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Sprockhövel: Unternehmer baut Filter, die gegen Viren schützen sollen

Sprockhövel : Unternehmer baut Filter, die gegen Viren schützen sollen

Thomas Wegemann wollte die Luft in seiner Firma verbessern. Die Maschine soll auch Coronaviren abhalten.

Ein Luftfiltergerät, das auch Coronaviren filtern soll – mit dieser Entwicklung ist der Sprockhöveler Maschinenbauingenieur Thomas Wegemann gerade an den Markt gegangen. Das eigentlich für industrielle Zwecke entwickelte Gerät tauge nicht nur dazu, Staub und Rauch aus der Raumluft zu filtern, sondern halte neben Pollen und Gerüchen auch Bakterien und Viren zurück, sagt der 50-Jährige.

„Metallstaub in der Luft ist in vielen Industriebetrieben immer noch weit verbreitet“, sagt Wegemann, der neben der die Geräte vertreibenden Firma Trustfilter auch das Maschinen- und Sonderbauunternehmen AKS an der Straße Am Rennebaum betreibt. Vor eineinhalb Jahren habe er mit der Entwicklung eines eigenen Luftfilters begonnen. „Ich wollte etwas für die eigenen Mitarbeiter tun“, sagt Wegemann. Zu diesem Zeitpunkt habe es zwar bereits viele Geräte auf dem Markt gegeben, aber keines, das seinen Ansprüchen genügt habe. Zusammen mit einem namhaften deutschen Hersteller sogenannter hochwirksamer Hepa (High Efficiency Particulate Air)-Filter habe er einen Prototypen entwickelt und diesen zunächst im eigenen Betrieb getestet.

Die Mitarbeiter mussten
erst überzeugt werden

Seine rund 20 Mitarbeiter seien zunächst skeptisch gewesen, ob das Luftfiltergerät auch wirkt. „Das Problem ist, dass Sie nicht sehen können, wie gut es funktioniert“, sagt Wegemann. Doch der Rückgang von Staub- und Rauchpartikeln sei eindeutig messbar gewesen. Nach einiger Zeit seien dann auch die Mitarbeiter überzeugt gewesen. „Sie haben gemerkt, dass die Luft auf Dauer besser ist“, sagt Wegemann.

Neben dem großen Luftfiltergerät für die Industrie hat er noch zwei weitere Versionen entwickelt: Ein kleineres, rollbares Gerät für normale Innenräume, das neben Pollen und Gerüchen auch Bakterien und Viren filtere, und eines für Renovierungsarbeiten in geschlossenen Räumen. Das Innenraumgerät mit Kompakt-, Aktivkohle- und Hepa-Filter sei in der aktuellen Corona-Pandemie gut geeignet, um sicher zu gehen, dass die Luft in Räumen weitgehend virenfrei sei. Sein Einsatz mache allerdings nur in Räumen Sinn, in denen nicht schon mechanische Belüftungssysteme aktiv seien. Wegemann hat schon bei Ärzten und Krankenhäusern angefragt, ob Bedarf bestehe. Außerdem liefen Anfragen an Banken, die die Geräte in ihren Filialen aufstellen könnten.

Eine vollständige Sicherheit, Viren aus der Luft filtern zu können, könne auch sein Gerät mit eingebautem Hepa-Filter nicht liefern, sagt Wegemann. „Es bleibt immer ein Restrisiko, aber die Geräte bieten eine hohe Chance, viele Viren aus der Luft zu filtern.“

Die besten Filter halten 99 Prozent der Partikel zurück

Tatsächlich hänge die Wirksamkeit von Hepa-Filtern von ihrer Effizienzklasse ab, sagt Eberhard Schmidt, Professor für Sicherheitstechnik und Umweltschutz an der Bergischen Universität Wuppertal. „Die effizientesten Filter halten über 99 Prozent der Partikel zurück“, so Schmidt. Damit seien sie auch gegen Viren wirksam. Genau auf diesen Effizienzgrad setze er auch bei seinen Geräten, sagt Thomas Wegemann.

Das Luftfiltergerät sei seit Anfang März auf dem Markt. Die Corona-Pandemie hemme allerdings die Vermarktung. „Eigentlich würde ich jetzt gerne Firmen besuchen, ihnen das Gerät vorstellen und sie es testen lassen“, sagt Wegemann. Doch aufgrund der Besuchsverbote in vielen Unternehmen sei das zurzeit nicht möglich. Und Ärzte und Krankenkasse seien natürlich auch kaum erreichbar.

Um den Einstieg zu erleichtern, prüfe er derzeit Möglichkeiten, die bereits verfügbaren Luftfiltergeräte erst einmal gegen Mietgebühren zu verleihen. Zudem bereite er die Herstellung weiterer Geräte vor. Dazu müsse er aber erst einmal die Zuverlässigkeit der Lieferketten prüfen. Während die Hepa-Filter von einer deutschen Firma stammten, komme die Elektronik zum Beispiel aus Großbritannien.