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Sprockhövel: Am Wochenende gab es an der Bleichwiese Theater, Musik und Open-Air-Kino​

Kultur im Freibad Bleichwiese : Endlich wieder Kultur im Sprockhöveler Freibad

Am Freitag und Samstag gab es im Freibad an der Bleichwiese in Sprockhövel wieder Theater, Musik und Open Air-Kino.

„Darauf haben wir lange gewartet“, sagte Marcel Beckers, der Vorsitzende des Fördervereins Freibad Sprockhövel, unter dem die Theaterbühne bildenden weißen Baldachin, als er am Freitagabend zu den in beachtlicher Zahl erschienenen Zuschauern im Freibad an der Bleichwiese sprach.  Die hatten sich auf Bänken und Liegestühlen vor der Bühne niedergelassen - und Beckers freute sich, endlich wieder mit einer Kulturveranstaltung auf den Plan treten zu dürfen.

Das geschah Freitag und Samstag in geballter Form: Es begann mit der Theatergruppe „Schnickschnack“ und der nachdenklich stimmenden Komödie „Mit Deinen Augen“ von Frank Pinkus und wurde am Samstag fortgesetzt mit der Powerband Fritz Brause und dem Open-Air-Kino am Beckenrand, wo die  Filmkomödie „Master Cheng in Pohjanjoki“ über die Leinwand flimmerte.

Viel Applaus für die
Theatergruppe „Schnickschnack“

„Wir haben corona-bedingt anderthalb Jahre nicht mehr gespielt“, so Ute Dessel, die Vorsitzende von „Schnickschnack“, die zum Auftakt hoffentlich aktiverer Zeiten das Zweipersonenstück „Mit Deinen Augen“ zeigten, das vor fünf Jahren schon einmal begeistert hatte. „Wir spielen in derselben Besetzung wie damals“, so Anja Ferber, die  die Rolle der gestressten Strafverteidigerin Anna spielte, während Philipp Sonneck den Anstalts-Insassen Karl gab.  Der stand  plötzlich vor Annas Tür  und  brachte als schlichtes, zu keiner Ironie fähiges Gemüt deren Gedankenwelt mit naiven Fragen und außerhalb der  Normalität liegenden Ansichten total durcheinander. Und sorgte bald für die Erkenntnis, dass er der eigentlich vernünftig  Denkende  in einer total verrückten Welt war.

„Mit Pause dauert das Stück zweieinhalb Stunden“, kündigte Ute Dessel an, was für die beiden Darsteller eine beachtliche Textsicherheit  erforderte, die aber souverän gemeistert wurde. Die Souffleuse Silke Tombrink-Sturm versah in ihrem diskreten Eckchen unhörbar ihren Dienst und freute sich ebenso wie das Publikum über die in Hochform auftretenden Anja Ferber und Philipp Sonneck bei deren Freiluft-Premiere. Lang anhaltender Applaus belohnte die beiden bravourösen Mimen.

Und auch am Samstag folgte ein lauer Sommerabend, den Sprockhöveler und Gäste  auf der Wiese vor der Bühne bei fetziger Live-Musik und bei Eintritt der Dunkelheit mit einem witzigen Film genießen konnten. Die den Vorschriften gemäße Besucherzahl von 300 Personen dürfte schon relativ früh erreicht worden sein. Auf der 28 Quadratmeter großen Leinwand verfolgten die Film-Fans auf der Tribüne des 50-m-Beckens Master Chengs  kuriosen Auftritt in Finnland, wobei das Wasser mit seinen 24 Grad zum Filmgenuss  im nassen Element lockte.

„Großartig, dieses Kulturwochenende“, so Bürgermeisterin Sabine Noll, die zusammen mit Ehemann Holger Böker im Publikum saß. „Unglaublich, was wir diesmal für ein Glück mit dem Wetter haben“, freute sich auch Beckers, dessen Förderverein in diesem Jahr wegen Corona bisher auf alle einnahmeträchtigen Veranstaltungen verzichten musste.

Gedämpfte Freude auch bei Ulrike Adamy, der Leiterin des Freibades, die nicht nur registrierte, dass das erneute Corona-Jahr die Badegäste von  dem nassen Vergnügen abgehalten hatte. „Auch der sonstige Besuch war wegen des nicht so guten Wetterseher mäßig“, sagte die langjährige städtische Angestellte. „Ein Glück, dass wir die Schwimmvereine haben, die hier regelmäßig trainieren.“