Sturmtief „Eberhard“: Bahn stellt Regionalverkehr in NRW ein

Sturmtief „Eberhard“ : Bahn stellt Regionalverkehr in NRW ein

Die Deutsche Bahn hat den Regionalverkehr in Nordrhein-Westfalen komplett bis Betriebsschluss gestoppt. Noch bis zum Abend gilt für weite Teile des Landes die zweithöchste Unwetter-Warnstufe. Auch Flughäfen sind betroffen.

Die Deutsche Bahn stoppt wegen Sturmtief „Eberhard“ den Fernverkehr und den Regionalverkehr in Nordrhein-Westfalen. Die Züge würden nun am nächsten Bahnhof gestoppt, sagte ein Bahnsprecher am Sonntag. „Aktuell arbeiten wir intensiv daran, die durch das Sturmtief entstandenen Schäden zu beheben“, teilte die Bahn am Sonntag mit. Am Abend teilte die Deutsche Bahn auf Twitter mit, dass der Betrieb der S-Bahn und der Regionalbahnen bis Betriebsschluss eingestellt bleibe. Unzählige Bahnreisende strandeten an den Bahnhöfen.

Umgestürzte Bäume haben während des Unwetters am Sonntag ein Todesopfer gefordert und mindestens zwei Menschen verletzt. Außerdem wurde in Köln ein Notarztfahrzeug durch herabfallende Dachziegel so schwer beschädigt, dass es nicht weiterfahren konnte.

Auch Flugverkehr von Sturmtief betroffen

Wegen der heftigen Böen haben zwei Flugzeuge nach Köln/Bonn einen anderen Airport ansteuern müssen. Eine Passagiermaschine sei nach Münster umgeleitet worden, eine Frachtmaschine nach Hamburg, sagte ein Sprecher am Sonntag. Einige weitere Flugzeuge seien beim Anflug durchgestartet und später sicher gelandet.

Am Flughafen Düsseldorf lief der Betrieb normal. Passagiere an Bord würden aber sicherlich etwas mehr durchgeschüttelt als sonst, sagte ein Sprecher. Dort verläuft die Start- und Landebahn in West-Ost-Richtung - und damit genau in der Windrichtung von Sturm „Eberhard“. Probleme bekämen Flugzeuge aber vor allem, wenn der Wind von der Seite komme, sagte der Sprecher.

Zuvor waren zwei wichtige Stellwerke in Essen und Wuppertal ausgefallen, in Essen war der gesamte Bahnhof zeitweise ohne Strom.

Auch der Verkehr auf den Autobahnen war stark beeinträchtigt. An mehreren Stellen stürzten Äste und Bäume auf die Fahrbahn. Auf der A45 südlich von Hagen wurden die Begrenzungen einer Baustelle so stark verschoben, dass die Strecke gesperrt werden musste. Ein umgestürzter Baum sorgte auf der A59 für Stau. In Dortmund war die A40 zeitweise überflutet. Am Möhnesee musste die Feuerwehr mehrere Menschen befreien, die durch umgestürzte Bäume in ihren Autos eingeschlossen gewesen seien - verletzt wurde niemand. In Duisburg wurde ein tonnenschwerer Verladekran umgeweht und landete zur Hälfte im Rhein.

Bis zum Sonntagabend um 20 Uhr galt für weite Teile Nordrhein-Westfalens die zweithöchste Unwetter-Warnstufe. Der Deutsche Wetterdienst rechnete mit Windstärke 11, teilweise sei sogar Stärke 12 möglich. Bei solchen Windgeschwindigkeiten können Bäume entwurzelt und Dachziegel durch die Luft geschleudert werden. Von Sonntagsspaziergängen wurde explizit abgeraten. Um 20 Uhr gab der DWD dann Entwarnung: Die Unwetterwarnung vor orkanartigen Böen wurde aufgehoben.

Feuerwehr in NRW im Dauereinsatz

„Eberhard“ traf am Sonntagnachmittag zunächst den Westen Nordrhein-Westfalens. Bei Aachen und Köln stürzten an drei Stellen Bäume auf die Schienen und blockierten den Zugverkehr. Rund um Aachen stürzten Äste auf die Autobahnen 4 und 44. Auch in Bochum fielen Bäume um. „Die gesamte Freiwillige Feuerwehr wurde in Alarmbereitschaft versetzt“, schrieb die Bochumer Feuerwehr bei Twitter. In Duisburg wurde ein tonnenschwerer Verladekran umgeweht und landete zur Hälfte im Rhein. Das Führerhaus sei glücklicherweise unbesetzt gewesen. Der Schiffsverkehr wird um die Gefahrenstelle herumgeleitet.

Die Zoos in Dortmund und Wuppertal sowie der Tierpark Hamm wurden aus Sicherheitsgründen geschlossen. Auch den Westfalenpark in Dortmund und der Grugapark in Essen mussten die Besucher am Sonntag verlassen.

Sturmtief „Dragi“ sorgte bereits Samstag für große Schäden

Am Samstag hatte Sturmtief „Dragi“ vor allem in der nördlichen Hälfte Nordrhein-Westfalens bereits große Schäden verursacht. In Mülheim an der Ruhr krachte ein Baum durch das Dach eines Hauses direkt auf ein Sofa, wo kurz zuvor noch ein Bewohner gesessen hatte. Mit einem riesen Schrecken aber ansonsten unverletzt habe er das Haus verlassen können, teilte die Feuerwehr mit.

Mehrere Bahnstrecken waren am Samstag wegen Sturmschäden blockiert. Während die Feuerwehr Bäume zersägte und abtransportierte, organisierten Bahnunternehmen einen Ersatzverkehr mit Bussen und Taxis. Behinderungen gab es auch auf den Autobahnen. Auf der A40 bei Bochum stürzte ein Baum auf die Fahrbahn, Autofahrer standen gut eine Stunde lang im Stau. Zeitweise warnte der Landesbetrieb Straßen.NRW vor überfluteten Fahrbahnen auf dem Ruhrschnellweg.

In einigen Orten fiel der Strom aus, weil Bäume in die Leitungen gestürzt waren. In mehreren Regionen wurden Autos und Häuser von umstürzenden Bäumen beschädigt. Informationen, dass Menschen durch den Sturm verletzt wurden, gab es aber nicht.

Ab Montag erwarten die Experten dann keine so gefährlichen Windstärken mehr. Dafür könnte der Winter zurückkommen: Von Sonntagabend hält der DWD in Regionen ab 200 Höhenmetern Schnee für möglich. Auch im Flachland könne sich dann eine nasse Schneedecke bilden und den Berufsverkehr gefährden. „Am Montag haben wir dann ausgeprägtes April-Wetter“, sagte ein Meteorologe. Zwischen den Schauern könne vereinzelt die Sonne scheinen. Echter Frühling sei erstmal nicht zu erwarten.

(red/dpa)
Mehr von Westdeutsche Zeitung