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Corona-Hilfe: Ungewöhnliche Hilfe in der Krise

Corona-Hilfe : Ungewöhnliche Hilfe in der Krise

Die Brennerei Habbel stellt einen Teil der Produktion auf Ethanol um – für Desinfektionsmittel.

Die Brennerei Habbel aus Sprockhövel ist bekannt für ihre hochprozentigen Spirituosen. Seit gut 130 Jahren stellt das Familienunternehmen Korn, Obstbrände, Gin und Whisky her. In der Corona-Krise stellt sich die Brennerei aber auch in den Dienst der Medizin. „Wir haben unsere Whisky-Produktion in der vergangenen Woche eingestellt. Jetzt stellen wir Ethanol her, dass zur Herstellung von Desinfektionsmitteln benötigt wird“, sagt Michaela Habbel, Geschäftsführerin der Habbel’s Destillerie & Brennerei. Die Produktion der Obstbrände und des Gins laufe neben der Herstellung von Ethanol weiter.

Möglich ist die Ethanolherstellung, weil Habbel eine der wenigen Brennereien ist, die selbst maischen können. Das heißt, Getreide wird mit Wasser und Hefe vergoren und destilliert. Das Getreide kommt aus der Region. „Wir sind froh, dass wir selbst maischen können“, sagt Habbel. Im Westen Deutschlands sei die Brennereidichte nicht so hoch wie zum Beispiel in Süddeutschland.

„Der Alkohol muss neutral und hochprozentig sein, um ihn an Apotheken verkaufen zu können“, sagt Habbel. Die Apotheken dürften angesichts des Mangels selbst Desinfektionsmittel herstellen. „Ich bin froh, dass ich produzieren kann und dabei noch helfen kann“, sagt Michaela Habbel. Am Mittwoch hat sie 100 Liter Ethanol an die Stern Apotheke in Schwelm abgegeben, die daraus Desinfektionsmittel gemacht hat und an das Rote Kreuz gespendet hat. Die Bären Apotheke aus Haßlinghausen hat die gleiche Menge bekommen.

„Wir haben eine gemeinsame Aktion gemacht“, sagt Ann Katrin Hölkeskamp, Inhaberin der Bären und Panda Apotheke in Sprockhövel. Die aus Ethanol und weiteren Zusatzstoffen gefertigten Desinfektionsmittel wurden an das Pflegeheim Haus am Quell, Altenheime und einen palliativen Pflegedienst gespendet. „Wenn man sich unterstützen kann, sollte man das machen“, sagt Hölkeskamp. Sie findet es unethisch, aus dem Leid anderer Profit zuschlagen und horrende Summen auf Produkte wie Desinfektionsmittel, Mundschutze und Handschuhe aufzuschlagen. „Es wäre das Allerletzte, daraus Profit zu schlagen“, so Hölkeskamp.

Desinfektionsmittel kommt dort an, wo es gebraucht wird

Der Brennerei Habbel ist wichtig, dass der Neutralalkohol dort ankommt, wo er gebraucht wird. „Wir haben mehr als 1000 Liter Ethanol an weit über 40 Apotheken verteilt“, sagt die Geschäftsführerin. Das Unternehmen habe Verantwortung und wolle die Abgabe deshalb breit fächern. „Es gibt ja immer schwarze Schafe, die versuchen, die Preise zu treiben“, sagt Habbel. Deshalb gebe die Brennerei das Ethanol an viele verschiedene Apotheken ab. „Wir fühlen uns besser damit.“

Der Erlass der Generalzolldirektion, dass Brennereien Ethanol für Desinfektionsmittel herstellen dürfen, gilt noch bis Ende Mai. „Ich gehe aber davon aus, dass es eine Verlängerung gibt“, sagt Michaela Habbel.

Zugleich weist Habbel darauf hin, dass es ja trotz allem schöne Sachen gebe, wie Geburtstage oder die Geburt eines Kindes. Auch die Brennerei hat in diesen Tagen etwas zu feiern. Aktuell wurde der Whisky „Hillock 9 Jahre Single Malt Bergbau Edition“ mit dem Titel „Spirit of the year“ und „Doublegold“ beim World Spirits Award 2020 ausgezeichnet. Nach Angaben von Michaela Habbel ist das die höchstmögliche Auszeichnung. „Das Leben ist eingeschränkt, aber es geht weiter“, sagt Michaela Habbel, die wenig davon hält, Toilettenpapier zu bunkern. Für schlechte Zeiten hat sie zwei Flaschen Rotwein im Keller liegen.