Sprockhövel zeigt Fracking die Rote Karte

Sprockhövel zeigt Fracking die Rote Karte

Antrag zur Verlängerung der Suche nach Erdgasvorkommen lehnt die Stadt ab.

Sprockhövel. Die Stadt Sprockhövel erlaubt das sogenannte Fracking auf ihrem Gebiet weiterhin nicht. Eine bei der Bezirksregierung Arnsberg eingegangene Anfrage der Wintershall Holding auf eine Verlängerung der Konzession zur Suche nach Erdgas in dem Feld „Ruhr“ werde von der Stadt abgelehnt, heißt es in einem Schreiben an die Bezirksregierung. Am Donnerstagabend stand dieses Thema auch auf der Tagesordnung des Umweltausschusses. Um die Gewässer zu schützen, stehe die Stadt dem Vorhaben „ablehnend gegenüber“.

Das Fracking-Verfahren ist umstritten, weil bei den Bohrungen in Kohleflözen oder Schiefergesteinsschichten Chemikalien zum Einsatz kommen. Mit dem Antrag auf „Verlängerung der Erlaubnis zur Aufsuchung von Kohlenwasserstoffen zu gewerblichen Zwecken“ (so der offizielle Titel) will sich das Unternehmen Wintershall aus Kassel die Rechte auf potenzielle Fracking-Bohrungen in dem Erschließungsfeld Ruhr sichern.

Es gehe noch nicht um konkrete Suchmaßnahmen, sondern lediglich darum, sich entsprechende Vorrechte zu sichern, erklärt Andreas Nörthen, der bei der Bezirksregierung Arnsberg für Bergbauangelegenheiten zuständig ist. Für konkrete Suchmaßnahmen — zum Beispiel Testbohrungen — wären gesonderte Zulassungsanträge nötig. Und die liegen der Bezirksregierung bisher nicht vor.

Die Stadtverwaltung schließt sich in ihrer Replik an die Arnsberger Mittelinstanz den von „Fachleuten geäußerten Bedenken“ zu der Frackingmethode an und verweist darauf, dass bei diesem Verfahren „eine Verunreinigung des Grundwassers nicht hinreichend auszuschließen“ sei.

Ob sich im Stadtgebiet Sprockhövel tatsächlich gewinnbare Vorkommen an Erdgas finden, ist unklar. Die Gewinnung von Erdgas könnte zusätzliche Einnahmen bringen, gleichwohl lehnen sowohl Stadt wie auch der Ennepe-Ruhr-Kreis Fracking-Bohrungen ab. Im September 2012 sprach sich der Kreistag gegen das Fracking aus. Dem folgte ein Jahr später der Stadtrat.

Grundsätzlich sei der südliche Rand des Ruhrgebiets — der in etwa auch die Lage des Feldes Ruhr zwischen Niederrhein und Sauerland umfasst — ein Gebiet, in dem die Suche nach Erdgas durchaus sinnvoll sei, betont Nörthen. Aufgrund der oberflächennahen Kohleflöze in der Region könnten sich dort auch Gasvorkommen finden. Die Frage sei allerdings, ob diese Vorkommen aufgrund der Nähe zur Oberfläche nicht schon entwichen seien.

Stefan Leunig, Sprecher von Wintershall, betonte gegenüber der WZ, dass nach jetzigem Stand lediglich fünf flache Kernbohrungen zur wissenschaftlichen Erkundung der Geologie angedacht gewesen seien. Die sollten in einer Tiefe von 250 bis 300 Metern stattfinden und klären, ob sich eine Gasförderung im Fracking-Verfahren in der Region rechne. Aufgrund der Kritik an Fracking und der breiten Ablehnung der Fördertechnik sei es aber bislang nicht möglich gewesen, entsprechende Probebohrungen durchzuführen.

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