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Sprockhövels DRK hat jetzt auch Retter auf vier Pfoten

Sprockhövels DRK hat jetzt auch Retter auf vier Pfoten

Die Ortsgruppe hat eine Hundestaffel gegründet. Die Ausbildung für die Vierbeiner dauert etwa zwei Jahre.

Sprockhövel. Die Ortsgruppe des Deutschen Rotes Kreuzes (DRK) hat ihre Leistungspalette erweitert und verfügt jetzt über eine Rettungshundestaffel. 2016 hatten sich einige Hundeführer dazu zusammengefunden, Ende des vergangenen Jahres kam die offizielle Anerkennung des Verbandes. Das Arbeitsgebiet der Staffel ist die Flächensuche. Staffelleiter André Engelbert: „Die Suche kann einem dementen Menschen gelten, der verschwunden ist. Oder einem Kind, das weggelaufen ist. Menschen, die eine suizidale Absicht geäußert haben oder Abgängen aus der Psychiatrie. In der Regel fordert der Landesverband eine Staffel an.“ Das Einsatzgebiet der Sprockhöveler umfasst im Wesentlichen den EN-Kreis. Bei Bedarf kommen aber auch überregionale Einsätze in Frage, wenn mehrere Staffeln zusammengezogen werden müssen. Privatpersonen oder etwa Altersheime können sich auch direkt an die Staffel wenden. Ihnen entstehen durch den Einsatz der ehrenamtlichen Hundeführer des DRK keine Kosten.

Die Ausbildung liegt in den Händen von Moslyne Widdra. „Die Hunde tragen bei der Suche eine Kenndecke und eine Glocke. Oft kann ich den frei suchenden Hund im dichten Bewuchs nicht sehen. Mit Hilfe der Glocke weiß ich, wo er ist.“ Wenn der Hund eine Person gefunden hat, darf er sie nicht berühren. Er gibt Laut und ruft seinen menschlichen Teamkollegen heran. Gegebenenfalls wird dann erste Hilfe geleistet. Und erst dann gibt es die Belohnung für den Hund. Meist ist das ein tolles Spiel mit seinem Lieblingsspielzeug.

Moslyne Widdra, Ausbilderin

Welche Hunde kommen infrage? „Im Prinzip alle Rassen oder Mischlinge, die nicht zu groß oder zu klein sind“, sagt Widdra. „Wichtig ist gutes Sozialverhalten mit Mensch und Tier. Die Hunde müssen auch in Stresssituationen freundlich und gelassen bleiben.“ Dazu lernen sie durch Erfahrung. Die Ausbildung zum Rettungshund dauere im Schnitt etwa zwei Jahre. „Aber schon beim Welpen kann man den Grund legen. Man zeigt ihm verschiedene Untergründe, er lernt, im Anhänger mitzufahren, lernt den Trubel kennen, wenn die großen Hunde üben. Und man kann ihm schon spielerisch beibringen, seine Nase einzusetzen. Er erfährt, dass Lernen Spaß macht. Und wächst so mit rein.“

Auch für die Hundeführer gibt es eine Menge zu lernen. Einsatzplanung, Orientierung im Gelände, Funk, Erste Hilfe an Mensch und Tier stehen auf dem Lehrplan. Ist das Mensch-Hund-Team dann zur Prüfung bereit, werden vier Teilbereiche abgefragt: eine theoretische Prüfung für den Hundeführer; der Hund muss beweisen, dass er einen Gefundenen korrekt verweist; ein Gehorsamstest, der einer Begleithundeprüfung ähnelt, aber anspruchsvoller ist; dann müssen auf einer dicht bewachsenen Fläche von 30 000 Quadratmetern in 20 Minuten zwei versteckte „Opfer“ gefunden werden. Am Ende sind Mensch und Hund für 18 Monate ein geprüftes Rettungshunde-Team. Danach muss die Prüfung erneut abgelegt werden.

Moslyne Widdra ist seit zehn Jahren im Rettungshundewesen aktiv. Angefangen hat sie mit dem Jagdterrier-Mix Oskar. Der ist jetzt im Ruhestand, in seine Pfotenstapfen tritt Boxer Linus. „Wichtig ist, dass alles für die Hunde mit Spaß passiert. Das heißt aber nicht, dass wir die Arbeit machen, um die Hunde zu bespaßen oder irgendwie auszulasten. Wer das will, sollte eine der vielen Hundesportarten betreiben.“ Auch Rettungshundearbeit gibt es als Sport. Hier aber ist das ernst. Die Ehrenamtler und ihre Hunde müssen auch nachts bei Wind und Wetter bereit sein, an ihre Grenzen zu gehen. Ihr Einsatz kann Leben retten. Und manchmal kommen sie zu spät. Auch damit müssen sie lernen umzugehen.