Idee der Tönisvorster Heimatvereine Planänderung für die Zeitkapseln in St. Tönis und Vorst

Tönisvorst · Das Projekt Zeitkapsel wird in Tönisvorst nicht realisiert. Was Bürger Sven Pricken anregte, ist auf Eis gelegt.

 Guido Beckers vom Heimatbund St. Tönis (v. l.), Bürgermeister Uwe Leuchtenberg und Ideengeber Sven Pricken stellten das Buch vor.

Guido Beckers vom Heimatbund St. Tönis (v. l.), Bürgermeister Uwe Leuchtenberg und Ideengeber Sven Pricken stellten das Buch vor.

Foto: Norbert Prümen

Im Mai dieses Jahres hätten sie sowohl in Vorst als auch in St. Tönis in der Erde versenkt werden sollen, um dort einen 200-jährigen Schlaf mit Unterbrechungen von 50 Jahren anzutreten. Doch daraus ist nichts geworden. Die Rede ist vom Projekt Zeitkapsel. „Wir haben es schweren Herzens auf Eis gelegt“, sagt Guido Beckers vom Heimatbund St. Tönis 1952. Der Grund: Es sind zu wenige Rückmeldungen gekommen. Gerade einmal 44 Briefe gingen ein. Gerechnet hatte man mit einem viel größeren Zuspruch. Allein vor dem Hintergrund, dass es in Tönisvorst über 100 Vereine gibt, gingen die Organisatoren von einer stärkeren Teilnahme aus. Angesprochen waren auch Schulen, Geschäftsleute und Politik. Sie waren aufgefordert, Briefe an die Menschen im Jahr 2073 zu verfassen, denn zu diesem Zeitpunkt sollten die Zeitkapseln das erste Mal geöffnet und mit weiteren Briefen versehen werden – und danach für die nächsten 50 Jahre erneut in der Erde verschwinden.

„Die Schulen haben sich wirklich gut beteiligt. Bei den Vereinen war es enttäuschend. Von der Politik ist gar nichts gekommen, und auch bei der Geschäftswelt sah es mau aus. Immerhin haben wir von dort einige Rückmeldungen erhalten, dass man sich nicht beteiligen würde“, sagt Sven Pricken, der die Idee ins Rollen brachte. Der Tönisvorster lebte eine Zeit lang in Kanada und war dort beim Ausgraben einer über 200 Jahre alten Zeitkapsel dabei. Zu erleben, was Menschen vor über 200 Jahren zu Papier gebracht hatten, ging ihm unter die Haut. Mit der Idee, dies auch in der Apfelstadt zu machen, trat Pricken im Frühjahr 2021 an Beckers heran. Heimatbund St. Tönis, Heimatverein Vorst 1978 und der Stadtkulturbund überlegten, wie eine solche Idee in Tönisvorst umgesetzt werden könnte. Das Konzept wurde entwickelt, der Öffentlichkeit vorgestellt und mit der Bitte um Briefe der genannten Adressaten versehen. Die ernüchternde Resonanz änderte sich auch nach weiteren Aufrufen und nochmaligen Anschreiben sowie direkter Ansprache nicht. Es blieb letztendlich bei 44 Briefen. „Viel zu wenige gemessen an dem, was in Tönisvorst nach unserer Hoffnung erwartbar war“, sagt Beckers. Der Aufwand und die Kosten dafür, Zeitkapseln in die Erde zu bringen, standen in keiner Relation zu der Anzahl der Rückmeldungen. Die Briefe sind aber nicht verloren. Die Organisatoren hatten eine Idee: Alle Briefe wurden ausgedruckt und in einem Buch zusammengefasst. Dieses Buch namens „Projekt Zeitkapsel für Tönisvorst“ wurde fünfmal gedruckt. Je ein Exemplar liegt beim Heimatverein Vorst und beim Heimatbund St. Tönis. Ideengeber Pricken sowie Beckershaben ebenfalls ein Exemplar, und eines ging an den Tönisvorster Bürgermeister Uwe Leuchtenberg. Dieses Exemplar mit der Nummer eins wurde ihm symbolisch übergeben, denn es ist nicht für seinen eigenen Bücherschrank bestimmt, sondern für die Stadtbibliothek in St. Tönis. Allerdings kann man es sich dort nicht ausleihen. Es steht lediglich zur Ansicht in der Bücherei zur Verfügung. „Also keine Eselsohren rein machen, keine Kaffeeflecken verursachen, sondern behutsam damit umgehen, wenn man zur Bücherei kommt und es dort lesen möchte. Es gibt nur das eine“, sagt Leuchtenberg.

Bei den Briefen sorgen gerade die Aussagen der Schüler für bewegende Momente. Sie sprechen von ihren Familien, ihren Zukunftsängsten und beschreiben die Schule. Die Bürger Junggesellen geben Einblicke ins aktuelle Schützenleben, der Vogelschutz- und Vogelliebhaberverein St. Tönis 1962 berichtet, der Nabu Tönisvorst stellt seine Projekte vor, die Feuerwehr erzählt von ihrer Arbeit, und der Verein Apfelblüte wird auch nicht vergessen, denn er gehört ebenfalls zu denen, die einen Brief verfasst haben.

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