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Vom digitalen Suchen der Liebe

Literatur : Vom digitalen Suchen der Liebe

Autor Stefan Melneczuk schrieb sein erstes Sachbuch - das Thema: die Tücken des Online-Datings.

„MEL 1970: Schatz gesucht! Liebe finden im 21. Jahrhundert“ heißt das neue Buch von Stefan Melneczuk. Geschrieben hat er es aus seinen Erlebnissen auf Dating-Portalen heraus. Eine abenteuerliche, lange Reise war das. „Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen“ heißt es. Und erzählen kann Melneczuk. Das hat er in seinen Kurzgeschichten und Romanen immer wieder bewiesen. Dass er als Journalist auch noch gelernt hat, genau zu beobachten, Fragen zu stellen, den Dingen auf den Grund zu gehen, merkt man „Schatz gesucht“ ebenfalls an. Zum einen ist es ein Ratgeber für alle, die für ihre Schatzsuche im Internet-Dschungel eine Orientierungskarte gebrauchen können. Zum anderen ist es ein Reisebericht aus einer eigenen Welt. In der die unterschiedlichsten Menschen unterwegs sind. Es tue zwischendurch auch mal gut, einfach dazusitzen und Leute zu beobachten, wie im Straßencafé, schreibt Melneczuk.

Setzt man sich dazu, nimmt einen Schluck Kaffee, beobachtet mit, lässt sich erzählen, dann erfährt man auch einiges über Melneczuk selbst. „Schatz gesucht“ ist ein durchaus persönliches Buch. Ohne diesen Aspekt zu übertreiben. Wie er als Gruselautor dazu komme, ein Buch über die Suche nach Liebe zu schreiben, beantwortet er so: „Durch den Umstand, dass auch in meiner Brust ein Herz schlägt und dass ich bei Tageslicht nicht zu Staub zerfalle.“ Humor hat ihm auf seiner ernsten Suche geholfen. Und bei der Lektüre blitzt er immer wieder auf.

Manche verlieren jeden
Anstand vor dem Display

Eingegangen in das Buch sind Recherchen, die er auf den Plattformen angestellt hat. Sind die Erfahrungen anderer suchender Menschen, die natürlich im Buch anonym bleiben. Eingegangen sind die Reaktionen von Menschen auf Probelesungen von ersten Teilen des Buches. „Immer wieder konnte man hören: ,das habe ich auch erlebt‘“, sagt Melneczuk.

Das Buch ist in drei Teile geteilt: Liebe 4.0, Partnersuche online; Mission Doppelherz, Partnersuche offline; Landebahn in Sicht, Schatzsuche accomplished. Denn die Partnersuche im Netz ist ja nur Teil eines Ganzen. Auch wenn man dort auf Menschen treffe, die ihren Partner wie eine Küche auf der Seite eines Möbelmarktes konfigurieren wollen und anschließend mit einem Klick in den Warenkorb befördern. Oder jeden Anstand und Respekt, wenn überhaupt im richtigen Leben vorhanden, vor dem Bildschirm oder Display zurückgelassen hätten. Genauso wie diejenigen, denen im analogen Leben eine gewisse Lebensart zu eigen ist und denen man den Begriff  Netiquette  nicht erst buchstabieren muss. Man solle seinem Gegenüber mit dem Respekt begegnen, den man auch selbst erfahren wolle, meint Melneczuk.

Es helfe, sich vorher zu überlegen, was man wolle und was nicht. Und grundsätzlich in sich selbst zu ruhen. Dann könne man mit Rückschlägen oder gar Verletzendem besser klar kommen. Weiter geht’s. Einen langen Atem brauche es sowieso für die ernste Suche nach einem Schatz. Auch wenn man Trolle, Selbstdarsteller, schnelle Nummern und Co. erfolgreich ausblendet. Und Vorsicht: Die Online-Suche habe Suchtpotential. Es sei gut, sich immer wieder zu erden.

Basistipps wie etwa zu Nicknames, Fotoauswahl und Portraittext findet man genauso wie zum Agieren auf der Plattform. Dazu kommen grundsätzliche Überlegungen. „Definiert euch auf eurem Weg zu einer neuen Liebe niemals über das, was euch fehlt, sondern immer über das, was ihr im Leben gemeinsam erreichen wollt“, gibt Melneczuk seinen Lesern als Ratschlag mit auf den Weg. Bei ihm selbst hat der Weg übrigens zum Ziel geführt – Schatz gefunden.