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Sprockhöveler Modehändlerin berichtet über schwere Zeit im Einzelhandel

Einzelhandel : „Es ist jetzt schon fünf nach zwölf“

Margret Obermann macht sich Sorgen um die kleinen Läden in Sprockhövel. Während sie Kleidung immerhin noch online verkaufen könne, hätten andere Ladeninhaber diese Möglichkeit nicht.

Margret Obermann, Inhaberin des „Young Fashion Store“ an der Mittelstraße in Haßlinghausen und des „Fashion Store“ an der Hauptstraße in Niedersprockhövel, gleichzeitig Vorstandsmitglied im Werbering Haßlinghausen, sorgt sich angesichts des fortdauernden Lockdowns seit Anfang Dezember. Und zwar nicht nur um ihre eigene Situation als Einzelhändlerin in der Modebranche, sondern um die vielen kleinen Geschäfte nicht nur in Sprockhövel.

„Für viele Einzelhändler ist ihr Geschäft das mit eigenen Händen, Ideen und ihrer ganzen Kraft aufgebaute Lebenswerk. Das ist von der Zerstörung bedroht, und zwar ohne jegliches eigene Verschulden“, macht sie deutlich. Der Einzelhandel habe von Anfang an alles getan, um die Hygienevorschriften umzusetzen, habe Desinfektionsmittel im Eingangsbereich bereitgestellt und den Zugang zu den Geschäften begrenzt. „Es wurde mit viel finanziellem Aufwand dafür gesorgt, dass sich die Kundschaft in den Ladenlokalen sicher fühlen konnte. Und nun stehen viele Kolleginnen und Kollegen unverschuldet vor der Insolvenz.“

Die Kauffrau und Arbeitgeberin schildert die Lage speziell in ihrem Metier: „Es gibt zwei Höhepunkte, was den Umsatz in der Modebranche angeht: Ostern und Weihnachten. Und die sind beide durch die erzwungenen Geschäftsschließungen fünf Wochen im Frühjahr und vor Weihnachten seit dem 10. Dezember weggebrochen. Derzeit sitzt der Modehandel in den Ladenlokalen vor den Kleiderständern und Auslagen auf der bereits bezahlten Winterware, die wir bestenfalls noch weit unter Einkaufspreis verkaufen können“, stellt Margret Obermann sichtlich verbittert fest. „Das ist so, als müssten die Lebensmittelhändler, die ja zum Glück geöffnet haben, ganze Lieferungen mit Obst, Gemüse oder Fleisch einfach vergammeln lassen.“

Auch das Thema „staatliche Unterstützung“ bringt Margret Obermann in Rage: „Wir können derzeit überhaupt noch nichts beantragen, weil gar keine entsprechenden Formulare bereitliegen.“ Währenddessen liefen die Fixkosten weiter und die Kolleginnen und Kollegen versuchten, das mit ihren privaten Ersparnissen auszugleichen. „Wer Ladenlokale angemietet hat, der muss natürlich auch die Miete pünktlich zahlen.“ Denn den Vermietern sei die derzeitige Situation zum großen Teil egal. „Und wer Kredite aufgenommen hat, der muss die gleichfalls bedienen. Da stehen viele Einzelhändler vor unlösbaren Problemen“, schildert die Geschäftsinhaberin die verzweifelte Lage in ihrem Umfeld. Andere Geschäfte, die Textilien mitanbieten, dürften dagegen weiter geöffnet bleiben.

„Wir bei Young Fashion Store und Fashion Store haben noch die Möglichkeit, online zu verkaufen. Aber das haben längst nicht alle. Und deshalb ist es jetzt schon fünf nach zwölf“, schlägt sie Alarm. Sie hofft, dass es nach dem derzeit noch geplanten Ende des Lockdowns Ende Januar weitergeht oder wirksame Hilfen gewährt werden.

Wobei Margret Obermann nachdrücklich feststellt: „Wir sind keine Bittsteller, weil wir diese Misere nicht zu verantworten haben.“ Zudem macht sie – mit Blick auf andere Geschäftsinhaberinnen und -inhaber, Gastronomen und Friseure – deutlich: „Es bringt nichts, wenn einzelne überleben, aber ansonsten die Lichter ausgehen.“