Sprockhöveler spricht für ganz NRW

Sprockhövel. : Sprockhöveler spricht für ganz NRW

Philipp Kersting ist eine von zwei neuen Stimmen bei NRWision. Der Produzent freut sich sehr auf die neue Herausforderung.

Manchmal stellt sich der Erfolg ganz unerwartet ein. Diese Erfahrung hat der Sprockhöveler Musiker und Medienmacher Philipp Kersting schon häufiger gemacht. Sein neuester Erfolg: Der 36-Jährige ist von den Nutzern der Medienplattform NRWision zu einem von zwei neuen Sprechern gewählt worden. Im Casting setzte er sich gegen 150 Mitbewerber durch. NRWision bietet allen Interessierten in NRW eine Plattform für Video- und Audioproduktionen an. Kersting wird demnächst im TV-Lernsender der Plattform und zahlreichen Audioproduktionen zu hören sein. Was genau ihn erwartet, weiß der 36-Jährige aber noch nicht, da das Planungsgespräch noch ansteht. „Ich bin gespannt, in welche Richtung das gehen wird“, sagt Kersting.

Diese Offenheit ist genau nach dem Geschmack des Sprockhöveler Kreativen. Denn er experimentiert gerne und lässt sich dabei von seinem Bauchgefühl leiten. Wohin das führen kann, zeigt seine Geschichte mit dem weit verbreiteten Küchengerät eines Wuppertaler Herstellers: Vor zwei oder drei Jahren habe er besonders viel Zeit mit dem Gerät in der Küche verbracht und zahlreiche Essensgerichte ausprobiert. Irgendwann sei ihm die Idee gekommen, einen Song darüber zu schreiben und diesen ins Internet zu stellen. Dass sich als Reaktion eine Reihe von Youtubern bei ihm melden würde, um mit ihm ein Video zu drehen, damit habe er nun wirklich nicht gerechnet. Mittlerweile sei sogar ein Auftritt bei einer Veranstaltung des Herstellers geplant.

Kersting engagiert sich
auch an Schulen

Dass er sich mal beruflich als Kreativer verwirklichen würde, habe er ein bisschen wohl schon in der Schulzeit geahnt, sagt Kersting. Denn er tat sich schwer mit vorgegebenen Strukturen, wollte lieber sein eigenes Ding machen. Nach der Schule machte er eine Ausbildung zum Fachinformatiker und arbeitete eine Zeit lang in einer Marketingagentur. „Aber das war mir zu bieder.“ Nach einem kurzen Intermezzo als selbstständiger Mediengestalter beschloss er dann vor knapp zwölf Jahren, Musiker und Künstler zu werden. Nach dem Start als Musiklehrer in Hattingen ergaben sich Stück für Stück eine Vielzahl an Projekten als Live- und Studiomusiker (unter anderem auf Hochzeiten), Musicaldarsteller, Musikproduzent, Radiomoderator sowie als Autor, Komponist, Regisseur und Projektleiter für Kinder- und Jugendmusicals. Dabei ist er immer wieder auch in Sprockhövel aktiv, zum Beispiel bei Ferienworkshops oder Musicalprojekten an Schulen.

Seine Fähigkeiten hat sich Kersting, abgesehen von einigen Weiterbildungen, alle selbst beigebracht. „Ich stürze mich gerne immer wieder in neue Abenteuer und probiere mich aus“, sagt er. Feste Ziele setze er sich ungern. „Das wird stressig, wenn es mal nicht klappt“, ist seine Erfahrung. Stattdessen freue er sich, sich auf die Projekte einzulassen, die sich für ihn ergeben. „Ich lasse mich gerne wie ein Segelboot vom Leben in eine grobe Richtung lenken“, sagt Kersting. Seine Selbstständigkeit halte gerade im Sommer intensive Arbeitsphasen bereit, dafür seien die Wintermonate ruhiger. Dann gönnt sich der zweifache Vater Zeit mit seiner Familie, die aber auch ihren Raum bekommt, wenn er viel zu tun hat. Denn er könne sich seine Arbeit freier einteilen als bei einem klassischen Schreibtischjob.

Auf das Casting als Stimme von NRWision stieß er, als er mal wieder ein Video eines seiner Projekte auf der Plattform veröffentlichte. Er habe sich einfach mal beworben – und sich in mehreren Auswahlrunden durchgesetzt. Die Nutzer von NRWision hätten zunächst einen kurzen Audiobeitrag der 150 Teilnehmer bewertet. In Runde zwei musste sich dann jeder mit Bild, Name und einem kurzen gesprochenen Text bewerben. Für Kersting, der auch mal eineinhalb Jahre Radiobeiträge von Radio Ennepe-Ruhr produziert hat, war das Engagement total passend: „Ich rede für mein Leben gerne“, sagt er über sich. Die unentgeltliche Tätigkeit bei NRWision sieht er als Chance und Experiment: „Ich kann mich ohne professionelle Sprecherausbildung ausprobieren, bekomme Feedback, kann mich weiterentwickeln und Kontakte knüpfen“, freut er sich. Und wer wisse schon, was sich dabei Neues ergebe?

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