Wie Bus- und Bahnfahrer vor Angriffen geschützt werden

Wie Bus- und Bahnfahrer vor Angriffen geschützt werden

Videoüberwachung, Trennscheiben, Training zur Deeskalation — die Verkehrsbetriebe der Region haben unterschiedliche Methoden, um ihre Mitarbeiter vor Angriffen zu schützen.

Düsseldorf. Ein wütender Autofahrer, der nach einem Disput über die Vorfahrt einen Busfahrer verfolgt, anschließend an einer Haltestelle die Vordertür des stehenden Busses eintritt, den Fahrer schlägt, tritt und mit einem Messer bedroht. Das ist wohl der Alptraum eines jeden Bus- oder Bahnfahrers und so geschehenvor wenigen Tagen in Gelsenkirchen. Auch die Verkehrsunternehmen in Düsseldorf, Wuppertal, Krefeld und Solingen haben den Vorfall registriert. Grund, deshalb nun in Panik zu verfallen, gebe es aber nicht, sagt Georg Schumacher, Sprecher der Düsseldorfer Rheinbahn.

Denn: „Übergriffe auf Fahrer unserer Busse und Bahnen gibt es nur ganz selten“, sagt Schumacher. Verbal könne es schon mal heiß hergehen, und auch eine Pizza oder ein Eis seien schon mal geflogen. „Aber dass es wirklich handgreiflich wird, das kommt höchstens alle paar Jahre mal vor.“ Ähnliches beobachtet auch Dirk Höstermann von den Stadtwerken Krefeld (SWK). „Vielleicht einmal im Jahr“, schätzt er, werden in Krefelder Bussen und Bahnen Fahrer angegangen. Anfang dieses Jahres beispielsweise waren zwei Fahrer geschlagen und bespuckt worden.

Mit dem Ausbau von Videoüberwachung in Bussen und Bahnen sehen sich die Krefelder Stadtwerke auf dem richtigen Weg, solchen Vorfällen zu begegnen. „Dadurch haben auch wir so gut wie keinen Vandalismus mehr“, sagt Höstermann. Zwar sitzt niemand den ganzen Tag vor einem Monitor und beobachtet über die Kameras das Geschehen in den Fahrzeugen. Wenn aber etwas passiert, können die SWK das Videomaterial zur Auswertung an die Polizei weitergeben. Das sorgt für eine hohe Aufklärungsquote einerseits. „Und andererseits scheint es auch viele davon abzuhalten, Bahnen und Busse zu beschmieren oder etwas kaputt zu machen“, so Höstermann. Sicherheitsscheiben, die den Fahrer abschirmen, gibt es in Krefelder Bussen nicht.

Auch die Rheinbahn hat in ihren Bussen keine Sicherheitsscheiben. „Einige Modelle haben ganz kleine Scheiben im Rücken des Fahrers“, erklärt Georg Schumacher. Die seien aber eher dazu da, um Zugluft abzuhalten. Busfahrer komplett abzuschirmen ist in Schumachers Augen keine gute Idee. „Gäste müssen ja noch direkt beim Fahrer zahlen können“, sagt er.

Die Nachteile, die eine Trennscheibe zwischen Busfahrer und Fahrgastraum mit sich bringt, seien größer als der mögliche Nutzen, findet Holger Stephan, Sprecher der Wuppertaler Stadtwerke. „Eine solche Scheibe sorgt für eine schlechte Kommunikation“, sagt er. Der Kontakt werde dadurch ein ganz anderer, nicht so direkt und offen eben. „Und ob die Scheiben auf der anderen Seite tatsächlich Angriffe verhindern können, sei dahingestellt.“ Denn, so ist Stephan überzeugt, wenn ein Fahrgast etwa mit Pfefferspray auf einen Busfahrer losgehe, dann helfe eine Scheibe da auch nicht viel weiter, da sich das Gas trotzdem verbreiten könne. Aber auch in Wuppertal werden Fahrgäste nur ganz selten handgreiflich. „Die meisten Unstimmigkeiten können unsere Fahrer direkt verbal entschärfen“, erklärt der Stadtwerke-Sprecher. „Das haben sie alle gelernt. Schon in der Fahrerausbildung steht Deeskalationstraining auf dem Programm.“

In Solingen kommen Angriffe auf Busfahrer auch nur selten vor, die Zahlen sind sogar rückläufig. Ob das mit Trennscheiben, die es dort gibt, zu tun hat, kann Silke Rampe, Sprecherin des Verkehrsbetriebs der Stadt Solingen, nur vermuten. Konkrete Zahlen hat das Unternehmen nicht. Fest steht aber: In den Jahren 2007 bis 2009 gab es in Solingen eine Reihe schwerer Attacken auf Busfahrer. Ein Gast etwa bedrohte einen Fahrer mit einem Teppichmesser, ein anderer schlug einem Fahrer eine Bierflasche auf den Kopf. Die Verkehrsbetriebe entschieden sich daraufhin, die Busse nach und nach mit Sicherheitsscheiben auszustatten. Die ersten wurden 2011 eingebaut.

Die Fahrer können die Scheiben, die schräg hinter ihnen angebracht sind, eigenständig ein- oder ausklappen. Frontale Angriffe beim Einstieg, so wie in Gelsenkirchen, lassen sich aber auch damit nicht vermeiden, gibt Silke Rampe zu. Dennoch spricht die Rückläufigkeit der schweren Angriffe in Solingen dafür, dass die Scheiben einen Nutzen haben, sagt sie, fügt aber auch gleich hinzu: „Im täglichen Betrieb haben die Fahrer so oft mit Pöbeleien, Schubsereien und Respektlosigkeit zu tun — das kann sehr zermürbend sein.“

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