Trotz Erfolgs: Programm für Problemschüler in NRW endet wohl vorerst

Berufseinstiegsbegleitung in NRW : Trotz Erfolgs - Programm für Problemschüler muss nach den Ferien pausieren

Die Berufseinstiegsbegleitung ist seit zehn Jahren ein Erfolg. Doch im Sommer ist wohl trotzdem vorerst Schluss.

Seit zehn Jahren gibt es in NRW Berufseinstiegsbegleiter, die Jugendliche ohne große Hoffnung auf einen Schulabschluss an die Hand nehmen und zwei Jahre nicht nur durch die Schullaufbahn, sondern bis in die Lehre begleiten. Die Erfolgsquote – da sind Träger, Schulen, Kommunen, Politik und Arbeitsagentur einig – ist enorm. Trotzdem wird es das Projekt wohl nach den Sommerferien in NRW vorerst nicht mehr geben.

Mehr als 30 000 Jugendliche an Förder-, Haupt- und Gesamtschulen durchlaufen das Programm bisher jährlich in Deutschland. Zur Hälfte wurde die engmaschige und sehr persönliche Betreuung durch EU-Mittel finanziert, der Rest kam vom Bund – der aber will sich schon länger aus der Finanzierung zurückziehen. Die Länder sollten einspringen. Nordrhein-Westfalen forderte im Gegenzug mehr Gestaltungsmöglichkeiten in der Berufseinstiegsbegleitung (BerEb). Darunter allerdings eine Erhöhung der Schülerzahl pro Begleiter, was laut Trägern nicht sinnvoll wäre.

Diese Zeitung berichtete bereits im Februar über das drohende Aus der Berufseinstiegsbegleitung. Auf Nachfrage beim Landesarbeitsministerium hieß es nun, dass „geplant ist, landesseitig in die Kofinanzierung der BerEb einzusteigen“. Dass die Mittel aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) weiter fließen, sei durch den ESF-Begleitausschuss NRW bereits „grundsätzlich ermöglicht“. Trotzdem hakt es weiter, teilt ein Sprecher mit: „Zum gegenwärtigen Stand konnten allerdings noch nicht alle notwendigen Vereinbarungen mit den Partnern im Land abschließend getroffen werden.“ Immerhin seien die Planungen mit der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit konkretisiert worden. Man gehe aktuell davon aus, im Sommer in die Ausschreibung für die Einstiegsbegleitung zu gehen und sie dann zum zweiten Schulhalbjahr sicherstellen zu können.

Düsseldorfer Träger läuft schon gutes Personal davon

Für die Träger wie Wolfgang Foerster von der Düsseldorfer Awo ist es „traurig, dass es offensichtlich nicht gelingt, die Lücke ab Sommer nahtlos zu schließen“. Für die betroffenen Schüler, die ohne eine engmaschige Hilfe keine Aussicht auf einen Schulabschluss und eine Ausbildung haben, gehe ein wertvolles halbes Jahr verloren. Da zudem nach den Sommerferien erst einmal weniger Personal für die BerEb benötigt wird, droht ein Bruch in der wichtigen Kontinuität persönlicher Beziehungen, welche die Problemschüler dringend benötigten. Schon Anfang des Jahres beklagte die Awo, dass ihr seit vielen Jahren erfahrenes Fachpersonal wegen der unsicheren Perspektive in der Begleitung weglaufe. Schließlich muss der Träger ja die neue Ausschreibung auch erst einmal gewinnen.

Unklar bleibt weiterhin auch, ob tatsächlich ein Begleiter nach dem Neustart mehr Schüler betreuen muss und wie sich die Rahmenbedingungen darüber hinaus verändern könnten. Alles in allem, sagt Foerster, müsse man aber wohl dankbar sein, dass es langfristig überhaupt weitergehen könne. „Wir hoffen das Beste“, sagt er.

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