Haßlinghausen Winterfitness für Spitzenpferde

Vielseitigkeitsreiter Dirk Schrade versucht, seinen Sportlern unter dem Sattel viel Abwechslung zu bieten.

Haßlinghausen: Winterfitness für Spitzenpferde
Foto: Andreas Fischer

Sprockhövel. Fleißig galoppiert Cancun durch die Halle. Die Ohren aufmerksam gespitzt, reagiert der Schimmel sensibel auf die Hilfen seines Reiters. Dirk Schrade sitzt geschmeidig im Sattel, führt den Wallach in eine Wendung und gibt mit der Hand weich in Richtung Pferdemaul nach. Lockere Dressurarbeit steht für Cancun an diesem Tag auf dem Trainingsplan. Der fünf Jahre alte Schimmel war bis vor kurzem noch Spring´spezialist und schult gerade zum Vielseitigkeitsathleten um.

„Wir waren mit ihm schon im Gelände, da hat er sich sehr vielversprechend gezeigt und die Dressurlektionen lernt er auch noch“, sagt Dirk Schrade. Der Olympiasieger, Mannschafts-Welt- und Europameister nutzt die Wintermonate ganz gezielt, um seine Nachwuchspferde an neue Aufgaben heranzuführen. „Das ist für sie die Zeit, um etwas zu lernen, während der Saison geht es in erster Linie darum, das zu erhalten. Im Winter legen wir die Basis, damit die Pferde im Frühjahr erfolgreich gehen.“

Obwohl der Fokus auf den gymnastizierenden Dressurlektionen liegt, achtet der Spitzenreiter aus Sprockhövel darauf, das Training möglichst abwechslungsreich zu gestalten. „Mindestens zweimal in der Woche gehen wir ins Gelände, weil der Wechsel aus bergauf und bergab den Körper ganzheitlich fordert. Das kräftigt Bänder, Sehnen und Gelenke und schult das Gleichgewicht“, betont Dirk Schrade, der sich einfach nicht vorstellen kann, Runde um Runde in der Halle zu drehen.

Auf seinem weitläufigen Außenplatz lässt er seine vierbeinigen Athleten zwischendurch nach Herzenslust galoppieren. „Dann dürfen sie unter dem Sattel auch mal buckeln und ein bisschen Leben zeigen.“ Zwischendurch gibt es lockeres Laufen an Halfter und Longe. Sollte die Witterung weiter so mild bleiben, plant Dirk Schrade einen Ausflug nach Warendorf. Dort bietet die Geländestrecke des Bundesleistungszentrums die Möglichkeit, an festen Naturhindernissen zu trainieren. „Besonders für die Vier- und Fünfjährigen wäre das eine zusätzliche Abwechslung.“

Einen eigenen Kurs hat Dirk Schrade auf seiner Anlage nicht. „Im Sommer nutze ich meine Wiesen auch zum Training, doch im Moment ist der Boden zu nass.“ Für die Freizeitgestaltung der Vierbeiner bleiben daher nur die Paddocks, auf denen sie stundenweise einfach Pferd sein dürfen. „Im Sommer verbringen sie den größten Teil des Tages auf der Weide, doch im Winter müssen wir die Böden schonen, sonst wächst dort im Frühjahr kein Gras mehr.“

Eine gewisse Sonderstellung genießt Schrades Spitzenpferd Hop and Skip. Der 16 Jahre alte Fuchs bekommt gerade eine Auszeit. „Den gesamten Vormittag verbringt er draußen und wir beschränken uns auf leichte Lockerungsübungen, um die Muskulatur fit zu halten. Lernen muss er nichts mehr.“ Der Routinier, der Dirk Schrade im vergangenen Jahr zum Teamtitel bei den Weltreiterspielen in der Normandie trug, hat noch bis Januar Trainingspause. „Bis dahin darf er seinen Teddypelz behalten, und dann fangen wir langsam wieder mit der Dressurarbeit und ein paar Sprüngen an.“

Seine Athleten, wie die Kollegen in England, drei Monate nur auf die Wiese zu stellen, davon hält der Vielseitigkeitsprofi wenig. „Kein Sportler macht drei Monate gar nichts. Dann ist der Start umso schwieriger.“ Bis zum ersten Turnier Anfang April in Luhmühlen bleibt Hop und Skip aber noch genügend Zeit, zur Hochform aufzulaufen.

Die Spitze seiner Leistungsfähigkeit sollte der Wallach zu den Olympischen Spielen in Rio erreichen. Sie sind das Saisonziel von Dirk Schrade. „Das ist das Größte für jeden Sportler. Doch wenn sich Hop and Skip nicht topfit anfühlt, fahre ich nicht. Das Pferd schuldet mir nichts mehr, es hat immer seine Leistung gebracht.“