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„Viele Hände — schnelles Ende“

„Viele Hände — schnelles Ende“

Der Nabu pflegt mit Freiwilligen die Kopfweiden am Sprockhöveler Bach. Ein gutes Dutzend Helfer war dabei.

Sprockhövel. Ein gutes Dutzend Freiwilliger hat sich am Samstagmorgen am Pennekamp versammelt, um gemeinsam mit Vertretern des Naturschutzbundes (Nabu) die Kopfweiden am Sprockhöveler Bach zu beschneiden. Ausgerüstet mit Gummistiefeln, Sägen und Heckenscheren trotzen sie dem nebligen Morgen, um der heimischen Tierwelt ihren Lebensraum zu erhalten.

Otto Große-Bley, Matthias Sprenger und Rüdiger Stock vom Naturschutzbund sind beim Anblick der Helferschar begeistert. „So viele sind wir selten. Manchmal finden sich nur drei, vier Leute ein. Heute sind auch einige Menschen hier, die wir noch nie gesehen haben.“ Das Eis ist schnell gebrochen. Das gemeinsame Ziel schweißt zusammen.

Matthias Sprenger erklärt den „Neulingen“ die Aufgabe: „Einmal im Jahr schneiden wir die Kopfweiden. Der Schnitt muss bis Ende Februar erfolgen, da dann die Brutzeit der Vögel beginnt“, erklärt der Fachmann. „Kopfweiden sind meist hohl und bieten so ideale Wohnhöhlen für den Steinkauz, der inzwischen sehr selten geworden ist, hier aber noch einen Lebensraum findet.“

Seit rund einem Jahr fördert die Untere Naturschutzbehörde gezielt den Erhalt und die Wiederherstellung des Lebensraumes für Steinkäuze.

Aber auch Rotkehlchen und Zaunkönig nisten in den Weiden. „Werden diese nicht regelmäßig gekappt, wird die Krone zu schwer und der Baum bricht auseinander“, so die Naturschützer. Besonders die jungen Bäume erfordern Pflege. „Der Stamm ist noch nicht stabil genug. Wenn ein Sturm in die Krone greift, fallen sie um“, erläutert Otto Große-Bley. Wenn die Auswüchse rund fünf Jahre alt sind, kommt die Säge zum Einsatz. Aus dem Schnitt werden dann neue Bäume gesetzt.

Matthias Sprenger

Mit dem nötigen Wissen gefüttert, werden die Helfer nun in Gruppen eingeteilt und mit Werkzeug ausgerüstet, ehe sie zur Tat schreiten. Zimperlich dürfen die Freiwilligen nicht sein. Rund um die Bäume ist alles matschig und nass. Die mitgebrachten Gummistiefel bewähren sich. Ebenso Handschuhe. Bei dem feuchten, kalten Wetter verleiden sonst schnell kalte Finger den Einsatz.

Gerhard Kötting kann das nicht passieren. Jedes Jahr reist er aus Hagen Haspe an, um beim Kopfweidenschnitt in Sprockhövel mitzuhelfen. Dick eingepackt in Schal, Mütze und Regenkleidung schreitet er zur Tat: „Die Arbeit der Naturschützer interessiert mich einfach.“

Ein alter Helferhase ist auch Axel Gosewisch aus Gevelsberg. Er ist inzwischen zum dritten Mal dabei. „Ich bin in der Nachbarstadt der Ortsbeauftragte des Nabu“, berichtet er. „Die Ortsvereine unterstützen sich regelmäßig bei der Arbeit.“ Bei der nächsten Aktion kann er auf die Hilfe der Sprockhöveler zählen.

Unter Zuhilfenahme von Säge, Ast- und Heckenschere fällt bei den Weiden Ast um Ast. Während die eine Gruppe den Baum bearbeitet, schleppt die andere die entfernten Äste zu einem Sammelplatz. Auch Anja Tschackert ist unermüdlich unterwegs. Die Sprockhövelerin bereut es nicht, den lauschigen Frühstückstisch gegen den Arbeitseinsatz getauscht zu haben: „Es regnet nicht, ich bin in der Natur, an der frischen Luft — alles gut“, findet sie.

Die Helferin kann der Aktion noch weitere positive Aspekte abringen: „Das ist ein Teil Sprockhövels, den ich bislang noch nicht kannte. Ganz nebenbei lernt man etwas über die Natur und man lernt neue Leute kennen.“ Und schon ist Anja Tschackert wieder auf dem Weg, um den Schnitt einzusammeln. „Viele Hände, schnelles Ende.“