Sprockhöveler gehört zu den besten deutschen Landwirten

Sprockhövel : Sprockhöveler gehört zu den besten deutschen Landwirten

Sebastian Stens hat sich beim Berufswettbewerb der Landjugend mit anderen Auszubildenden gemessen.

Sebastian Stens ist mit Tieren aufgewachsen. Sein Vater Volker Stens führt den Hof Scherenberg in Sprockhövel. Ein Milchviehbetrieb, der den 20-Jährigen geprägt hat und auf dem er bereits viel gelernt hat. Er erklärt aus dem Stehgreif die Vorteile eines Melkroboters – sowohl für den Menschen als auch für die Tiere. Die Kühe gehen in bestimmten Intervallen in den Melkstand und werden auf diese Weise durchschnittlich etwas häufiger gemolken als früher. „Der Schwerpunkt liegt inzwischen mehr auf der Kontrolle der Tiere“, sagt Sebastian Stens. „Aus dem elektrischen Leitwert können wir Rückschlüsse auf die Eutergesundheit ziehen und entsprechend behandeln“, sagt er.

Seit zwei Jahren macht Sebastian Stens eine Ausbildung zum Landwirt, die er demnächst abschließen wird. Das Wissen, das er bisher erworben hat, hat er Anfang Juni unter Beweis gestellt und den zweiten Platz im Bundeswettbewerb der Landjugend belegt. Dabei musste er sich insgesamt mit 10 000 Mitbewerbern und Mitbewerberinnen messen. „Es gab zwei Vorentscheide, einen auf Kreisebene und einen auf Landesebene“, sagt Sebastian Stens. Vom 2. bis zum 5. Juni musste er sein Können in Herrsching am Ammersee erneut unter Beweis stellen. „Das war eine Supermöglichkeit, den eigenen Könnens-Stand abzurufen“, sagt Stens.

In den Tests wurden auch Allgemeinwissen und Berufstheorie abgefragt und seine Präsentationsfähigkeiten wurden beim Thema „Zukunftsfähigkeit der deutschen Landwirtschaft“ unter die Lupe genommen. „Im Stall musste ich den Tierkomfort untersuchen. Das sind oft nur Nuancen, die dazu führen, ob ein Tier artgerecht gehalten wird“, weiß Sebastian Stens aus seinem heimischen Betrieb. Eine gute Luftqualität, Licht und Platz sind entscheidend für die Qualität der Tierhaltung. Außerdem sei es günstig, wenn Bürsten an den Wänden montiert sind, die sich bei Kontakt drehen und die Kühe massieren.

Und noch ein weiteres Indiz für gute Haltungsbedingungen kennt Sebastian Stens: „Kühe kauen im Liegen wieder. Wenn sie viel Liegen, ist das ein Zeichen, dass sie genug Platz haben.“ Das schlage sich direkt auf die Milchmenge nieder. Eine weitere Aufgabe im Bundeswettbewerb der Landjugend war die Untersuchung eines Getreideschlags auf Schädlinge und Krankheiten sowie die Bestimmung von Unkräutern.

Im Herbst folgt für Stens
das Studium

Die praktische Aufgabe, das Geschicklichkeitsfahren mit einem Feldhäcksler meisterte Sebastian Stens mit Bravour. Der zweite Platz bei dem Wettbewerb scheint wie eine Bestätigung, dass der junge Landwirt den richtigen Beruf gewählt hat.

Begeistert erzählt er von seinen beiden Ausbildungsbetrieben. „Ich bin von zuhause weggegangen, um etwas anderes zu sehen, denn zuhause kenne ich ja schon“, sagt der 20-jährige. Regional sei es so unterschiedlich, wie sich die Landwirtschaft entwickelt habe. In Warburg arbeitete er auf einem Bio-Ackerbaubetrieb; seine zweites Ausbildungsjahr verbrachte er in Bielefeld auf einem Bio-Milchviehbetrieb mit eigener Molkerei. „Eine eigene Hofmolkerei ist schon etwas Besonderes“, schwärmt Sebastian Stens. Die Milch werde auf dem Hof pasteurisiert und verpackt oder zu Jogurt verarbeitet. Das sei eher die Ausnahme, die meisten Höfe lieferten die Milch - wie auch der Hof seines Vaters in Sprockhövel - an eine Molkerei.

Im Herbst beginnt Sebastian Stenz ein Studium der Agrarwissenschaften in Göttingen. Sein Studienort ist nur eine Dreiviertelstunde von dem Bio-Ackerbaubetrieb seiner Familie in Sachsen-Anhalt entfernt. „Dort werde ich während des Studiums arbeiten“, sagt er. Auf lange Sicht möchte er den Bio-Betrieb übernehmen.

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