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Sprockhöveler zieht es angesichts von Corona in den Wald

Umwelt : Corona: Sprockhöveler zieht es in den Wald

Der zuständige Förster sieht kein Müllproblem, bittet aber um mehr Rücksicht, wenn es darum geht, den eigenen Abfall auch zu entsorgen.

Im Zuge der Corona-Beschränkungen im Alltag scheinen wieder mehr Sprockhöveler den Wald für sich zu entdecken. Damit verbunden scheint ein erhöhtes Müllaufkommen zu sein. „Natürlich bekommt man schnell das Gefühl, dass die Wälder jetzt besonders vermüllt wären“, sagt Thomas Jansen, zuständiger Leiter des Forstbetriebbezirks Sprockhövel und Hattingen. Allerdings beteuert der 47-Jährige, dass man die Situation nicht alleine auf die Corona-Pandemie zurückführen könnte.

„Zumindest kann ich das nicht“, sagt der Förster und widerspricht damit den Meinungen von Passanten am Waldeingang an der Otto-Brenner-Straße. „Eigentlich müsste hier mal das Ordnungsamt vorbeikommen und richtig Bußgelder verhängen“, sagt ein Besucher, der nicht mit Namen in der Zeitung stehen will. „Man fragt sich, wie es bei den Leuten zu Hause aussieht.“

Förster setzt auf Aufklärung
statt auf Bußgeldverfahren

Thomas Jansen indes sagt, dass das gute Wetter in den vergangenen Tagen zu mehr Besuchern in den Wald- und Parkanlagen geführt habe. „Das bedeutet leider oft auch, dass mehr Müll liegen gelassen wird.“ Dabei müsse niemand mehr Müll mit nach Hause nehmen als er selbst mitgebracht hat. Trotzdem betont Jansen, dass es derzeit nicht übermäßig viel Müll gebe. Er sieht aber wohl, dass sich die Verteilung der Gruppen geändert hat. „Manchmal frage ich mich schon, wie sehr sich die Familien in der Gesellschaft doch vergrößert haben müssen“, sagt der Naturexperte mit einem Augenzwinkern. Seiner Ansicht nach seien größere Gruppen im Freien aber nicht so ein großes Problem wie im Super- oder Baumarkt.

„Natürlich ist es wichtig, dass die Menschen Rücksicht aufeinander nehmen und sich an die Abstandsregeln halten. Allerdings kann man im Wald auch ausweichen, wenn einem jemand entgegen kommt.“ Jansen findet es daher auch nicht schlimm, dass das Ordnungsamt seinen Kontrollschwerpunkt offenbar auf andere Standorte als den Wald legt. „Eine Kontrolle des Waldgebiets wäre in der personellen Situation der Amtskollegen ja fast eine Luxusmaßnahme“, sagt der Sprockhöveler.

Der Forstbetriebsleiter selbst hält sich mit dem Ausstellen von Bußgeldbescheiden auch zurück. „In der Regel ziehe ich es vor, den Menschen ihr Fehlverhalten vor Augen zu führen, statt Tickets zu verteilen“, sagt Jansen. Im Falle des Falles sei er aber berechtigt, ein Bußgeldverfahren einzuleiten.

Ein nicht immer einfaches Verfahren bei uneinsichtigen „Chaoten“, schließlich sind die Forstbeamten anders als die Mitarbeiter des Ordnungsamtes meist alleine in ihren Bezirken unterwegs.