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Fußball: Vorfreude auf das Abenteuer Schweiz

Fußball : Vorfreude auf das Abenteuer Schweiz

Ex-Bundesligaspielerin Imke Wübbenhorst wechselt vom CfR Links nach Bern.

Es ist ein Jahr her, als Imke Wübbenhorst zu ihrem Freund nach Kaiserswerth zog. In der neuen Wahlheimat fühlte sich die Norddeutsche sogleich pudelwohl. In der Beziehung lief es rund, Fußball-Drittligist Viktoria Köln, wo sie als Co-Trainerin Analyse arbeitete, war gut erreichbar und als Defensivkraft beim Niederrheinligisten CfR Links knüpfte die 33-Jährige neue Freundschaften. Gute Gründe, sich in Düsseldorf dauerhaft niederzulassen.

Dann kam es aber doch ganz anders. Die Beziehung bekam Risse und der Antrag auf Ländertauschverfahren der in Niedersachsen ausgebildeten Gymnasiallehrerin scheiterte. Damit waren zwei Seifenblasen auf einmal geplatzt. Was nun? „Ich habe immer noch großen Bock auf Fußball“, sagt Imke Wübbenhorst, deren Fußballkarriere bunter kaum sein könnte: Jugendländerspielen folgten sieben Bundesligajahre, danach Trainerstationen in Cloppenburg sowie beim Regionalligisten Sportfreunde Lotte. Keine Frau hatte zuvor im Männerbereich in einer solch hohen Liga gecoacht.

Fußballverrückt und eine eigene Vorstellung von Effektivität

Entsprechend groß ist ihr Netzwerk – zu dem auch Frauen-Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg gehört. „Ich rief Martina an und erzählte ihr, dass ich gerne wieder als Cheftrainerin bei den Frauen arbeiten würde. Eine Woche darauf rief sie zurück und sagte, Young Boys Bern habe Interesse. Zwei Minuten später meldete sich die Managerin des Vereins.“

Gesagt, getan. Kaum hatte sich Wübbenhorst bei dem Schweizer Traditionsklub gemeldet, kam die Antwort mit der Bitte um ein Gespräch. „Wir haben uns im Wankdorfstadion getroffen und waren uns schnell einig. In Bern erwarten mich neben einer schönen Stadt professionelle Arbeitsbedingungen.“ Der Verein wolle künftig mehr in den Frauenfußball investieren, damit die Mannschaft in der ersten Liga besser abschneidet als vergangene Saison, als in der Zehnerliga nur der siebte Platz heraussprang. Das heißt aber auch: Die Erwartungen an Imke Wübbenhorst und ihre auf zunächst zwei Jahre begrenzte Tätigkeit sind groß. „Wir haben eine junge Mannschaft mit einigen Talenten, die noch reifen müssen. Zunächst müssen wir die erst einmal an den Verein binden.“

Den Kader weitestgehend zu erhalten, reicht aber nicht. Es müssen weitere Spielerinnen mit Potenzial her, womöglich aus dem Ausland. Auch dabei könnte das Wübbenhorstsche Netzwerk helfen. „Von Nachteil für uns ist, dass die anderen großen Vereine wie der FC Zürich, Grashoppers Zürich sowie der FC Basel mehr Geld haben und bei der Spielerinnenverpflichtung für die kommende Saison weiter sind als wir. Da müssen wir bei der Kaderplanung mit den vorhandenen Mitteln richtig Gas geben.“

Wer Imke Wübbenhorst kennt, weiß, dass sie sich an Aufgaben festbeißen kann und keiner Klippe aus dem Wege geht. Dass sie fußballverrückt ist, ihre eigenen Vorstellungen von Effektivität hat und anderen nicht nach dem Mund redet, sollten die Berner Macher festgestellt und begrüßt haben. Ein eidgenössisches Medium hat bereits festgestellt: „Schlagfertig ist sie auf jeden Fall. Die Schweizer Journalisten, die etwas aus der neuen YB-Trainerin herauskitzeln wollen, müssen sich vorsehen.“

Auch wenn Wübbenhorst beim Abschied vom CfR Links einige Tränen verdrückte, empfindet die gebürtige Auricherin „totale Vorfreude“ auf das Schweizer Abenteuer. Vielleicht gibt es ja irgendwann doch ein neues Kapitel „Wübbenhorst in Düsseldorf“. Schließlich will die Stadt den Mädchen- und Frauenfußball auf ein Level heben, das einer Landeshauptstadt gebührt. Und schließlich hat Imke Wübbenhorst in Düsseldorf viel Herzblut gelassen.