Wie jeder Lebensmittel retten kann

Wanderausstellung : Wie jeder Lebensmittel retten kann

Jährlich werden 82 Kilo genießbare Lebensmittel weggeschmissen. Eine Wanderausstellung will nun das Bewusstsein für den Wert der Lebensmittel schärfen.

Frankreich ist schon einen Schritt weiter: Dort dürfen die großen Supermärkte Essen nicht mehr wegwerfen. Seit 2015 sind die Händler per Gesetz verpflichtet, nicht verkaufte Ware zu spenden oder als Tierfutter abzugeben. Die Umweltorganisation WWF kritisierte jüngst, Deutschland tue nicht genug gegen die Lebensmittelverschwendung. Die Düsseldorfer Metro AG und die Tafel Deutschland wollen das Thema nun mit der Wanderausstellung „Love the waste – verteilen statt verschwenden“ stärker in die Öffentlichkeit tragen.

Die Ausstellung will zeigen,Ausstellung - wie jeder Lebensmittel retten kann. Denn in Deutschland landen pro Jahr rund 11 Millionen Tonnen Nahrungsmittel in der Tonne. „Jeder von uns wirft jährlich 82 Kilo genießbare Lebensmittel weg“, sagt Laura Halfas, Nachhaltigkeitsbeauftragte der Metro. „Dabei sind viele Produkte erheblich länger verwendbar als auf den Verpackungen steht.“

Für 61 Prozent der Abfälle ist der Verbraucher zu Hause verantwortlich, je 17 Prozent fallen auf die weiterverarbeitende Industrie und den Außer-Haus-Konsum, der Handel kommt auf 5 Prozent, klärt die Ausstellung auf. Die Vereinten Nationen verfolgen das Ziel, die Verschwendung bis zum Jahr 2030 zu halbieren. Ambitionierte Absichten, aber auch mit kleinen Dingen könne man schon viel erreichen, sagt Halfas. So sei auch die Doggy Bag, mit der man in Restaurants sein restliches Essen mitnehmen könne, ein guter Ansatz.

Etliche Lebensmittel seien oft viel länger bedenkenlos genießbar. Die Hersteller bauten beim Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) oft zu große Puffer ein. So sei ein Gouda etwa nach Ablauf des MHD noch 21 Tage länger haltbar. Bei Chips könne man  sogar zwei Monate später noch zugreifen.

Den neuen Technologien soll zudem künftig eine größere Rolle zukommen. Etwa im Bereich intelligenter Verpackungen. Damit will die Industrie ihren Teil dazu beitragen, dass etwa Kühlketten nicht unterbrochen werden und Lebensmittel länger halten. Kurz erläutert wird in der Ausstellung auch das Start-up Kitro. Anastasia Hofmann und Naomi MacKenzie haben eine Software entwickelt, die mittels künstlicher Intelligenz auswertet, was regelmäßig in Großküchen verschwendet wird und wie viel das kostet. Restaurants können ihre Köche dann besser schulen.

Die erste Tafel wurde vor mittlerweile 25 Jahren in Berlin gegründet, um Hilfsbedürftige mit überzähligen Lebensmitteln zu versorgen. Heute gibt es bundesweit 940 Anlaufstellen, die im Jahr 1,5 Millionen Menschen versorgen. Die Metro ist seit zwölf Jahren Hauptsponsor, insofern habe die gemeinsame Konzeption der Schau sogleich Sinn gemacht, sagt Eva Fischer, Sprecherin der Düsseldorfer Tafel. „Die Tafel ist so eine geniale Idee. Sie ist Brücke zwischen Mangel auf der einen und Überfluss auf der anderen Seite.“

20 Tonnen Lebensmittel für rund 8000 Hilfsbedürftige

Jede Woche sammelt die Düsseldorfer Tafel rund 20 Tonnen Lebensmittel ein, die über Ausgabestellen an rund 8000 Bedürftige im Stadtgebiet verteilt werden. Unterstützt werden die Düsseldorfer Tafelmacher von 60 ehrenamtlichen Mitarbeitern. 13 von ihnen kommen mit kurzen Statements auf den Ausstellungstafeln zu Wort. Fischer: „Ohne sie geht nichts. Erst wenn es keine armen Menschen mehr gibt oder keine Lebensmittel mehr verschwendet werden, können wir mit unserer Arbeit aufhören.“

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