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Sprockhöveler Weihnachtsmarkt setzt auf Nachhaltigkeit

Advent : Weihnachtsmarkt setzt auf Nachhaltigkeit

Agenda-Initiative bietet Selbstgemachtes und Lokales. Jugendgruppe hat sich angeschlossen.

Seit 20 Jahren lädt die Zukunftsschmiede Gevelsberg auf den Bauernhof Jacobi in Haßlinghausen am Landringhauser Weg zum Agenda-Weihnachtsmarkt ein und bietet da – fern von industriellen Fertigungen – Bastelarbeiten, Originelles, Gehäkeltes und Gestricktes für den heimischen Gabentisch an. Alles präsentiert in einer riesigen Scheune, umgeben von Strohballen und Kerzenschein.

Nachhaltig, das ist der Oberbegriff, unter dem alles steht. Und das gilt sogar für Artikel wie Kugelschreiber. „Die habe ich selbst gebastelt“, verrät Sabine Kolk an ihrem Kreativstand und zeigt auf die Schreibwerkzeuge, formschön und farbig gestaltet, für die sie gleich eine Ersatzmine mitliefert. Gleichfalls im Angebot, von ihrer Partnerin Katrin Ehrke gefärbte Wolle für Strickjacken, für die die Knöpfe selbst hergestellt worden sind.

Eine gibt Garantie, andere zeigen, wie man Bücher anders nutzt

Nachhaltig, ein Merkmal, das bei den Produkten von Doris Sieber eine völlig neue Bedeutung erfährt. „Für meine Socken gebe ich eine Garantie von zehn Jahren“, erklärt die Seniorin, deren Fußwärmer aus Schafswolle gestrickt worden sind. Und um die Nachhaltigkeit der von ihr angefertigten Strickwaren zu demonstrieren, zeigt sie auf eine Kundin, die bei Temperaturen im niedrigen einstelligen Bereich eine lilafarbene Pudelmütze über die Ohren gezogen hat. „Die hat sie vor Jahren bei mir gekauft“, stellt sie mit zufriedenem Kennerblick fest.

„Viele von unseren Besuchern sind Stammkunden, die alle Jahre wieder zum Bauernhof Jacobi kommen“, sagt Annette Bußmann, die 1. Vorsitzende der Zukunftsschmiede Gevelsberg, der sich auch viele Sprockhöveler angeschlossen haben. „Wir arbeiten mit der Lokalen Agenda 21, dem NABU und dem Anu (Arbeitskreis Natur und Umwelt) zusammen. Und natürlich machen hier und heute auch unsere Vorstandsmitglieder mit“, dabei schaut sie auch auf ihren Stellvertreter Gustav Adolf Schmid, der auch schon 1999 aktiv war.

Die Stammgäste unter den Ausstellern und Kunden sind eine Sache, der Stolz des Vereins allerdings eine andere. „Wir haben seit den Sommerferien eine neue Jugendgruppe, die sich uns angeschlossen hat“, so die Vorsitzende, die bei strömendem Regen die noch spärlich eintreffenden Besucher begrüßte.

„Wir sind zwar inspiriert von der Friday für Future-Bewegung, doch wir wollen statt zu demonstrieren, selbst etwas tun, um im Kleinen etwas zu bewirken“, sagt der 14 Jahre alte Matti. Da lohnte dann auch ein Blick auf den Stand der 20-köpfigen Jugendgruppe, die sich vor allem den Kampf gegen Verpackungsmüll und Plastik auf die Fahnen geschrieben hat. Überflüssigen Verpackungen wollen die Mädchen und Jungen im Teenageralter mit selbst gefertigten Netzen für Brötchen, Obst und Gemüse zu Leibe rücken. Eine zündende Idee sind auch ihre „Organizer“, nämlich Bücher, die nicht mehr als zeitgemäße Lektüre gelten und selbst auf Flohmärkten keine Käufer mehr finden werden. „Wir blättern sie auf und knicken jede Seite halb um und fügen sie nach innen“, berichtet Louisa. „Dadurch entsteht ein großer Fächer, in den man Zettel oder zu erledigende Post stecken kann. So hat man einen garantiert plastikfreien Ordner, den man, ohne etwas zu vergessen, abarbeiten kann.“

Und was Bücher angeht, haben die jungen Menschen noch einen besonderen Aspekt auf ihrem ausliegenden Merkblatt festgehalten. „Wer sich Bücher ausleiht oder in Bücherbasaren erwirbt, statt neu zu kaufen, tut gleichfalls etwas für die Umwelt, da kein Papier unter großem Wasserverbrauch hergestellt, bedruckt, gebunden und verpackt werden muss“, ist ein Hinweis der Jugendlichen, die aus Sprockhövel, Gevelsberg, Ennepetal und Wetter.

Zu den angebotenen Naturprodukten zählten neben Wolle und Garn auch Honig von regionalen Bienen, Marmelade und Gelee, Laubsägearbeiten auch „Gevelsberger Kaffee“, der natürlich nicht aus Anbau auf südwestfälischen Hängen stammt, sondern in der Nachbarstadt geröstet wurde und deshalb keine langen Anfahrtswege benötigte.