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Von Friedemann Bräuer: Vorleser kommt aus dem Bundestag

Von Friedemann Bräuer : Vorleser kommt aus dem Bundestag

Ralf Kapschak (SPD) las 70 begeisterten Zweitklässlern in der Grundschule Börgersbruch vor.

Nieders„Wir möchten, dass die Kinder auch im Zeitalter der elektronischen Medien zum Lesen angeregt werden“, erklärt Ulrike Möller, Schulleiterin der Gemeinschaftsgrundschule Börgersbruch in Niedersprockhövel, die Teilnahme an der bundesweiten Vorleseaktion. Zu der wurden bisher meist Persönlichkeiten aus der lokalen Politik wie Bürgermeister Ulli Winkelmann und sein Vorgänger Klaus Walterscheid und der ehemalige Bundestagsabgeordnete Ralf Braucksiepe (CDU) in den Börgersbruch eingeladen. Und diese Woche saß mit Ralf Kapschak (SPD) erneut ein Bundestagsabgeordneter vor den rund 70 Kindern der zweiten Grundschulklasse, um ihnen aus zwei altersgerechten Büchern vorzulesen.

Bei der Frage, wer liest, gehen beinahe alle Finger nach oben

„Lesen hat eine Schlüsselfunktion und begleitet einen durch das gesamte Leben“, so Ulrike Möller, und diese Botschaft schien bei den Kindern schon angekommen zu sein, denn als Kapschak fragte, wer denn zuhause lesen würde, da gingen zur Freude der beiden Klassenlehrerinnen Stefanie Ludwig und Nicole Otter nahezu alle Finger hoch.

Und als der Politiker fragte, wer denn das Lied „Oh Tannenbaum“ kennen würde, da stimmten die Sieben- bis Achtjährigen das Lied gleich vielstimmig an.

Eine angenehme lockere Atmosphäre in der Bücherei der Grundschule Börgersbruch, wo die Kinder auf dem Flur ihre Schuhe in eine Reihe gestellt, den Raum auf Strümpfen betreten hatten und auf dem Boden sitzend zuhörten.

Eigentlich wollte Kapschak den „Räuber Hotzenplotz“ vorlesen, doch die Lehrerinnen überreichten ihm „Lisa und ihr Tannenbaum“ und „Siehst du einen goldenen Schimmer?“ Zwei Geschichten, denen die pfiffigen Kinder gebannt lauschten, ohne groß zu Ruhe und Disziplin ermahnt werden zu müssen.

Herzlicher Beifall der zahlreichen Kinderhände belohnte den Bundestagsabgeordneten, dem diese Aufgabe sichtlich Freude bereitete.

Eine kleine Unterhaltung mit den Kindern schloss sich an, bei der nach der Frage nach den zukünftigen Berufswünschen auch Erstaunliches herauskam. Denn viele, egal ob Mädchen oder Jungen, wollten Lehrer werden, eine auch Pilotin, viele Jungs am liebsten Fußballer und einer sogar Politiker. „Und was machen die Politiker so?“ lautete Kapschaks Frage. „Papierkram“, war die Antwort, die den jungen Mann offenbar zu seinem Berufswunsch animiert hatte.

Ralf Kapschak war nicht mit leeren Händen gekommen. Er hatte zwei Bände des „Räubers Hotzenplotz“ dabei, die gleich die Schulbibliothek vervollständigten.

„Da die Mädchen eher eine Beziehung zum Lesen haben als die Jungs, ist es mir sehr lieb, wenn Männer den Vorlesetag bestreiten“, meinte Schulleiterin Ulrike Möller. „Das hat dann für die Jungen eine Vorbildfunktion.“

Mit Ralf Kapschak schien auch der richtige Mann auf dem Stühlchen gesessen zu haben, denn als Evitana, Liana oder Lucas und Marlon gefragt wurden, wie es ihnen denn gefallen habe, da kam ein einstimmiges „guuut“ von den Kindern. Wobei die beiden Klassenkameraden Max und Moritz sicher auch gern die gleichnamige Geschichte von Wilhelm Busch gehört hätten. Aber, die kannten sie ja schon vom Vorlesen zuhause.