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Sprockhövel: 200 alte Dachschindeln der Zwiebelturmkirche werden verkauft

Sanierungskosten in Höhe von 2,1 Millionen Euro : 200 alte Dachschindeln der Zwiebelturmkirche werden verkauft

Das Geld dient der Finanzierung der Restaurierung. Kreativ gestaltete Dachschindeln kosten mehr.

Um die Finanzierung der Restaurationsarbeiten am Kirchturm der Zwiebelturmkirche stemmen zu können, ist Einfallsreichtum gefragt. Jeder Cent zählt. Und an fehlender Kreativität mangelt es der Kirchengemeinde im Herzen Niedersprockhövels nicht. So gehen 200 Dachschindeln in den Verkauf, die Jahrzehnte den Turm verkleidet haben und im Rahmen der Renovierungsarbeiten demontiert worden sind.

„Wir haben alle 200 Schindeln von Schmutz und Dreck befreit“, berichtet Pfarrer Arne Stolorz. Nach dieser Aktion wurde für jede Schindel ein Echtheitszertifikat erstellt. Steht eine solche Schindel bald in der heimischen Vitrine, dann wird durch das Zertifikat ihre Herkunft und Echtheit als ein Stück Sprockhöveler Kirchengeschichte dokumentiert. Damit ist vielleicht auch klar, an wen sich die Aktion im Besonderen richtet: an Heimatfreunde.

Aber nicht nur. Alexandra Luczak von der Kreativothek an der Hauptstraße 21 hat eine ganze Reihe von Schindeln künstlerisch verziert. „Die Konfirmanden der Gemeinde haben etwa eine Schindel mit ihrem Konformationsspruch erhalten“, erzählt die Grafikdesignerin. „Das ist auf jeden Fall eine besondere Erinnerung.“ Ähnliche kalligrafisch anspruchsvolle Gestaltungen sind auch zu anderen Anlässen möglich. Und nicht nur das: „Der Kreativität ist nur eine Grenze gesetzt: Der Platz, der auf solch einer Schindel zur Verfügung steht.“

 Die Zwiebelturmkirche benötigt ein neues Dach. Die Kosten für die Sanierung liegen bei rund 2,1 Millionen Euro.
Die Zwiebelturmkirche benötigt ein neues Dach. Die Kosten für die Sanierung liegen bei rund 2,1 Millionen Euro. Foto: Fries, Stefan (fr)

Der Grund für Aktionen wie diese ist mit steigenden Kosten bei der Sanierung des Kirchturmes zu erklären. Die Kostenschätzung für die Sanierung liegt bei 2,1 Millionen Euro. Das Problem: Die Kosten konnten vor Baubeginn nur in derart kalkuliert werden, soweit sie ersichtlich waren. So sind viele Schäden der Fassade erst im Rahmen der laufenden Sanierungsarbeiten entdeckt worden, da sie etwa unter den alten Schindeln anzutreffen waren. Schäden, die mit 100 000 Euro mehr zu Buche geschlagen sind.

„Wir sind dennoch auf einem guten Weg, 1,2 Millionen Euro haben wir“, so Stolorz. Aufgrund der Finanzierungslücke wird in Abschnitten gearbeitet. Neu verschiefert ist der Turm bereits. 2022 stehen Renovierungen an Dach- und Dachstuhl sowie eine Reihe kleinerer Arbeiten an. Das alles ist durch den bislang zur Verfügung stehenden Betrag abgesichert und finanziert. Diesen Arbeiten werden weitere notwendige Fassadenarbeiten folgen. Allerdings erst, wenn deren Finanzierung steht. In einem vierten Schritt wären dann, unabhängig von den laufenden Renovierungsarbeiten, außen auch Innensanierungen vonnöten. „Das ist allerdings noch Zukunftsmusik.“

Um Gelder zu generieren, etwa auch aus öffentlichen Förderungen für denkmalgeschützte Bauwerke, gibt es in der Niedersprockhöveler Gemeinde einen eigenen Fundraising-Ausschuss, der immer wieder neue Ideen erarbeitet und an Spendentöpfen klopft. Auch aus (Kultur-)Veranstaltungen sollen in Zukunft wieder Gelder fließen; die jetzige Corona-Situation macht es möglich, solche Veranstaltungen wieder stattfinden zu lassen.

„Und dann ist ja bald schon 2022“, sagt Arne Stolorz und verweist auf den Kalender, der für das kommende Jahr mit Ansichten der Zwiebelturmkirche gestaltet worden ist. „Der geht in diesen Tagen in den Druck und wird dann in Kürze auch im Handel erhältlich sein.“