn auf dem niedrigen Tisch, um den alle herum sitzen, spielt Höck die Szene nach, bei der der Igel im Becher steckenbleibt und nicht mehr herauskommt. Kinderhände greifen zum Becher. Alle wollen helfen, den Igel zu befreien.

Figuren der Olchis helfen, das Thema kindgerecht erzählen

„Ist Müll wirklich so gefährlich?“, will der Olchi wissen. Ein Nicken vom Igel ist die Antwort, und er weiß noch viel mehr zu berichten, denn seinen Freunden Reiher Rudi und Frieda Fuchs ist Ähnliches passiert. Kinder, die gebannt zuhören und die Szenen mit Plastikbecher und -deckel sowie Luftballon samt Kordel voller Spannung verfolgen und helfend eingreifen. Das Thema Müll steht an diesem Vormittag für die Kinder im Mittelpunkt. „Wir haben uns im Rahmen unseres jährlichen Literaturprojektes mit den Olchis beschäftigt. Da die Olchis auf einer Müllhalde leben, kam das Thema Müll automatisch mit dazu“, sagt Manske-Werne.

Ein Daumenkino erzählt die Geschichte vom Igel in Not nach

Dass Müll in die Mülltonne gehört und nicht in der Natur entsorgt werden soll, dass es am besten ist, wenn erst gar nicht so viel Müll produziert wird – die Kinder setzen sich mit dem Thema auseinander und lernen in diesem Zusammenhang auch die Naturtrainerin Elita Grafke vom Willicher Naturschutzbund kennen, die mit einem neuen Projekt zu Gast ist. Die Naturtrainerin hat ein Daumenkino zum Thema „Wilder Müll – Lebensgefahr für Tiere!“ herausgebracht. In diesem spielt eben der kleiner Igel, der in einem Becher steckenbleibt und von einem Menschen später gerettet wird, die Hauptrolle.

Die Idee zu dem Daumenkino hatte Elitas Mann Bernd Grafke vor rund einem Jahr. „Es hat dann etwas gedauert, bis Finanzierung und Umsetzung standen. Aber jetzt ist es fertig“, sagt Elita Grafke erfreut. Mit Unterstützung von Sponsoren wurde das Daumenkino mit seinen 92 kreativen Zeichnungen umgesetzt. Für die Bebilderung konnten die beiden Düsseldorfer Designerinnen Nadine Vosterdech und Clare Stommel gewonnen werden.

 In der Kita „Bullerbü“ hat Grafke inzwischen das Daumenkino herausgeholt. Gemeinsam überlegen alle, wie sie helfen können, damit Igel und anderen Tieren so etwas, was sie gerade gehört und gesehen haben, nicht passieren kann. „Wir schmeißen nichts weg“, verspricht Johannes feierlich. Marlene plädiert fürs Aufräumen, und der Vorschlag von Emma, Müll aufzusammeln, kommt bestens an.

In der Kita hat derweil das große Ausmalen eingesetzt, denn Elita Grafke hat Ausmalblätter mit den wichtigsten Stationen des Daumenkinos mitgebracht. „Die Stadt Willich hat das Blatt 500 Mal vervielfältigt. Über das Ausmalen bleibt das Thema ebenso im Gespräch, und die Kinder erklären den anderen, worum es geht“, sagt Grafke. In der Kita selber setzt man zudem auf Nachhaltigkeit. Getränke in der wiederverwendbaren Trinkflasche statt Wegwerfpäckchen, Brote in der Dose und bewusstes Einkaufen sind nur einige Stichworte.

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