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Warum die Olympia-TV-Experten so beliebt sind

Berichte aus Tokio : Warum die Olympia-TV-Experten so beliebt sind

Wie schwer das Leben als TV-Experte sein kann, zeigte zuletzt die Fußball-Europameisterschaft. Jedes Wort der Moderatoren, Kommentatoren und eben Experten wurde auf die Goldwaage gelegt, die dann meistens in Richtung „schlecht“ ausschlug. Bei den Olympischen Spielen ist das jetzt anders.

Die Gründe für die positivere Zuschauerbewertung der Experten sind recht vielfältig. Der Olympische Sport unterliegt zum Beispiel nicht dieser Überhöhung, die der Fußball seit vielen Jahren mit immer weiter steigender Tendez erlebt – und in diesem Fall wird sicher kein Boxer, keine Kanutin und keine Hockeymannschaft böse darüber sein.

Noch viel wichtiger aber: ARD und ZDF machen in Tokio einfach einen guten Job. Die öffentlich-rechtlichen Sender übertragen jeden Tag zwischen 15 und 17 Stunden live im TV. Hinzu kommen unzählige Livestreams im Internet und somit mehr als selbst der größte Olympia-Fan schaffen kann.

Dabei ist den beiden TV-Anstalten ihre große Erfahrung bei der Übertragung der Spiele anzumerken – und das ausdrücklich im positiven Sinne. Die Moderatoren (ja, auch Jessy Wellmer, die nach einigen schwachen Auftritten bei der EM förmlich in der Luft zerrissen wurde) machen einen souveränen Job.

Sie haben natürlich oft auch eine dankbare Aufgabe, denn es gibt vermutlich kaum Menschen, mit denen es sich leichter plaudern lässt als mit frischgebackenen Medaillengewinnern, von denen die meisten kaum Fernseherfahrung haben und sie so ihre natürliche Freude auch einfach vor der Kamera weiter ausleben.

Reitsportstimme Carsten Sostmeier fand an dieser Stelle bereits Erwähnung, aber es gibt noch viele gute Kommentatoren mehr. Ganz aktuell drängt sich da förmlich Frank Grundhever auf. Der Mann vom Saarländischen Rundfunk kommentiert die Tischtennisübertragungen und hinterlässt dabei durchaus Eindruck. „Ich habe das Gefühl, ich bin dabei“, schreit Grundhever und man ist geneigt ihm auf seiner Achterbahn der Emotionen und Wortbildern zu glauben.

Das Salz in der olympischen TV-Suppe sind aber die Experten, die einst selbst in der jeweiligen Sportart aktiv waren. Zu nennen sind hier neben Jonas Reckermann und Julius Brink beim Beachvolleyball oder Monika Dietrich beim Kunstspringen vor allem Kristina Vogel beim Bahnradfahren und Ronny Ziesmer beim Turnen.

Beide sitzen nach Unfällen bei der Ausübung ihres Sports im Rollstuhl. Nun kommentieren sie mit Hingabe die Wettkämpfe, haben wertvolle Hintergrundinformationen und sind einfach nah dran. Ihre Schicksale spielen für die beiden dabei keine Rolle, machen die Sache aber um so beeindruckender.