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Wer gehen muss, steht noch nicht fest

Wer gehen muss, steht noch nicht fest

Avery Dennison: Betriebsrat und Geschäftsführung verhandeln noch über die Modalitäten der Werkszusammenlegung.

Haßlinghausen/Obersprockhövel. Wer darf bleiben? Wer muss gehen? Und vor allem: Wie viele müssen gehen? Nach der Ankündigung von Textiletiketten-Hersteller Avery Dennison Rinke zum Jahresbeginn, den ehemaligen Paxar-Standort in Haßlinghausen zu schließen, ist die Entscheidung, welche Mitarbeiter es trifft, noch nicht gefallen. Beide Betriebe sollen an der Kleinbeckstraße zusammengeführt und bis zu 170 Stellen abgebaut werden.

Zunächst war eine Entscheidung für Ende Juni geplant, jetzt werde es wohl Ende Juli werden, sagt General Manager Thomas Willing. Noch stünden Gespräche mit dem Betriebsrat an.

"Wir gehen aber jetzt davon aus, dass wir unter den 170 einzusparenden Stellen bleiben können", sagt Willing. Betriebsrätin Sadiye Mesci hofft, dass zumindest 30 bis 40 gerettet werden können. In einer Einschätzung ist sie sich mit Willing einig: "Trotz aller Verunsicherung ziehen die Mitarbeiter in beiden Betrieben bisher voll mit."

Vielleicht liegt das daran, dass die Rahmenvereinbarung für einen Sozialplan steht. Wer gehen muss, erhält pro Jahr Betriebszugehörigkeit das 1,3-fache des Monatslohns als Abfindung, Kinderzuschläge und die Möglichkeit, sich in einer Transfergesellschaft weiterzuqualifizieren.

Wie die Struktur des gemeinsamen Standorts aussehen wird, ist dagegen im einzelnen noch strittig. "Wir bekennen uns klar zum Standort Sprockhövel, wollen hier vor allem das Design- und Kundenzentrum für Europa bleiben. Aber auch die Produktion wird ein Bestandteil bleiben", sagt Thomas Willing. "Wo Zulieferer noch hier sind, liefern und produzieren wir weiter hier."

Der Betriebsrat fordert dagegen, auch in die Produktion, beispielsweise die Weberei, zu investieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben. In einem Zukunftskonzept, das der Betriebsrat mit einem Wirtschaftsprüfer erarbeitet hat, soll auch der Offset-Druck bestehen bleiben, während die Geschäftsführung bisher künftig auf Digitaldruck setzt.

Als gutes Zeichen bewertet Mesci, dass ihr Arbeitgeber sich an einem Innovationskongress beteiligt, den der Betriebsrat für Donnerstag im Haus Friedrichsbad initiiert hat.

Die Betriebszusammenführung, so Willing, sei weiter für Ende des Jahres geplant. Für eine eventuelle Erweiterung sei dabei am Standort Kleinbeckstraße noch Platz. Der sei nötig, je mehr von der bisherigen Produktion erhalten bliebe. Während Willing sagt, dass bisher fast alle Kunden beider Betriebe gehalten werden konnten, spricht Mesci doch von einigen Kundenverlusten. "Wenn wir uns richtig aufstellen, könnten die aber sicher zurückgeholt werden", sagt sie.