So teuer sind Bus und Bahn in Wuppertal, Krefeld und Düsseldorf

Ticketpreise : So teuer ist der Nahverkehr in NRW

Im Vergleich hängt München die Städte der Region bei Ticketpreisen meilenweit ab. Der VRR verteidigt sich: Die Preise ließen sich nicht einfach vergleichen.

Tickets für den Nahverkehr in Nordrhein-Westfalen sind teils fast 80 Prozent teurer als in anderen Bundesländern – zu diesem Ergebnis kommt der Automobilclub ADAC bei einem Preisvergleich unter 21 deutschen Städten mit über 300 000 Einwohnern.

Beispiele: Eine Tageskarte für Erwachsene kostet in Köln 8,80 Euro, in Stuttgart nur 5,20 Euro; für die Einzelfahrt zahlen Kinder in Düsseldorf oder Wuppertal 1,70 Euro, in Leipzig 1,20 Euro; für die Mitnahme des Fahrrads müssen Fahrgäste in diesen beiden Städten sogar 3,60 Euro zahlen, während sie in Frankfurt oder Hamburg gratis ist.

Auch bei den Abo-Monatstickets fürs gesamte Stadtgebiet gibt es eklatante Unterschiede: Am günstigsten ist es in München mit 55,20 Euro, am teuersten in Hamburg mit 109,20 Euro. Dazwischen liegen mit 77,35 Euro in der stadtweiten Preisstufe A3 der Verkehrsverbund VRR (Düsseldorf und Wuppertal, in Krefeld, Remscheid und Solingen etwa kostet das Abo wegen der geringeren Größe in Stufe A2 74,28 Euro) und mit 98,50 Euro der VRS (Köln und Bonn).

Diese Differenz sei „schon ein Hammer“, sagt Thomas Müther vom ADAC Nordrhein. Laut einer Umfrage des Automobilclubs 2017 sei der Ticketpreis für zwei Drittel der Deutschen Grund, warum sie den Nahverkehr nicht nutzen. Müther: „Das erschwert die Verkehrswende in den Städten.“

VRR: „Da werden Äpfel mit Birnen verglichen“

Dem widerspricht Dino Niemann vom VRR: Die Zahl der Fahrten sei im Verbund zwischen 2014 und 2017 von 1,14 auf 1,15 Milliarden deutlich gestiegen. Zudem sagt er zu dem Preisvergleich: „Da werden Äpfel mit Birnen verglichen.“

Ähnlich sieht es Georg Schumacher, Sprecher des Düsseldorfer Verkehrsunternehmens Rheinbahn: Die Differenz zwischen dem Münchener und dem Düsseldorfer Monatsticket sei plakativ, verrate aber nicht, dass mit dem Ticket 2000 das Fahrrad gratis mitfahre, es am Wochenende und nach 19 Uhr im gesamten VRR sowie für zwei Erwachsene und bis zu drei Kinder gelte; zudem sei es übertragbar. Solche Details lasse der Vergleich außen vor.

Vor allem aber sei der Ticketpreis eine politische Entscheidung. Die Rheinbahn nehme mit den Fahrkartenverkäufen 240 Millionen Euro pro Jahr ein, was 80 Prozent der kosten decke. Wolle die Politik die Nutzerfinanzierung zurückfahren, müsse das Defizit anders ausgeglichen werden. Der Preis des ÖPNV sei somit als eine Größe im System der kommunalen Finanzen zu sehen: Was kosten die Kitas, was die Hundesteuer, was gibt die Stadt für Kulturangebote aus?

ADAC-Experte rät dazu, nach Sondertarifen zu suchen

 Franziska Hartmann vom Münchener Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) freut sich zwar, „dass wir so gut weggekommen sind“, jedoch gibt auch sie zu: „Ich muss die Kollegen da in Schutz nehmen.“

In der Tat seien Ticketpreise nicht ohne Weiteres vergleichbar. In München würden die Tarife sogar zum 15. Dezember noch einmal um sieben Prozent gesenkt. „Dafür gibt es von unseren Gesellschaftern aber auch Geld. Und zwar 70 Millionen Euro.“ Zu denen gehörten das Land Bayern sowie die Stadt München – und somit deutlich finanzstärkere Regionen als etwa das Ruhrgebiet.

Auch gebe es in NRW deutlich mehr Städte mit einer herausfordernden U-Bahn-Infrastruktur als in Bayern, gibt Schumacher von der Rheinbahn zu bedenken, die in Düsseldorf erst vor einigen Jahren sogar eine ganz neue U-Bahn-Linie in Betrieb genommen hat. Wie Dino Niemann vom VRR glaubt auch er, dass ein guter Nahverkehr mit dichtem Takt, kurzen Fahrtzeiten und idealen Anschlüssen wichtiger sei als ein billiger Nahverkehr.

Auch der ADAC sieht, dass Preisunterschiede durch unterschiedliche Verkehrsangebote und politische Zielsetzungen zustande kommen. Wem der Preis dennoch besonders wichtig ist, dem rät ADAC-Mobilitätsexperte Roman Suthold: „Es kann sich lohnen, nach speziellen Ticket-Varianten und Sonderregelungen zu suchen oder über die jeweiligen Webseiten und Apps digital zu zahlen.“

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