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Videokonferenzen sind eine Hemmschwelle für die Schüler

Bildung : Videokonferenzen sind eine Hemmschwelle für die Schüler

Kitas und Schulen sind teilweise wieder geöffnet – Digitalunterricht bereitet Probleme.

Sprockhövel. Nach zehn Wochen haben am 22. Februar die Kitas und Schulen wieder geöffnet – aber nicht komplett. Zum Schutz vor Covid-19-Infektionen müssen die Einrichtungen weiterhin Maßnahmen treffen. „Die Kitas befinden sich seit zwei Wochen im eingeschränkten Regelbetrieb“, sagt Evelyn Müller, Dezernentin für Soziales, Integration, Jugend, Familie und Schule bei der Stadt Sprockhövel. Das bedeutet, die Kindertagesstätten sind grundsätzlich geöffnet und die Kinder sind eingeladen zu kommen. „Um den Infektionsschutz zu gewährleisten, werden die Kinder nur in festen Gruppen betreut“, sagt Müller. Damit das personell klappt, wurden die Betreuungsverträge um jeweils zehn Stunden gekürzt. Das bedeutet, Kinder mit einem 45-Stunden-Vertrag werden 35 Stunden betreut, die mit einem 35-Stunden-Vertrag nur noch 25 Stunden. „Die Auslastung liegt bei 80 bis 100 Prozent“, sagt Müller. Fast alle Kinder seien wieder in der Kita.

„Eigentlich hat sich nicht viel geändert“, sagt Ulrike Kügler-Kümpel, Leiterin der städtischen Natur-Kindertageseinrichtung Schee. In der Zeit, in der Eltern gebeten wurden, ihre Kinder zuhause zu betreuen, seien selten weniger als 50 Kinder in der Einrichtung gewesen. Jetzt sind 84 bis 90 von 113 Kindern anwesend. „Der eingeschränkte Regelbetrieb wird vorerst bis Ostern weitergeführt“, sagt Kügler-Kümpel. Für die Eltern bedeutet das konkret eine Stunde weniger Betreuungszeit, weil die Kita früher schließt. „Die Eltern können das aber an die Arbeitszeiten anpassen“, sagt die Kitaleiterin. Die Kürzung der Betreuungsstunden sei sinnvoll, weil die Kollegen ab dem 8. März Impftermine wahrnehmen können und aufgrund der Termine ausfallen.

Die Schulen bleiben hingegen noch für viele Kinder geschlossen. „Nur die Grund- und Förderschüler sowie die Abschlussklassen dürfen wechselweise kommen“, sagt Evelyn Müller. Die Gemeinschaftsgrundschule Gennebreck hat mit den Elternvertretern abgestimmt, dass die Schüler immer nach zwei Tagen vom Präsenz- in den Distanzunterricht wechseln, der Freitag wird wochenweise gewechselt. „Innerhalb von 14 Tagen haben die Schüler fünf Präsenztage“, sagt Schulleiterin Melanie Kastner. Allerdings werde die Schule das Modell verändern, da die Eltern doch lieber einen tageweisen Wechsel wünschen. „Das ist aus Lehrersicht besser, da man die Kinder dann besser begleiten kann“, so Kastner.

Lernschwächen werden im
Präsenzunterricht besser erkannt

Insgesamt sei ein Vorteil, dass die Kinder wieder in den Klassenräumen sitzen würden. „Man bekommt die Stimmungen mit, kann bei Lernschwächen und – stärken helfen und handeln“, sagt Kastner. Die Hemmschwelle in den Videokonferenzen sei für die Kinder größer, auch wenn es neben dem virtuellen Angebot täglich vier Stunden Sprechzeiten gab. „Die individuelle Förderung ist einfacher zu händeln“, sagt die Schulleiterin, die den totalen Lockdown zum Gesundheitsschutz unterstützt. „Aus pädagogischer Sicht bin ich froh, dass die Kinder wieder in der Schule sind.“ 

Dem stimmt Benedikt Heufken zu. Dem Schulleiter der Gemeinschaftsgrundschule Haßlinghausen ist wichtig, dass ein enger Draht zu den Kindern besteht. „Viele haben in der Grundschule ein Zuhause, das ihnen gefehlt hat“, sagt er. Die Schüler einer Klasse besuchen in zwei Gruppen geteilt jeweils Montag und Mittwoch sowie Dienstag und Donnerstag den Unterricht. Freitag wird wöchentlich gewechselt. Die Tage im Distanzunterricht arbeiten die Kinder zuhause, aber „nicht viel“. „Die Eltern sind schon sehr belastet und die Kinder waren zwei Monate sehr frei in der Gestaltung der Tage.“

An der Mathilde-Anneke-Schule sind die Abschlussklassen so klein, dass alle Schüler jeden Tag kommen können. „Das ist ein großes Glück“, sagt Christiane Albrecht, Schulleiterin der Gemeinschaftshauptschule Niedersprockhövel.