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Sturmfolgen: Warten auf den Holztransport

Sturmfolgen: Warten auf den Holztransport

In den Wäldern hat das große Aufräumen noch nicht begonnen. Die Fachunternehmen orientieren sich erst.

Sprockhövel. Wohin mit dem vielen Holz und vor allem wie? Das sind die großen Fragen, die auch zwei Wochen nach Orkan Kyrill die Waldbesitzer beschäftigen. "Bisher sind wir noch notfallmäßig unterwegs, um zumindest die Hauptwege freizuräumen. Die richtige Maschinerie läuft erst an", berichtet Revierförster Johannes Kuhlmann, der den größten Teil der Sprockhöveler Waldbesitzer betreut, die in der Forstbetriebsgemeinschaft Hattingen/Sprockhövel zusammengeschlossen sind.

Wer eine Winde und einen Schlepper besitzt, hat schon zur Selbsthilfe gegriffen und wie Erhard Dölger - Betreiber des Reiterhofes auf der Gethe - wertvolles Sturmholz zum Abtransport aus dem Bestand gezogen. In langen Reihen liegen Auf der Gethe derzeit zersägte dicke Buchenstämme, die Kyrill entwurzelt oder abgeknickt hat. In dem rund zwei Hektar großen etwa 150 Jahre alten Buchenbestand, der dem Reitverein gehört, sind riesige Lichtungen entstanden.

Dabei darf der Verein noch hoffen, bald einen Abnehmer zu finden, der einen anständigen Preis zahlt. "Im Vertrag, den wir mit einem Aufkäufer geschlossen haben, ist noch Luft, Buche wird derzeit gesucht", sagt Johannes Kuhlmann. Bei Fichten, die im Sauerland gleich hektarweise umgefallen sind, sähe die Sache bereits anders aus.

Dass hauptsächlich die Fichte, die im hiesigen Raum seltener vorkommt und ein Flachwurzler ist, von Kyrill betroffen ist, kann Kuhlmann nicht bestätigen. Bei diesen Windgeschwindigkeiten hielte kaum ein Baum stand, da käme es vielmehr auf die Lage an. Exponierte Nordhänge seien am meisten betroffen, die Baumart spiele eine geringere Rolle.

In den Beständen selbst sieht es fast überall so aus wie vor zwei Wochen. Das große Aufräumen hat noch nicht begonnen. "Ich habe viele Adressen von Fachunternehmen, aber die schauen sich erst einmal an, wo es sich für sie am meisten lohnt", so Kuhlmann. Die Logistik, da ist er ganz sicher, werde auch in den kommenden Monaten das Hauptproblem sein.

Sein Hattinger Revierförsterkollege Thomas Jansen versucht derzeit, einen Holzlagerplatz in Hattingen zu finden, auf dem die Stämme auch bewässert werden können, damit das Holz nicht vergammelt. In der Forstbetriebsgemeinschaft wurde der Gedanke begeistert aufgenommen. Die Sorge, das Kapital von Jahrzehnten verloren zu haben, ist riesig.

Inzwischen schätzt Johannes Kuhlmann, dass allein in seinem Revier, das Privatwälder in Wetter, Gevelsberg und Sprockhövel umfasst, 20 000 Kubikmeter Sturmholz angefallen sind - die dreifache Menge von dem, was sonst in einem Jahr geschlagen würde.

Dass jeder, der momentan einen Ackerschlepper und eine Winde hat oder sich das bei befreundeten Bauern leihen kann, unterwegs ist, kann Kuhlmann verstehen. Er warnt aber vor Aktionismus - schon allein aus Sicherheitsgründen. "Beim Aufräumen nach Sturm Lothar im Jahr 1999 sind 20 Menschen ums Leben gekommen, und Kyrill hat größere Schäden angerichtet."