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Sprockhöveler Schüler tragen im Unterricht Jacke und Maske

Corona-Pandemie : Schüler tragen im Unterricht Jacke und Maske

Die Klassenräume müssen spätestens alle 20 Minuten gelüftet werden. Was bislang noch gut klappt, könnte im Winter für Probleme sorgen.

Die Vorgaben des Schulministeriums NRW sind eindeutig: „Auch nach den Herbstferien möchten wir für möglichst viele Schülerinnen und Schüler Präsenzunterricht sichern“, heißt es in der Schulmail vom 21. Oktober. Damit der Unterricht trotz Corona stattfinden kann, komme zu der AHA–Regel das Lüften der Unterrichtsräume hinzu. Es ist „ein wesentlicher, einfacher und wirkungsvoller Beitrag dazu, das Risiko einer Ansteckung mit dem Corona-Virus über Aerosole deutlich zu verringern“, heißt es weiter. Die Vorgaben sehen vor, dass die Räume alle 20 Minuten stoßgelüftet werden und wo es möglich ist, quer zu lüften. Die Fenster sollen während der gesamten Pausendauer geöffnet werden.

„Der Ennepe-Ruhr-Kreis empfiehlt seit Montag das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes in Grundschulen im Unterricht sowie in der OGS“, sagt Evelyn Müller, Dezernentin für Soziales, Integration, Jugend, Familie und Schule bei der Stadt Sprockhövel. Mit der Empfehlung geht der Kreis über die Vorgabe des Landes hinaus, die vorsieht, dass nur Schüler ab der fünften Klasse wieder im Unterricht und an ihrem Sitzplatz einen Mund-Nasen-Schutz tragen müssen. Müller betont, dass es eine Empfehlung sei. „Der Kreis kann nichts anordnen, was über das Ministerium hinausgeht.“

„Ich empfehle, dass Kinder auch am Platz Maske tragen, so dass der größtmögliche Schutz gewährleistet ist“, sagt Benedikt Heufken, Schulleiter der Gemeinschaftsgrundschule Haßlinghausen. Das Lüften klappe gut. Derzeit werde fast dauerhaft gelüftet, während die Kinder im Unterricht ihre Jacken tragen. „Wir haben auf der Homepage bekanntgegeben, dass die Kinder sich warm anziehen sollen“, sagt Heufken. Die Schule habe das Glück, dass die Eltern der 226 Schüler einsichtig seien und mitziehen.

Die Grundschule Hobeuken setzt auf ein Maskengebot, das heißt, wenn ein Schüler seinen Platz verlässt, muss er auch im Klassenraum eine Maske tragen. Die Vorgaben zum Lüften werden nach Angaben von Schulleiterin Kirsten Gross komplett umgesetzt. „Zurzeit tragen die Kinder eine Fleecejacke, weil es frischer wird“, sagt sie. Wenn es kälter wird, müssen sie sich mit Decken und Mützen ausstatten. Um die Schüler der Kälte nicht ständig aussetzen zu müssen, hat Gross beim Ministerium Lüftungsgeräte beantragt. Sie bezweifelt aber, dass ihrem Antrag stattgegeben wird.

Es gibt keine andere
Möglichkeit, als zu lüften

„Wir haben bereits vor den Herbstferien regelmäßig gelüftet“, sagt Christoph Uessem, Schulleiter der Wilhelm-Kraft-Gesamtschule. Die Lehrer hielten sich daran. Ob das Konzept des regelmäßigen Lüftens auch bei Minusgraden aufrechtzuerhalten ist, stehe außer Frage: „Wir haben keine andere Möglichkeit, als zu lüften“, sagt Uessem. Die Summen, die für Lüftungsanlagen vom Ministerium bereitgestellt wurden, seien lächerlich. „Mit den Ausschreibungen werde es noch eineinhalb Jahre dauern, bis wir da eine Lösung haben“, sagt er. Die Wilhelm-Kraft-Gesamtschule plädiere dafür, Unterricht in kleineren Gruppen zu machen. Das bedeute, dass die Hälfte der Schüler montags, mittwochs und freitags in die Schule käme, die andere Hälfte dienstags und donnerstags. Danach würde der Rhythmus gewechselt. „Damit hätte man auch die RKI-Vorgaben erfüllt“, so Uessem.

Die Schulleiterin der Mathilde-Anneke-Schule in Niedersprockhövel spricht sich hingegen eindeutig für Präsenzunterricht aus. „Ich finde es sehr sehr sinnvoll, dass alle Schüler hier unterrichtet werden“, sagt Christiane Albrecht. Viele Schüler der Gemeinschaftshauptschule hätten weder Endgeräte noch Unterstützung zu Hause. „Ein Unterrichtsausfall darf nicht für längere Zeit passieren“, sagt sie. Nach dem Lockdown im Frühjahr habe die Schule gesehen, dass das „für einige Schüler dramatisch“ war. Das Lüften klappe derzeit noch gut. „Die Schüler müssen sich warm anziehen“, sagt Albrecht. Allerdings sei fraglich, wie stark die Räume bei Minustemperaturen auskühlten.

Sie hofft aber, dass der Winter nicht zu regnerisch werde, damit die Schüler auch in den Pausen rausgehen können. „Die Pausenhalle ist nicht so groß, dass alle da hineinpassen“, sagt sie. Eventuell müssten die Pausen versetzt stattfinden. Die Masken habe der überwiegende Teil der Schüler auch während der Lockerungen im Unterricht getragen. „Aus Solidarität und wegen seiner Vorbildfunktion trägt das gesamte Kollegium eine Maske – auch wenn sie sie abnehmen dürften“, sagt Albrecht. Sie findet: „Man gewöhnt sich an alles.“