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Sprockhövel: Informationstafel für die Isola Mineralwolle-Werke

Sprockhövel : Informationstafel für die Isola Mineralwolle-Werke

Am Montagnachmittag ist die Informationstafel für die Isola Mineralwolle-Werke in Sprockhövel präsentiert wprden.

„Eigentlich sollte diese kleine Feierstunde schon zum 50-jährigen Stadtjubiläum von Sprockhövel stattfinden. Doch auch das hat Corona zunichte gemacht“, meinte Erich Bühren, Mitglied des Heimat- und Geschichtsvereins, am Montagnachmittag bei der offiziellen Vorstellung einer Informationstafel. Sie ist vor allem einem bedeutenden Unternehmen im Haßlinghauser Industrieleben gewidmet: Der 1925 gegründeten  „ Isola Mineralwolle-Werke“, die inzwischen „Isola Vermilucite GmbH“ heißt.

Im Beisein von Bürgermeisterin Sabine Noll, Professor Reinhard Döpp (Chef des Industriemuseums in Ennepetal), Klaus Walterscheid (Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins) seinem Stellvertreter Gerhard Koch, den Mitgliedern der Industriellenfamilie Zimmermann und vielen Honoratioren Sprockhövels wurde die weitgehend von Erich Bühren vom HGV Sprockhövel und der ehemaligen Stadtarchivarin Karin Hockamp erarbeitete Info-Tafel offiziell vorgestellt.

Das Unternehmen, das direkt neben der Glückauf-Trasse liegt, hat weit bevor Recycling und Nachhaltigkeit an Bedeutung gewannen, ein leuchtendes Beispiel für Wiederverwendung „unbrauchbaren“ Abfalls geliefert.

Kokerei und Co. kippten ihre Schlacke nach Haßlinghausen

Die Hochöfen der Eisenhütte Haßlinghausen, wo  1861  die 138 beschäftigten Arbeiter 15 000 Tonnen Roheisen produzierten, die Zeche Deutschland sowie Brikettfabrik und Kokerei hatten Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhundert ihre Schlacke hinab nach Neu-Haßlinghausen gekippt. Nach dem Zechensterben Anfang der 1920er-Jahre war es  Isola-Firmengründer Wilhelm Zimmermann senior, der das Gelände der zugrunde gegangenen  Unternehmen erwarb.  Das von ihm bei seiner Tätigkeit im Schalke-Verein – nicht zu verwechseln mit dem FC Schalke 04 – entwickelte System der Nutzbarmachung  dieser Abfälle wendete er auch in Haßlinghausen an.

Dieses Verfahren war schon 1916 durch Kaiser Wilhelm mit dem Orden „pour le merite“ geadelt worden. Der so ausgezeichnete Industriepionier hatte den Schlackenabfall zusammen mit Koks auf 1500-1800 Grad erhitzt, verflüssigt und mit Dampfstrahl verblasen. Die draus entstandenen weißen Fäden waren der Grundstoff für die Mineral-Wolle, die schnell ein weltweit gefragtes probates Isoliermittel wurde und dazu beitrug, dass Isola, wo auch viele der einstigen Eisenhüttenarbeiter eine neue Beschäftigung fanden, seine Produktion ständig steigern konnte und die Entwicklung des Unternehmens einen überaus positiven Verlauf nahm.

Dieses Produkt wurde bis Mitte der 1980er-Jahre hergestellt, ehe man sich, so berichteten es die ebenfalls anwesenden jungen Familienmitglieder Beatrice, Christine und Hans-Georg, als Isolierstoff dem Rohstoff Vermilicute zuwandte, der in Südafrika, Simbabwe, Brasilien und Uganda im Tagebau abgebaut wird. „Der ist bis zu 1100 Grad hitzebeständig“, versicherte Hans-Georg Zimmermann, während sich Senior  Johannes Wilhelm Zimmermann (87), ein Enkel des Firmengründers, über die gelungene Feierstunde freute. Erich Bühren ließ einige prägnante, auf der Info-Tafel aufgeführte  Momente Revue passieren und überreichte zum Abschluss  seiner Ausführungen  einen verzierten Messstock an Bürgermeisterin Sabine Noll. Dieser „Messstock“ oder „Meterstock“  war zu Zeiten des Ruhrbergbaus das Werkzeug des Steigers, mit dem er die von den Hauern abgebaute Kohle maß. „Der bekommt einen Ehrenplatz im Rathaus“, versprach Sabine Noll. Sie zeigte sich beeindruckt von der Vorarbeit Erich Bührens.

Viele Erinnerungen
werden festgehalten

„Wir können froh sein, dass es Menschen gibt, die dafür sorgen, dass die Vergangenheit lebendig bleibt“, sagte sie und bezog in den Dank auch die Familie Zimmermann ein, die diese Feier ermöglicht habe. „Faszinierend, was Herr Bühren erzählen konnte“, sagte die Bürgermeisterin. Sie ging auf die Erinnerungen des „Hobby-Historikers“ ein, der in den vergangenen Jahrzehnten vieles, was auf der Info-Tafel aufgeführt ist, noch selbst erlebt hat.

Im malerischen schwarzen „Bergkittel“, einer uniformartigen Jacke mit den Bergwerkssymbolen Schlägel und Eisen,   war Professor Reinhard Döpp, Direktor des Industrie-Museums Ennepetal,  erschienen.  Er appellierte  ebenfalls an die anwesenden Gäste, die Zeugen der Geschichte für die nachfolgenden Generationen zu bewahren, was sich der Heimat- und Geschichtsverein Sprockhövel seit seiner Gründung zu seinem Anliegen gemacht hat.