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SPD Sprockhövel kritisiert fehlendes Hygienekonzept beim Fahrdienst

Kritik : SPD kritisiert fehlendes Hygienekonzept

Die Stadt hatte angeregt, dass sich Freiwillige für einen Bringdienst zum Impfzentrum melden. Die Sozialdemokraten melden Zweifel an, dass ausreichend Schutz gewährleistet ist.

Am Montag sind die Impfungen gegen das Coronavirus auch im Ennepe-Ruhr-Kreis für Menschen im Alter über 80 Jahre gestartet, die zuhause leben. Für sie bietet die Stadt Sprockhövel einen Fahrdienst an. „Freiwillige fahren Menschen, die keine Verwandten oder Bekannte haben, zum Impfen“, sagt Bürgermeisterin Sabine Noll. Auch Menschen, die keinen Krankenfahrschein vom Arzt bekommen, um im Taxi zum Impfzentrum in Ennepetal zu fahren, können den Fahrdienst in Anspruch nehmen. Wer Interesse an dem Fahrdienst hat, kann sich beim Seniorenbüro melden. „Die Fachberaterinnen können bei Fragen rund um die Impfung helfen, haben aber keinen Einfluss auf die Terminvergabe“, sagt Noll.

Der Impftermin könnte nach Angaben von Noll wie folgt ablaufen: die Freiwilligen bringen die Menschen zu dem Impftermin. Das dauert etwa eine halbe Stunde. Vor Ort trennen sich die Wege der Senioren und ihrer Fahrer. In einigen Fällen sei eventuell die Begleitung im Impfzentrum erforderlich. „Vor der Impfung findet das Impfgespräch statt, dann folgt die Impfung, anschließend verbringt der Geimpfte eine gewisse Zeit im Ruheraum“, erklärt Noll den Ablauf. Anschließend bringt der ehrenamtliche Fahrer den Geimpften nach Hause.

Um die Hygienemaßnahmen einzuhalten und gerade ältere Menschen nicht zu gefährden, sollen sowohl der Fahrer als auch der Impfwillige eine FFP2-Maske tragen. „Wenn möglich, sollen die Senioren hinten im Auto sitzen“, sagt Noll. Es gebe sogar einige Fahrzeuge, in denen Abtrennungen eingebaut werden. Der Einsatz eines ehrenamtlichen Fahrdienstes sei mit dem Gesundheitsamt abgestimmt worden, so Noll.

Bislang gibt es 40 Angebote ehrenamtlicher Fahrdienste, darunter auch vier von Einrichtungen wie der Caritas und kirchlichen Gruppen. „Wir haben neun Fahrten vermittelt, drei weitere müssen noch vermittelt werden“, sagt die Bürgermeisterin, die sich über „das tolle Engagement“ freut, weil es die Menschen in der Stadt zusammenhalte. Derzeit ist der Fahrdienst also noch nicht ausgelastet. Das liegt daran, dass derzeit nicht so viel geimpft wird. „Viele Menschen warten noch auf einen Termin. Der Einsatz der Freiwilligen wird auf jeden Fall noch gebraucht“, sagt Noll. Ehrenamtliche Fahrdienste für Senioren werden in ganz Deutschland angeboten, unter anderem in Dülmen, Leichlingen und Soest.

Schwachstellen sieht Junge
vor allem während der Fahrt

Die Idee aus dem Rathaus stößt aber nicht überall auf positive Resonanz. „Ich begrüße die Absicht, dass eine Unterstützung in Form von Fahrdiensten angeboten wird“, sagt Wolfram Junge, Fraktionsvorsitzender der SPD Sprockhövel. Das Impfzentrum in Ennepetal sei dezentral gelegen, insofern sei gut, dass überlegt werde, was man für Menschen tun kann, die nicht alleine dort hinkommen. Dann folgt ein großes Aber. „Es ist unklar, ob die Hygienestandards eingehalten werden“, sagt Junge, der Geschäftsführer eines Gesundheitsdienstes ist. „Wenn man als Behörde dazu auffordert, Menschen einer hochvulnerablen Gruppe zu transportieren, muss man gewährleisten, dass es ein Hygienekonzept gibt“, sagt er.

Schwachstellen sieht Junge vor allem in dem Umstand, dass ein Fahrer während der Fahrt keine FFP2-Maske tragen darf. „Wenn eine Behörde dazu aufruft, Menschen zu transportieren, müssen die Regeln eingehalten werden“, sagt Junge. Außerdem könne in einem normalen Pkw der Abstand nicht eingehalten werden, was die Senioren einer weiteren Gefahr aussetze. Er plädiert für ein Symptomscreening der Impfwilligen, also die Abfrage nach Erkältungssymptomen, Geschmacksverlust und kontaktloses Messen der Temperatur. Den freiwilligen Fahrern solle ein Antigen-Schnelltest zur Verfügung gestellt werden. „Der Test ist 48 Stunden gültig und bietet den Senioren Sicherheit“, sagt er.

Falls die Stadt Sprockhövel kein Hygienekonzept gewährleisten könne, müsse man auf einen professionellen Fahrdienst zurückgreifen. „Das kostet Geld. Das muss die Stadt im Zweifelsfall in die Hand nehmen“, sagt Junge. Mittel stünden zur Verfügung, weil das Land NRW die Gewerbesteuerausfälle für 2020 komplett ersetzt hat. „Es ist richtig, sich um die Frage zu kümmern, wie die Leute ins Impfzentrum kommen“, sagt Junge. Aber das gehe nur, wenn klar sei, dass Infektionswege verhindert werden.“