Immobilien: Wohnungsmarkt: Impulse fehlen

Immobilien : Wohnungsmarkt: Impulse fehlen

Berater präsentieren erste Ergebnisse des „Handlungskonzepts Wohnen“. Junge Leute ziehen häufig weg.

Von großen Protesten gegen Spekulantentum und steigende Mieten, wie sie am vergangenen Samstag in mehreren deutschen Großstädten zu erleben waren, wird Sprockhövel wohl noch einige Zeit verschont bleiben. Gleichwohl fällt der Blick auf den Wohnungsmarkt auch in dieser kleinen Kommune nicht völlig entspannt aus. Zwar gebe es in Sprockhövel „keinen wahnsinnig angespannten Wohnungsmarkt“, wie etwa in Großstädten entlang der Rheinschiene, gleichwohl sei durchaus eine „Anspannung in den Segmenten“ feststellbar, sagte Thomas Abraham, Vertreter des Forschungs- und Beratungsinstituts Empirica am Montagabend im Ausschuss für Stadtentwicklung, Denkmalschutz und Wirtschaftsförderung der Stadt. Dort stellte er die ersten Zwischenergebnisse zu dem „Handlungskonzept Wohnen“ vor, das in diesem Sommer in abschließender Fassung vorgelegt werden soll.

Unter „Anspannung in den Segmenten“ verstand der Experte neben den steigenden Kosten für Immobilien und einer niedrigen Neubauquote auch demografische Tendenzen, die für die Entwicklung einer Stadt von Bedeutung sind. So geht die Bevölkerungszahl in Sprockhövel seit einigen Jahren zurück, auch die Zahl der Neugeborenen sinkt, während sie in den Nachbarkommunen des Kreises steige. Die Folge: Die Einwohnerschaft in Sprockhövel ist im Durchschnitt älter als im Ennepe-Ruhr-Kreis und in NRW. Eine solche Entwicklung sei schon „ungewöhnlich“, erklärte der Diplom-Geograph.

Anstieg beim Zuzug von Menschen mit Migrationshintergrund

Hinzu kommen Wanderungsverluste – also die Tatsache, dass vor allem jüngere Menschen ihrer Heimat Adé sagen und lieber in die größeren Städte in der Nachbarschaft oder noch weiter weg ziehen. Lediglich beim Zuzug von Menschen mit ausländischem Hintergrund verzeichne Sprockhövel einen Anstieg. Aufgrund der Tatsache, dass in Sprockhövel Gewerbeflächen fehlen, sei die Kommune zudem „eher Wohn- als Arbeitsplatzstandort“, sagte Abraham. Das heißt: Mehr Menschen pendeln vom Wohnort zur Arbeit in eine Nachbarkommune als umgekehrt.

Zugleich würden in Sprockhövel in Relation zur Einwohnerzahl von knapp 25 000 zu wenige Wohnungen gebaut. 2017 habe die Zahl gerade noch bei einem Viertel des Werts von 2001 gelegen. Zudem stiegen die Preise für Einfamilienhäuser zwischen 2014 und 2018 um etwa 15 Prozent auf etwa 330 000 Euro. Die Preise für Eigentumswohnungen im Neubaubereich legten um mehr als ein Fünftel von durchschnittlich 2040 auf 2490 Euro pro Quadratmeter zu. Mit Blick auf den sozialen Wohnungsbau sei überdies festzustellen, dass die Zahl der staatlich geförderten Wohnungen derzeit bei rund 370 liege und bis 2030 auf etwa 170 sinke.

Werden Neubaugebiete ausgewiesen und erschlossen, sind die Parzellen allerdings oft sehr teuer. So liegen die gesamten Kosten für Grundstückskauf und Bau eines Wohnhauses etwa im Bereich des Neubaugebietes Riepelsiepen in Niedersprockhövel bei etwa 400 000 bis 800 000 Euro. Nach Angaben von Abraham werden pro Monat zwei bis drei Grundstücke dort verkauft. Etwa 60 Prozent der Käufer stammten aus Sprockhövel. Susanne Görner, Leiterin des Fachbereichs Bauen und Wohnen, verwies darauf, dass viele Familien, die ursprünglich aus Sprockhövel stammten, wieder zurückkehren wollten. Durch die hohen Preise hätten es aber viele Familien schwer, ein „passendes Grundstück zu finden“.

SPD-Vertreter Udo Unterieser stellte die Frage in den Raum, was Stadt und heimisches Gewerbe tun könnten, um die Kommune für junge Leute attraktiver zu machen. Abraham betonte, dass man da wenig machen könne, da es nun einmal einen „Sog“ gebe, der vor allem junge Leute vermehrt in die Großstädte locke. Und es mache eben keinen Sinn, wenn Sprockhövel versuche, mit Großstädten wie Köln oder Düsseldorf zu konkurrieren, erklärte der Empirica-Vertreter.

Diesen Ehrgeiz dürften weder Unterieser noch die übrigen Anwesenden verspüren. Gleichwohl regte das Ausschussmitglied an, dass versucht werden könne, zumindest in den „kleinen Dingen“ etwas zu verändern, damit Sprockhövel auch am Abend noch etwas mehr zu bieten hat als bislang.

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