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Streit ums Freibad geht weiter

Streit ums Freibad geht weiter

ZGS-Leiter Ralph Holtze wehrt sich gegen Angriffe von Grünen und Förderverein.

Sprockhövel. Von Unfähigkeit war die Rede, aber auch von Unverschämtheit. Im Betriebsausschuss schlugen am Montag die Emotionen hohe Wellen. Ausgangspunkt war die knapp gefasste Pressemitteilung der Stadt, in der der Leiter der Zentralen Gebäudebewirtschaftung (ZGS), Ralph Holtze, mitgeteilt hatte, dass das Freibad wegen des Ausfalls einer Fachkraft mit verkürzten Öffnungszeiten in die Saison 2013 starten muss (die WZ berichtete).

Die Grünen hatten darauf Form und Inhalt kritisiert und öffentlich schnelle Abhilfe gefordert. Außerdem beantragten sie, das Thema kurzfristig auf die Tagesordnung des Betriebsausschusses zu nehmen, weil die Pressemitteilung deutlich mache „dass die Stadtverwaltung nicht in der Lage ist, einen ordentlichen Betrieb des Freibades sicherzustellen“.

In deutlichen Worten wies Ralph Holtze den Vorwurf zurück. „Wir können es“, nahm er auch seine Mitarbeiter in Schutz. „Sie haben beschlossen, wie es beim Freibad laufen soll. Ich kann nur mit den Ressourcen arbeiten, die ich habe“, gab er den Ball an die Politiker zurück. Die Forderung nach einem dritten Schwimmmeister sei ein Wunschdenken von Wenigen. „Aber wenn es politisch gewollt ist, machen wir das gerne“. Ohnehin suche man ganzjährig nach Kräften, die aushelfen können.

Den Vorwurf der Unfähigkeit bezeichnete er als „Unverschämtheit“, nachdem Grünen-Ratsherr Franz Gottschalk noch einmal bekräftigt hatte, er habe den Vorwurf absichtlich so formuliert.

Kein Verständnis mochte der ZGS-Leiter zudem für eine Unterschriftenaktion des Fördervereins am Wochenende nach der Eröffnung aufbringen. Der Verein hatte dabei gefordert, das Bad trotz des Fehlens des Schwimmmeisters länger zu öffnen. Der Verein sei sogar noch einmal bei der Eröffnung über das Problem mit dem ausgefallenen Mitarbeiter informiert worden und habe der Lösung über die Öffnungszeiten zugestimmt, sagte Holtze und wies zudem darauf hin, dass erst am 22. April, also gut eine Woche vor Saisonbeginn, die entsprechende Krankmeldung vorgelegt worden sei.

Bei der Frage der Finanzierung einer besseren Situation müsse man darüber nachdenken, ob man die Mehrkosten allen Bürgern, beispielsweise über eine Erhöhung der Grundsteuer B, oder nur den etwa 3500 tatsächlichen Nutzern des Bades über die Eintrittspreise auflasten wolle.

Unterstützung erhielt Holtze von Seiten der SPD. Die hatte bereits im Vorfeld darauf hingewiesen, dass die Politik die ZGS zu Einsparungen von jährlich 35 000 Euro verpflichtet habe und erklärt, sie stehe hinter den Maßnahmen der ZGS-Leitung. Der Ausschussvorsitzende Werner Sauerwein (SPD) bezifferte die Mehrkosten für die Einstellung von weiterem Personal (siehe Kasten) auf 70 000 Euro und betonte, diese Mehrkosten müssten an anderer Stelle in der Stadt eingespart werden.

Rainer Becker (CDU) versuchte, die Situation mit einem konstruktiven Vorschlag aufzulösen. Ein fehlender Schwimmmeister müsse ersetzt werden, um gesetzliche Auflagen zu erfüllen, betonte er und regte an, einen „normalen“ Mitarbeiter der Stadtverwaltung nebenbei so weit zu schulen, dass er kurzfristig einspringen könne. Mit einem einstimmig beschlossenen Prüfauftrag an die Verwaltung unterstützte der Ausschuss diese Idee.

Erwin Peddinghaus (FDP) relativierte die Kritik mit dem Hinweis, es seien nur wenige, die öffentlich Stimmung machten und diese stellten nicht die Mehrheit im Förderverein dar.