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Ulli Winkelmann blickt auf Amtszeit mit vielen Herausforderungen zurück

Politik : Ulli Winkelmann blickt auf Amtszeit mit vielen Herausforderungen zurück

Im November gibt Sprockhövels Bürgermeister in die Hände seiner Nachfolgerin. Eine große Abschiedsfeier bleibt ihm wohl verwehrt.

Seit dem 13. September steht fest, dass ab November mit Sabine Noll erstmals eine Frau das Zepter im Sprockhöveler Rathaus übernimmt. Bis dahin führt Ulli Winkelmann als Bürgermeister die Amtsgeschäfte weiter. In seine sechsjährige Amtszeit fielen die wohl größten Herausforderungen in der Geschichte Sprockhövels. Während er bei seinem Dienstantritt im Jahr 2015 die Flüchtlingskrise als eine seiner ersten Aufgaben bewältigen musste, wurde das Jahr 2020 und damit das Ende seiner Amtszeit von der Corona-Pandemie überschattet.

Winkelmann, von dem manch ein Verwaltungsmitarbeiter sagt, dass es ein Glücksfall für Sprockhövel gewesen sei, dass er sein Amt angetreten hat, konnte während seiner Amtszeit vor allem auf sein Netzwerk aus seiner Sportlerzeit und seinem ehemaligen Beruf als Sozialpädagogen zurückgreifen. Ruhig und besonnen habe er auch in brenzligen Situationen reagiert. Als Beispiel wird gerne eine Planungsrunde angeführt, in der gerade über die Unterbringung von Flüchtlingen diskutiert wurde, als Schulkoch Martin Wiecek anrief, um mitzuteilen, dass bereits zwei Busse mit Asylbewerbern in der Stadt angekommen seien. Winkelmann habe schnell seine Kontakte hinzugezogen, versucht, die gesamte Stadt bei der Integration der Neubürger einzubeziehen. Winkelmann erinnert sich an die Situation: „Es war sicher keine einfache Entscheidung, eine Sportstätte für die Unterbringung der Geflüchteten zu nutzen. Das zeigt aber auch, wie solidarisch wir Sprockhöveler sind und wozu wir fähig sind, wenn wir zusammenhalten.“ Besonders für die Sportler hätte die vorübergehende Belegung der Sporthalle Haßlinghausen Einschränkungen bedeutet.

Danke zu sagen, gehörte für Ulli Winkelmann nicht nur deshalb zu den wichtigen Aufgaben seines Amtes. Gerne hielt er auf manchem Dienstweg einfach mal am Bauhof an, um sich für die gute Arbeit der Mitarbeiter zu bedanken. Das gehörte für den Stadtchef ebenso zur Normalität wie eine Prise Humor und sich selbst nicht ganz so ernst und wichtig zu nehmen.

Die 50-Jahr-Feier hätte Winkelmann gerne miterlebt

Auf eine Idee von Winkelmann geht auch der Verein „Ennepe.Zukunft.Ruhr.“ zurück. Der erste Bürger der Stadt konnte hier seine Kollegen aus dem Ennepe-Ruhr-Kreis dafür begeistern, den Verein zu gründen. Er war ein wichtiger Grundstein für die Förderung der Region und der damit verbundenen Förderprojekte zur Stärkung des ländlichen Raumes. Nicht nur das Filmprojekt über Sprockhövel, sondern auch die Blumenampeln und ein Teil des Skaterparks konnten so zum Beispiel aus dem Fördertopf „Vital.NRW“ finanziert werden. „Da bin ich schon etwas stolz drauf, dass Idee und Gründung des Vereins auf eine Sprockhöveler Initiative zurückgehen.“

Nicht nur beruflich, sondern auch privat musste der heute 63-Jährige wohl seine größte Herausforderung meistern. Durch einen Schlaganfall veränderte sich das ganze Leben des ehemaligen Triathleten von jetzt auf gleich. Nicht wenige Sprockhöveler hatten damals befürchtet, dass Winkelmann wohl nicht mehr in sein Amt zurückkehren würde. „Das schwierigste war zu akzeptieren, dass man sich an ein anderes Leben gewöhnen muss. Das schafft man nur mit der Unterstützung von Familie und echten Freunden“, erklärt Sprockhövels scheidender Bürgermeister rückblickend. Dankbar sei er auch den Verwaltungsmitarbeitern. Die Frage, ob er sich in bestimmten Zeiten nicht zu sehr habe zurückdrängeln lassen, verneint er. „Ich musste ja akzeptieren, dass sich einiges ändern muss. Auch hier gehört es dazu, dass man sich auf seine Mitarbeiter verlassen kann und muss.“

Eine Sache hätte er vor seinem Abschied als Bürgermeister aber doch noch gerne in Sprockhövel erlebt: die Feier zum 50-jährigen Bestehen der Stadt. Und auch die Abschiedsfeier „von meiner Verwaltung“, wie Winkelmann sagt, wird wohl nicht so ausfallen, wie geplant Die Amtsgeschäfte sieht er bei seiner Nachfolgerin Sabine Noll in guten Händen. Er selbst werde sich neuen Aufgaben widmen, die Geschehnisse in Sprockhövel in Zukunft mit etwas mehr Gelassenheit verfolgen.