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Wie das Land NRW Paaren mit Kinderwunsch helfen will

Landtagsbeschluss : Wie das Land NRW Paaren mit Kinderwunsch helfen will

Für Menschen mit unerfülltem Kinderwunsch soll es in Nordrhein-Westfalen einfacher werden, den Traum von einer Familie mit medizinischer Hilfe doch noch wahr werden zu lassen.

Der Landtag hat auf Initiative der Regierungsfraktionen kurz vor den Feiertagen eine bessere Unterstützung für betroffene Paare beschlossen. Und zwar mit breiter Unterstützung auch von SPD und Grünen.

Bisher bekommen nur verheiratete Paare in einem bestimmten Altersrahmen (Frauen von 25 bis 40 Jahren, Männer bis zum 50. Lebensjahr) die Hälfte der Kosten für Maßnahmen der Reproduktionsmedizin von den Krankenkassen erstattet – und das auch nur für eine begrenzte Anzahl von Therapieversuchen. Etwa für unverheiratete Paare gehe das aber nicht, so eine Sprecherin des GKV-Spitzenverbandes: „Selbst als Satzungsleistung kann dieser Punkt nicht von einzelnen Krankenkassen angeboten werden, wie Gerichte entschieden hatten.

Eine Lücke gab es bislang aber nicht nur bei Unverheirateten, sondern auch bei den Paaren, die sich 50 Prozent Eigenanteil nicht leisten konnten. Was, so die Meinung von CDU und FDP, angesichts von Kosten um 3000 Euro pro Zyklus plus rund 1500 Euro für eine Hormontherapie und einer Schwangerschaftswahrscheinlichkeit von etwa 30 Prozent bei vielen Betroffenen der Fall sein dürfte. Laut IT NRW leben hierzulande rund 2,5 Millionen Paare ohne Kinder – wie viele von ihnen ungewollt kinderlos sind, wird freilich nicht erhoben.

Förderung gibt es vom Bund, allerdings ist sie daran gekoppelt, dass sich das jeweilige Bundesland mit einem Anteil in mindestens gleicher Höhe beteiligt. Das ist derzeit in Berlin, Brandenburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Nidersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen der Fall. In NRW nicht.

Mit seinem Beschluss hat der Landtag mit breiter Zustimmung – die AfD enthielt sich – die Landesregierung beauftragt, mit Mitteln aus dem Etat des Familienministeriums (MKFFI) eine Teilnahme am Bundesprogramm zu ermöglichen. „Wir senken damit die Hürden für jene, die sich eine Kinderwunschbehandlung nicht leisten können“, erklärt Jens Kamieth, familienpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion auf Anfrage dieser Zeitung. Die Liberalen im NRW-Landtag hätten sich mit Nachdruck stark für die aktuelle Änderung gemacht, erklärt Marcel Hafke, familienpolitischer Spreche der FDP-Fraktion: „Der Kinderwunsch darf nicht vom Geldbeutel und vom Wohnsitz abhängen.“

Die Neuerung sei „ein Schritt zu mehr Gerechtigkeit“, glaubt auch die Kölner Beraterin Clemencia Montoya-Harder vom Familienverband Pro Familia. Sie kennt den Leidensdruck der Betroffenen: Viele Paare fassten bisher aus Kostengründen keine medizinischen Maßnahmen ins Auge, andere lösten für diese einen Großteil ihrer Ersparnisse auf oder verschuldeten sich sogar. Ihre Prognose: „Die Zahlen werden in NRW sprunghaft steigen, da bin ich sicher.“

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