Wirtschaft blickt trotz guter Zahlen mit Sorge in die Zukunft

Wirtschaft blickt trotz guter Zahlen mit Sorge in die Zukunft

Sprockhöveler Unternehmer sehen aber ungeachtet der Wirtschaftskrise verhalten optimistisch nach vorn.

EN-Kreis/Sprockhövel. Trotz guter aktueller Zahlen sehen die Mitgliedsunternehmen der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer (SIHK) alles andere als optimistisch in die Zukunft. In der Spätsommerumfrage der SIHK bei 220 Unternehmen rechnet fast jede dritte Firma mit einer Verschlechterung der eigenen Geschäftsentwicklung.

Und das, obwohl 59 Prozent der Befragten von einer derzeit guten Geschäftslage berichten. Als Gründe für die erwartete negative Entwicklung werden vor allem die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen, steigende Energie- und Rohstoffkosten, aber auch ein Einbrechen der Nachfrage und ein Mangel an Fachkräften angegeben.

Aktuell sieht die Lage allerdings deutlich besser aus, wie SIHK-Präsident Harald Rutenbeck berichtete. “Weite Bereiche der Industrie haben 2011 das Niveau der Vorkrisenjahre erreicht und Umsatz- sowie Gewinnrekorde eingefahren”, heißt es in dem Bericht der SIHK. “61 Prozent der Betriebe melden gute und nur fünf Prozent schlechte Geschäfte. Die Produktionskapazitäten sind mit 85 Prozent voll ausgelastet.”

Erfreuliche Zahlen gibt es auch bei den Einzelhändlern. 75 Prozent melden eine gute und nur sieben Prozent eine schlechte Geschäftslage. Etwas weniger gut geht es den Dienstleistern. Hier melden nur 55 Prozent positive Zahlen.

Auswirkungen der Konjunkturbelebung sind auch im Bereich des Arbeitsmarktes spürbar. Nach SIHK-Angaben wurde Mitte des Jahres erstmals seit Jahren wieder die Marke von 30 000 Arbeitslosen unterschritten. Im September waren 28 890 Menschen arbeitslos gemeldet — 14 Prozent weniger als vor einem Jahr. Gleichzeitig stieg das Angebot an offenen Stellen um 29 Prozent auf mehr als 5300. Wie die SIHK berichtet, werden auch in ihrem Bezirk immer häufiger Fachkräfte vergeblich gesucht.

„Die Geschäftslage ist ausgesprochen gut und wird getragen von einem weiterhin florierenden Exportgeschäft und starken Impulsen aus dem Binnenmarkt. Allerdings hat die Konjunktur an Dynamik verloren”, fasst SIHK-Präsident Harald Rutenbeck die Umfrageergebnisse zusammen.

Im Großen und Ganzen gibt dieses Fazit auch die Einschätzung Sprockhöveler Unternehmer wider. Einer von ihnen, der aber namentlich nicht genannt werden möchte, spricht hinsichtlich der negativen Prognosen von „Meckern auf hohem Niveau“ und erwartet für die Zukunft, dass es zwar möglicherweise etwas härter zugehen, aber „nicht so schlecht aussehen“ werde.

Etwas zurückhaltender äußert sich Claus Brückner, Geschäftsführer der Westfälischen Kunststoff-Technik (WKT). „Bis August stimmen die guten Zahlen aus der Umfrage sicherlich“, sagt er. Danach sei aber in der gesamten Branche ein spürbarer Rückgang zu verzeichnen, weil es im Bereich der Investitionen zurückhaltender zugehe. Trotz einer gewissen Verunsicherung erwartet er für das erste Halbjahr 2012 noch ein Wachstum, wenn auch in geringerem Umfang als im ersten Halbjahr 2011.

Bemerkenswert positiv schätzt Volker Wullstein von der Rudolf Scheven GmbH die Lage ein. „2011 war für unser Unternehmen ein außerordentlich gutes Jahr und das, obwohl es im Kreis unserer Geschäftspartner einige Ausfälle durch Insolvenzen gegeben hat“, berichtet er. Angesichts der Erfahrung, dass sein Unternehmen die letzte große Krise ohne Kurzarbeit durchfahren hatte, vertraut Volker Wullstein auf die breite Basis seiner Geschäftstätigkeit. „Ich erwarte die Zukunft nicht so dunkel“, sagt er verhalten optimistisch.

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